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Klebt da eine Plakette? Wir schauten genau. Aber nichts zu entdecken am Eingang zum „Amici“. Auch drinnen, an der Theke, kein Hinweis auf A.R.I.A., die Vereinigung der italienischen Restaurants in Österreich. Ein Kürzel, das die Echten unterscheiden soll von den Nachahmern. Von den Türken, Serben und Griechen, die auf Italienisch machen, weil’s halt gut ankommt. „Amici“-Chef Enzo Zafferano nennt Apulien als seine Heimat, der Koch stammt aus Mailand, die Küchenhilfe aus Neapel. „Wie viele andere ristoranti italiani gibt es denn in Salzburg?“, fragt er triumphierend. Der Vorkoster nennt das „Pomodoro“ in Gnigl, wird brummend akzeptiert, auch das „Il Carrettino“ in der Sigmund-Haffner-Gasse. Und der Rest der gefühlt hundert „Italiener“ in der Stadt? Bäckt Pizzen oder „dürfte höchstens schreiben ‚Mediterrane Küche’“, fordert Enzo.
Er hätte tatsächlich ein Anrecht auf die Plakette, die im Sommer des Vorjahres in Wien vorgestellt wurde, von Nicola
d’Atri, der seine „Osteria d’Atri“ damit schmückte und weitere 30 ristoranti – von gut 400 in der Bundeshauptstadt, die sich einen italienischen Namen geben. Wieso hängt keine am „Amici“? Die Sache hat einen Haken. Das A.R.I.A. wird vom italienischen Staat vergeben, sagt Enzo. Und niemandem misstrauen die Italiener bekanntlich mehr, als ihrem eigenen Staat. „Da kommt einer aus Italien und kontrolliert. Ob wir auch 70 Prozent der Produkte aus Italien haben. Und wenn ich Tomaten aus Griechenland kaufe, weil sie billiger sind…“ Da wird der Schutz zur Last.
Wer ins „Amici“ einkehrt, glaubt sich wirklich bei Freunden. Wir hatten gerade Platz genommen und wollten die Schiefertafel mit den Angeboten studieren, kam der Ober mit dem Antipasti-Wagen. Wer, der Hunger hat, kann dem widerstehen? So orderten wir eine Platte für Vier, mit Vitello tonnato, Bohnensalat, getrockneten Tomaten, gegrilltem Gemüse und und – tadellos. Die Stimmung hob sich. Dass die Happen mit 25 Euro auf der Rechnung erscheinen werden, wussten wir da noch nicht. Als der Vorkoster seine Bestellung in Italienisch aufgeben wollte, unterbrach ihn der Ober in schönstem Dialekt: „Ich bin hier der einzige Ausländer“. Er wird Willi gerufen.
Suppen gelten nicht gerade als Glanzstück der italienischen Küche. Also war die Spargelsuppe ein riskanter Versuch und tatsächlich: eher schwach im Aroma, dicklich durch püriertes Gemüse und bunt durch allerlei Ölspritzer. Dafür erfreute die Pasta. Die Tortellini in einer Trüffelbutter-Sauce zeigten dünnen Teig mit molliger (Ricotta-Spinat?)-Fülle, die Tagliatelle waren von rahmiger Pilzsauce überflossen. Bella Italia.
Nun hatte sich die immer noch trotzig rauchende Vorkosterin ihren warmen Wintermantel mitgenommen, um die Kälte vor der Tür zumindest für eine Zigarettenlänge zu überstehen. Wie das auf dem Stiefel inzwischen üblich ist. Doch es kam anders: sie durfte im Lokal, vorne an der Bar, die Umwelt vergiften. Und später dann kam ein weiterer Kreis Nikotinsüchtiger, da rauchten alle am Tisch. Ob das dem Kontrollor aus Italien gefallen würde?
Die Küche lieferte die Speisen dann, wenn sie fertig wurden. So stand immer ein Teller auf dem Tisch, von dem alle kosten konnten, sehr kommunikativ. Das scaloppina war von ordentlicher Qualität, sein Bratensaft traditionell mit Marsala gemischt. Als stracciatino kamen gebratene Fleckerl vom Rindsfilet auf Rucola und Parmesan – angenehm. Der branzino ward im Ganzen gebraten und vom Chef persönlich filettiert. Dennoch zog der Vorkoster noch manche Gräte aus dem saftig geratenen Fleisch. Apropos saftig: Das Tier wurde nur von einer Schale gemischtem Salat begleitet und stand mit 25 Euro auf der Tafel. Was wir nicht wussten: alle Preise dort waren ohne Mehrwertsteuer angeschrieben – am Ende kostete der Fisch 30 Euro.
Als Begleitung passte der Hauswein gut: ein Tocai aus dem Friaul. Der Rote kam aus der Maremma, ein Morellino, kräftig und voll. Die Desserts überzeugten uns: ein cremig-rahmiges Panna Cotta ebenso wie ein saftig-intensives Tiramisu.
Das war echtes Italien im „Amici“: fröhlich, gute Küche, etwas teuer. Und die Kennzeichnung als echtes italienisches Restaurant? Demnächst will sich Enzo die Plakette zulegen. Vielleicht.
Trattoria Amici
Neutorstraße 28
5020 Salzburg
Tel. 0662-840332
Ruhetage Sonn- und Feiertag |
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