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SF32/09 "Sound-of-Salzburg-Dinner-Show"
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Religiöse Konflikte
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 Eine engagierte Showtruppe unterhält Sound-of-Music-Fans beim Dinner im Sternbräu. |
Die Touristen aus Amerika und Fernost schauen verwundert auf die Salzburger und die Salzburger schauen ebenso verwundert zurück. Der Grund des beiderseitigen Missverstehens heißt „Sound of Music“ (SoM). Was das ist, muss man weltweit nicht, wohl aber in Salzburg erklären: Erstens ein Buch, zweitens ein Musical und drittens ein Film über die Familie Trapp, die singend aus Salzburg in die USA floh. Das Singen ist dabei wichtig, das werden wir noch sehen. Jedenfalls ist SoM auf der ganzen Welt Kult, ausgenommen in Salzburg. Daher rührt die Enttäuschung der Touristen.
Man kann das wie einen Konflikt von Religionen sehen. Salzburg betet Mozart an, baut ihm Schreine in jedem Innenstadtschaufenster, weiht die Festspielhäuser seiner Verehrung und rollt die Mozartkugel als seinen Propheten um den Globus. Die Welt hingegen himmelt die Trapp-Familie an, mit SoM als ihre Bibel. Als diesen Sommer in New York Menschen vor einem Laden mit österreichischer Feinkost Schlange standen, da sangen sie „Edelweiß“. Und würden es nicht glauben, wenn man ihnen sagte, dass der gewöhnliche Salzburger Probleme hätte mitzusingen. Diese Gläubigen werden am Ziel ihrer Pilgerreise enttäuscht, weil Salzburg einem anderen Gott huldigt und die Kultstätten für ihre Religion rar sind.
Die Salzburger ärgern sich über SoM-Rundfahrtbusse, die ständig an Sehenswürdigkeiten vorbeischleichen, und sie hupen. Im Gegenzug, wenn die Hofstallgasse vor dem Festspielhaus wegen einer „Zauberflöten“-Aufführung gesperrt ist – na, da wäre etwas los, wenn ein Ami sich lautstark aufregen würde. So erstaunt es nicht, dass die Messe für SoM-Gläubige wie eine Sektenveranstaltung unter Ausschluss der Salzburger Öffentlichkeit stattfindet. Sie heißt „Sound-of-Salzburg-Dinner-Show“ und steigt täglich im „Sternbräu“, nicht in Mozart-Italienisch sondern in Englisch.
46 Euro kostet die Show, 14 Euro davon sind fürs Essen. Man kann zwischen zwei Menüs wählen: „Baron von Trapp“ und „Salzburg Spezial“, die sich allerdings nur in der Hauptspeise unterschieden (Gott sei Dank nicht „schnitzel with noodles“). Weißbrot, Aufstrich, Eiswasser standen auf dem Tisch, ein Glas Wein gab’s gratis, als die „traditionelle Gemüsecremesuppe“ kommen sollte, die sich als hübsch versalzene Tomatensuppe entpuppte. Wohingegen die Erdäpfel zum Schweinsbraten um Salz gebettelt hätten, das Fleisch war mitteltrocken und die Sauce schmeckte nach Industrie. Das Hühnerfilet war mit „Bratensaft“ angekündigt, der sich als Pfeffersauce aus ähnlicher Quelle herausstellte. Zum Schluss kamen zwei Zentimeter eines Apfelstrudels, der mit Apfel geizte, inklusive eines Teelöffels Schlag. Ein Mahl so lieblos wie leblos.
Was man der Showtruppe nicht vorwerfen kann: Jeden Tag von Mai bis Oktober stehen die drei jungen Damen und zwei Herren auf der Bühne und schmettern die Akustik des Saales in Trümmer. Sie tanzen unverdrossen mit älteren Japanern oder dicklichen Spanierinnen. Wir waren die Einzigen, die keine Zeile der SoM-Evergreens mitsingen konnten. Die Musikauswahl wurde untermischt mit Operetten und Mozart – wobei die Grenzen beim „Papageno“-Duett hörbar wurden. Dennoch: Klavierspiel und Gesang ließen auf eine gute Ausbildung schließen: Vom Mozarteum konvertiert zu SoM?
Als einst das Christentum die Heiden besiegt hatte, nahm es Teile des alten Ritus auf (Wintersonnenwende = Weihnachten). Sollten sich nicht unsere Touristiker bemühen, auch diese zwei Glaubensbekenntnisse zusammenzuführen? Am einfachsten wäre es, das Gerücht zu lancieren, dass alle SoM-Melodien eigentlich von Mozart stammen (den wirklichen Komponisten kennt ohnehin niemand). Ein Trapp-Raum in Wolferls Wohn- oder Geburtshaus wäre nützlich. Und irgendwann wird selbst Wikipedia die Verschmelzung der Religionen verkünden.
Wir mögen glauben, dass „Stille Nacht“ und „Kleine Nachtmusik“ uns bekannt machen in der Welt – eine Illusion. „Edelweiß“ heißt die milliardenfach gesungene Hymne – auch wenn das vielen Salzburgern nicht passt. Bei dieser Machtverteilung wäre mehr „religiöse“ Toleranz angebracht.
Sound-of-Salzburg-Dinner-Show
Tel. 0662-826617, täglich ab 19.30 Uhr im Sternbräu
Getreidegasse 34
5020 Salzburg |
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