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in Maishofen
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 Schloss Kammer in Maishofen |
Ein jahrelang währendes Missverständnis. Der Vorkoster hatte vom Gasthof „Schloss Kammer“ Gutes gehört, war aber nie dort eingekehrt. Weil er nämlich in Maishofen stets an einem Schloss vorbeifuhr, das zwar alt und imposant wirkte aber nie einladend: zu grau die Mauern, zu verkehrsumtost der ganze Bereich. So schloss er einen Besuch aus – bis er endlich mitbekam, dass es zwei Schlösser gibt im Pinzgauer Dorf. Dass er stets das falsche betrachtet hatte, Saalhof mit Namen. Dass Kammer ein ganzes Stück außerhalb liegt, schon am Fuße der Schwalbenwand. Und dass letzteres weder grau noch abweisend ist, sondern wirklich schön.
Erbaut 1582, der oberste Stock 1711 abgebrannt und neu erreichtet, ist Kammer optisch wie funktionsmäßig ein Mix aus Gutshof und Schloss. Der Gast nimmt Platz unter eindrucksvollen Gewölben, sogar die Rösser stehen in gotischen Mauern. Wobei die Tische draußen an der Hausmauer oder unter dem Nussbaum des Blickes wegen begehrt sind, der bis aufs Kitzsteinhorn schweift. Seit fast 200 Jahren führt die Familie Neumayer das Anwesen. Kein Zufall ist, dass eine Allee aus Ebereschen zum Schloss führt: Man brennt hier seinen eigenen Vogelbeer- Schnaps.
Seit fünf Jahren ist ein Titel vakant – jener der besten Pinzgauer Kost. Verwaist seit die Schlederers ihr „Schatzbichl“ in Saalfelden zugesperrt haben. Ein Vierteljahrhundert lang waren dort aus der Küche der einfachen Leute fulminante Speisen entstanden, Gerichte, deren Namen es nur im Dialekt gibt: Farfeln, Blattn, Nocken. Wobei deren erdschweres Fett verwandelt ward in Leichtigkeit und Kraft zugleich. Und aus dem Pinzgauer Zauberkasten erwuchsen Neuschöpfungen wie der Kletzenknödel. Seit fünf Jahren sucht der Vorkoster einen Nachfolger von ähnlicher Klasse.
Immerhin: Die Karte im „Schloss Kammer“ kennt einen eigenen Bereich für die Küche aus dem Pinzgau. Gut so, auch wenn es sich dabei vor allem um Hauptspeisen handelt. So starteten wir mit einem Carpaccio, das immerhin aus einem hiesigen Jungrind geschnitten war: dick genug, um Textur zu bieten, mit Pistazien gefüllt und wohlmariniert. Sehr angenehm. Die Gerstlsuppe war nicht allzu stark vom Räucherton geprägt, die Zucchinicremesuppe war zart geraten und sortentypisch. Der Hirsch fürs Ragout hat einst wohl auch in der Gegend geröhrt, sein Fleisch war g’schmackig, wenn auch eine Spur zu trocken.
Pinzgarisch nun: Die Nocken im schwarzen Pfandl zu servieren, ist natürlich ein Signal: hier regiert Tradition. Der Vorkoster mag Schotten, dieses einzigartige Parfümiermittel aus Magermilch, gefestigt zu Hütchen und geräuchert – eingesetzt hier aber eher sparsam, ein bissl mehr Würze hätte es schon sein können (wobei ein Zu- viel ungut ins Metallische abdriftet). So blieb die Darbietung etwas blass. Was man den Fleischnocken nicht vorwerfen kann; kräftig, auch deftig waren sie, das Fett sammelte sich am Pfannenboden. Wobei das namensgebende Fleisch aus Speck und Kochschinken bestand, gut von roten Zwiebeln begleitet und von essigbetontem Salat ergänzt. Nun ist der Vorkoster kein Fan von Kombinationen wie „Moosbeernocken mit Vanilleeis“. Als ob das Service Gedanken lesen könnte, reichte es die handtellergroßen, dunkel gesprenkelten Fladen ohne den Gupf „Mövenpick“. Allerdings erwiesen sich die Nocken zwar als intensiv-fruchtig und vorbildlich blauzungenmachend – nur leider auch als allzu trocken, weshalb der Vorkoster doch das Eis reklamierte, notwendig als Rutschmittel. Der Apfelstrudel war mild angelegt aber immerhin saftig.
Die Pinzgauer Kost im „Schloss Kammer“ ist ordentlich gemacht und sicher einen Besuch wert. Sie blieb traditionell-brav, vielleicht auch, weil das Schloss allein mit seiner schönen Lage lockt. Während die Schlederers in Saalfelden die Gäste in ein versteckt liegendes Einfamilienhaus bringen und deshalb extreme Mühe in ihre Kost investieren mussten. Der „Schatzbichl“-Schatz bleibt ungehoben.
Nun verwechselt der Vorkoster wenigstens die Schlösser Maishofens nicht mehr.
Schloss Kammer
Kammererstraße 22, 5751 Maishofen, Tel. 06542-68202, kein Ruhetag
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