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SF04/10 Der ORF und das "angefütterte" Publikum von Heinrich Breidenbach |  |
Vor ein paar Monaten tauchte in den Medien plötzlich ein neuer „Retter“ des ORF auf. Die ORF-Führung hatte einen gewissen Herrn Dominic Heinzl von einem Privatsender abgeworben. Die Erwartungen waren hoch. Mit Heinzl und seiner neuen „Society“-Sendung würde man wieder Publikum von den Privatsendern zurückholen. Mehrere Millionen Euro wurden in dieses „Format“ gesteckt. Seit Kurzem nun ist der Hoffnungsträger zu sehen. Zwei Mal tat ich mir das an. Einmal gab es Details zum öden und immer gleichen Promi-Auftrieb rund um das Kitzbüheler Hahnenkammrennen. Ein zweites Mal streute Heinzl böse Gerüchte über zutiefst persönliche Angelegenheiten einer jungen Frau, die als „Katzi“ eines alten Baumeisters medienöffentlich ist. Eine Grenze wurde unterschritten, die in einem öffentlich-rechtlichen Sender einfach nicht unterschritten werden darf.
Freilich tut sich der ORF in der Konkurrenz mit den privaten Sendern nicht leicht. Wie umgehen mit dem Faktum, dass sich bei großen Teilen des Publikums eine krankhafte Neugier an jedem Detail des Lebens von „Prominenten“ entwickelt hat? Wie umgehen mit der ebenso krankhaften Sucht angeblich „Prominenter“, um jeden Preis in den Medien vorzukommen. Das Publikum ist „angefüttert“. Wenn der ORF die Neugier nicht befriedigt, macht es die Konkurrenz.
Aber sie können es nicht wirklich. Das zeigt der bislang bescheidene Erfolg der neuen Sendung.
Der ORF sägt an seinem Ast
Man muss nur an Italien und seinen bizarren Ministerpräsidenten denken, um den ORF trotz allem immer noch wichtig zu finden. Berlusconi bediente sich bei seinem Aufstieg seiner eigenen privaten Fernsehsender. Solche Medienmacht, die sich mit wirtschaftlicher Macht paart, führt zu politischem Missbrauch. Deshalb ist ein starker öffentlich-rechtlicher und gebührenfinanzierter Rundfunk mit einem gesetzlichen Informationsauftrag notwendig.
Wenn aber der ORF seiner privaten Konkurrenz mit derartigen Tiefpunkten sogar vorauseilt, wenn gute Journalisten in die Pension gedrängt werden und gleichzeitig Millionen Euro in Society-Schmarrn investiert werden, dann verschieben sich die Gewichte, dann verliert der ORF irgendwann seine Berechtigung, sich über Gebühren zu finanzieren.
Der ORF kann sich nur über Qualität und Unabhängigkeit „retten“. Gelingt ihm das nicht, schafft er sich ab.
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Weil wir gerade bei der „Society“ sind. Bekanntlich treffen sich ja die, die glauben, dass sie die „Gesellschaft“ sind, bald wieder beim Opernball. Das Geschehen dort wird medial verkürzt so herüberkommen, als würden sich alle ganz prächtig amüsieren. Dem ist nicht so. Auf keinem Feuerwehrball sieht man so viele Frauen, die einsam herumsitzen und trotz aller Klunker und Garderobe nie zum Tanzen aufgefordert werden. Vielleicht ein Drittel der Ballgäste amüsiert sich wirklich. Ein anderes Drittel verbringt den Abend mit Promis schauen. „Hast du den gesehen, hast du die gesehen. Schau, das ist der …“ Ein letztes Drittel wirkt verloren und weiß nicht wirklich etwas mit sich anzufangen. Das geht so weit, dass zahlreiche Besucher tatsächlich während des Balls in irgendwelchen Winkeln des Hauses vor den dort aufgestellten Fernsehern stehen. Sie schauen was …? Richtig, die Übertragung des Opernballs.
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