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SF37/09
"Holznerwirt" in Eugendorf


Der Holznerwirt der Familie Bimminger in Eugendorf. Ein traditionsbewusstes Wirtshaus mit Qualität.
Der Holznerwirt der Familie Bimminger in Eugendorf. Ein traditionsbewusstes Wirtshaus mit Qualität.

Der „Holznerwirt“ in Eugendorf ist ein traditionsreiches Wirtshaus und wird dennoch mit Erfolg geführt. Das ist alles andere als selbstverständlich.
Wirtshäuser haben es nicht leicht heutzutage – speziell im Flachgau. Oben drüber sitzen die Haubenlokale und schnappen sich die betuchten Gäste weg. Unten räumt Fast Food jeden ab, der viel essen will und das rasch und billig sowieso – und das ist die dicke Mehrheit. Schleichend verschwindet der Umsatz. Die Wirtsfamilie reagiert mit Selbstausbeutung. Ein Kellner wird gekündigt, vielleicht auch der Koch, die Arbeit übernehmen sie gemeinsam mit. Den Stundenlohn darf dabei niemand ausrechnen, sonst wird er rot vor Scham. Schafft die Familie rechtzeitig den Absprung, sperrt sie das Wirtshaus zu. Oft endet es in Konkurs oder Zwangsausgleich. Irgendwann wird aus der „Post“ ohnehin das „Peking“. Chinesen können das mit der Selbstausbeutung nämlich besser.
Die triste Lage mag nur den erstaunen, der den Antworten von Prominenten lauscht auf die Frage, was und wo sie denn am liebsten äßen. Die dann reflexartig vom Schweinsbraten/ vom Grammelknödel/ vom Kalbsvögerl schwärmen, immer genossen im Wirtshaus. Die Prominenz will damit als Mensch wie du und ich gelten. Ihre Antworten sind genauso wahr wie die Behauptung, immer nur in kleinen Geschäften einzukaufen. Das Wirtshaus bekommt eine Streicheleinheit ab. Aber von Streicheleinheiten kann es nicht leben.
Es sind die überkommenen Erwartungen der Gäste, die das Wirtshaus erdrücken. Gemütlich muss es sein und billig. Wehe, wenn es beides erfüllt. Wehe wenn „kostengünstig“ gekocht wird mit der Frittatensuppe von Maggi, dem tiefgefrorenen Wiener Schnitzel aus der Friteuse, dem Germknödel von Iglo. Da mögen die Kastanien noch so lauschig rauschen – kein Gast ist so sehr Feind seines Magens, dass er wiederkommt.
Die Familie Bimminger widersteht dieser Erwartung. Im „Holznerwirt“ wird Qualität geboten und das nötige Geld dafür verlangt. Die Bimmingers gelten dafür bei manchen Eugendorfern als hochgestochen. Damit können sie leben, solange die Gäste kommen.
Äußerlich bleibt der „Holznerwirt“ ein traditionsbewusstes Wirtshaus mit einer Geschichte, die bis ins Jahr 1300 zurückreicht. Der mächtige Bau bietet gediegene Stuben plus einen Weinkeller unter prächtigem Gewölbe, dazu einen Gastgarten mit mächtigen Kastanien. Eindeutig gemütlich. Und das Essen? Vergleichen wir Qualität und Preis.
Der Vorkoster bestellte sich eine Kalbzüngerlsulz (e 6,20) – selten nur wird sie angeboten. Was kam, unter pikanter Krenmarinade, war wunderschön anzuschauen, sauber geschlichtet aus Fleisch, Karotten, gelben Rüben und Aspik, auch wohlschmeckend, aber doch eher Typ Tafelspitzsulz und leider nicht aus Zungen gefertigt. Die Vorkosterin riskierte es, Gebackenes zu ordern – eine Nagelprobe in Wirtshäusern, geht es doch ums Fett: frisch oder nicht mehr. Das Bries (e 8,20) erwies sich als fein geputzt und wohlriechend ummantelt, die Schweinswangerl (e 9,20) als angenehm würzig und ebenso frisch umbröselt. Die Küche arbeitet sauber. Der Tafelspitz (e 13,80) bewarb sich erfolgreich um das Prädikat „klassisch“ mit einem erstaunlich saftig gebliebenen Fleisch und den üblichen Verdächtigen als Beilagen wie Rösterdäpfel, Schnittlauchsauce und herzhaftem Apfelkren. Der Saibling (e 14,20) zeigte alle Anzeichen frischer Zubereitung; eher schlicht geriet die Sauce aus zerlassener Butter, interessant hingegen die Vielfalt an gebratenen Gemüsen als Bett. Die marinierten Erdbeeren (e 4,60) füllten einen Pokal mit fruchtsüßer Reife. Und wer unter der Rubrik Dessert einfach „Alles“ ankreuzt (e 7.80), schickt die Gabel spazieren durch Apfelstrudel mit Vanillesauce, Mousse au chocolat, Walnusseis, Zimtecke und Anderes – nicht revolutionär aber gut.
Den Weinkeller hütet Bimminger junior – auch ein Qualitäts-Signal. Wir bekamen mit einem Weißburgunder „Ried am Zaun“ vom Malat eine gute Weinbegleitung ausgesucht. Was Küchenchef Daniel aus dem Innviertel auf die Teller bringt, ist dem Vorkoster 12 Punkte wert.
Ist der „Holznerwirt“ billig? Nein. Aber der Gast nimmt den Preis billigend in Kauf. Wirtshäuser überleben durch Qualität.

Landgasthof Holznerwirt, Dorf 4, 5301 Eugendorf, Tel. 06225-8205,
 
Internet:www.holznerwirt.at


 

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