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SF05/10
Osterfestspiele: Die Flucht nach vorne

von Heinrich Breidenbach

Über zwei Millionen Euro! Das ist laut Landeshauptfrau Gabi Burgstaller die Schadenssumme, die den Osterfestspielen durch „Selbstbedienung“ und „Wirtschaftskriminalität“ entstanden ist.
Die Vorwürfe basieren auf einem detaillierten Sonderprüfbericht der Wirtschaftskanzlei „Audit Services Austria“. Staatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt ermitteln gegen acht Beschuldigte, darunter den gekündigten Geschäftsführer der Osterfestspiele und den entlassenen technischen Direktor der Sommerfestspiele. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Die Verantwortlichen, allen voran die Landeshauptfrau als „Geschäftsführende Vorsitzende des Kuratoriums der Osterfestspiele“, bemühen sich seit Mitte Dezember des Vorjahres um Aufklärung. Das ist nur besser als nie.
Die Flucht nach vorn ist auch das Eingeständnis jahrelanger Versäumnisse.
Ein Beispiel: Im Sonderprüfbericht werden angeblich rechtlich nicht gedeckte Provisions-Überzahlungen für den Geschäftsführer der Osterfestspiele ab dem Jahr 2001 (!!) genannt. Allein aus diesem Posten wird bis dato ein Schaden von 654.169 Euro angenommen. Also neun Jahre lang ist das Verschwinden von so hohen Beträgen niemandem aufgefallen.
Noch unverständlicher wird das, wenn laut der prüfenden Wirtschaftskanzlei die „rechtswidrigen Zahlungen, Provisionen oder Sonderhonorare“ unschwer zu entdecken waren. In „weniger als drei Tagen“ seien die Ungereimtheiten aufgedeckt worden …

Dubiose Verträge und ungültige Unterschriften

Es gibt aber noch unzählige Merkwürdigkeiten und Ungereimtheiten, die der Aufklärung harren. Der seit Mitte Dezember als interimistischer Geschäftsführer der Osterfestspiele tätige Rechtsanwalt Peter Raue nennt etwa den Gesellschaftervertrag der Osterfestspiele „den eigenartigsten, den ich in meinen 40 Jahren als Anwalt je gesehen habe“.
Dubios ist, dass ein nicht genannter „hoher Landesbeamter“ im Jahr 2002 eine Provisionsvereinbarung mit dem Geschäftsführer der Osterfestspiele unterzeichnet hat, die jetzt als rechtlich ungültig angesehen wird, weil der Beamte dazu gar nicht befugt gewesen wäre. Man darf gespannt sein, wie ein unabhängiges Gericht das werten wird.
Wenn die Vorwürfe stimmen, dann haben bei den von Land und Stadt subventionierten Osterfestspielen die Kontrolle im Haus, die externe Kontrolle durch Wirtschaftsprüfungskanzleien, und – bis vor kurzem – die Aufsicht durch die Politik total versagt.
Dieses Versagen hat viele Gründe. Einer davon ist, dass die Osterfestspiele viel zu lange von ihrem Gründungsmythos als das private Festival Herbert von Karajans profitiert haben. Sie konnten trotz künstlerischer und finanzieller Krise einen Nimbus als unantastbare Institution aufrechterhalten. Das hat sich gerächt.

***

Die sinnlose Gier. Wie kommt es, dass Menschen ein toller Job, hohes Ansehen, hohe fachliche Wertschätzung, viel Selbstverwirklichung und ein gutes Einkommen nicht reichen? Sie könnten wunderbar leben. Aber es genügt ihnen nicht. Mit Vernunft ist das nicht nachvollziehbar. Gier ist irrational. Man denke nur an die Finanzkrise und ihre Akteure.
Ab einem gewissen, einmal erreichten Lebensstandard wird die Gier nach noch mehr Geld zu einer schiefen Ebene, bei der am Ende keine höhere Lebensqualität mehr herauskommt. Im schlimmsten Fall, wie soeben im Festspielbezirk tragisch vorgeführt, führt sie zur Zerstörung von Lebensglück. Es ist höchste Zeit für radikal andere Normen und bessere (Vor)Bilder davon, was ein gelingendes Leben ausmacht.
 
E-Mail:h.breidenbach@salzburger-fenster.at


 

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