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SF13/07
„Haus am Hang" in St. Gilgen



12 plus 2 Punkte

Das ist stets ein peinlicher Moment. Der Vorkoster reservierte im „Haus am Hang“ zu St. Gilgen. „Raucher oder Nichtraucher?“, fragte die Stimme am Telefon. „Raucher“, sagte der Vorkoster. Er konnte sich den feigen Nachsatz nicht verkneifen: „Meine Frau raucht“, und schämte sich prompt. Aber die Nikotinsüchtigen sind sozial massiv unter Druck geraten. Da wollte der Vorkoster nicht dazu gehören. Dabei weiß er natürlich aus eigener Ehe, dass Raucher auch Menschen sind. Was nicht jeder Beitrag in der Debatte berücksichtigt. Die Vorkosterin beurteilt die Gastronomie inzwischen danach, ob sie ihre zwei, drei Zigaretten am Abend unter würdigen oder unwürdigen Bedingungen konsumiert.
Beim „Obauer“ in Werfen und im „Carpe diem“ in Salzburg geht man vom Tisch an die Bar. Was stets einen hübschen Wettlauf auslöst zwischen Vorkoster und Kellner, wer sich das Glas Wein greift, um es der Vorkosterin nachzutragen. Im „Hubertus“ von Johanna Maier sitzen Raucher gemütlich im Kaminraum. Im „Pfefferschiff“ zu Söllheim schauen einzelne Gäste am späteren Abend häufig auf die Uhr, denn ab 22 Uhr ist Rauchen im Restaurant freigegeben – unter einer sehr guten Lüftung. Das sind menschenfreundliche Lösungen für beide Seiten. Bei einem sehr teuren Essen in der Steiermark hingegen wurde der Vorkosterin der Aschenbecher verweigert, im Restaurant herrsche Rauchverbot. Dabei saßen wir draußen im Garten, drei Meter entfernt vom nächsten Tisch. Das Mahl verlief nicht harmonisch.
Leser Richard Niedrist wünschte sich Informationen über Nichtraucher-Zonen in Restaurants. Das „Haus am Hang“ hat seine Gasträume geteilt, eingangs darf gequalmt werden, die Stube nach hinten hinaus bleibt frei. Dort hatten viele junge Paare reserviert, bei uns saßen eher die älteren Gäste. Der Name „Haus am Hang“ bezeichnet präzise seine Position: Durch große Fenster oder von der Terrasse fällt ein weiter Blick auf den See. Die Einrichtung ist auf eine moderne Art edel: schöne und bequeme Ledersessel, gediegenes Tuch für Tisch und Serviette, farbenfrohe Lampen in einem Raum, der von hellem Holz dominiert wird.
Mit dem Restaurant machten sich Susanne und Lucas Bocsa selbstständig. Sie war Kellnerin im Salzburger „Kuglhof“, er kann auf Küchen-Stationen im „Schloss Fuschl“ und im Salzburger „Buberlgut“ verweisen. Den „SN“ nannte er als Linie „gute, solide Küche mit mediterranem Einfluss“ – was den heimischen Mainstream recht genau beschreibt. Eine Haube wolle er nicht, „weil du von den Gästen gleich in die Schublade ‚teuer‘ gesteckt wirst“. So blieben die Tester von „Gault Millau“ folgsam fern, nicht aber die Kunden und die schickten dem „Falstaff VIP Gourmet Guide“ ihre Wertung: 80 Punkte, das ist umgerechnet locker die ungebetene Haube.
Irgendetwas muss seit dem „SN“-Interview geschehen sein, denn auch haubenlos erreichen die Preise Salzkammergut-Niveau; und wer sich unter einer „soliden Küche“ so etwas wie Hausmannkost vorstellt, der irrt. Lucas Bocsa kocht mit Anspruch: Jakobsmuscheln etwa (€ 14,90), gebraten und von süß-scharfem Ananas-Chutney begleitet: Das war schon erfreulich. Noch besser die Blutwurst-Lasagne (€ 12,90), eine etwas schwierig zu verspeisende Kombination aus hartem Teig-Dreieck und ganz vorzüglichen Blunzn-Radln mit Mangold. Fisch gibt es auch oberhalb des Sees, aber nicht aus dem See. Die Fischsuppe mit Curry (€ 4,90) war kraftvoll und voll mit Tintenfischlein und Muscheln. Im Ganzen ward uns ein sehr guter Branzino (€ 45,80) gebraten, begleitet von würzig geschmortem Gemüse. Auch das Bananen-Soufflé mit Kokos und Kokos-Eis (€ 7,10) gelang gut.
Präzise Kochtechnik, gute Produkte – was Lucas Bocsa zeigt, war schon immer die Basis einer Haube. Aber wenn er Scheu hat: teilen wir halt seine 14 Punkte: 12 plus 2. Freundliches Service, gute Küche – im Raucher- wie im Nichtraucher-Bereich.
Was das angeht, setzte Österreich auf Freiwilligkeit, was nichts anderes ist als die Verzögerungstaktik eines Fremdenverkehrslandes. Wenn im größten Herkunftsmarkt Deutschland das Rauchen in Gasthäusern und Restaurants erst verboten ist und die Urlauber sich daran gewöhnt haben, wird Wien geräuschlos nachziehen. Aschenbecher werden dann auch bei uns nur noch in separaten Bars oder Kaminzimmern stehen.
Gemeinsam mit der Frage „Raucher oder Nichtraucher“ verschwinden dann auch die peinlichen Momente.

Haus am Hang
Mondsee Bundesstraße 10
5340 St. Gilgen
Tel. 06227-8208
Montag Ruhetag


 


 

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