Werbung:
|
Home > 10/08 > Lokales > Archiv >
SF10/08 Salzburger Wirtschaft trotzt der Dollarkrise
Volle Auftragsbücher, steigende Gewinne – mehr Einstellungen als Kündigungen
|
Salzburgs Wirtschaft boomt: Trotz US-Krise, Dollarschwäche und abschwächender Konjunktur liefern Salzburgs Unternehmen Rekordergebnisse. Es gibt mehr Einstellung als Kündigungen.
|
 Kranhersteller Palfinger aus Bergheim lieferte 2007 wieder Rekordzahlen ab. Der Weltmarktführer für LKW-Ladetechnik wurde nun in den ATX-Leitindex der Wiener Börse aufgenommen. / Foto: Palfinger |
Wenn die Stimmung am Bau gut ist, schnurrt die Konjunktur. Diese alte Weisheit zeigt sich in Salzburg ganz besonders. Im dritten Quartal 2007 stieg der Produktionswert der Salzburger Bauwirtschaft um 11,8 Prozent gegenüber 2006, belegt ein WIFO-Bericht zur Konjunkturlage in Österreichs Bundesländern. Zurückzuführen ist der Anstieg vor allem auf eine vermehrte Nachfrage durch die öffentliche Hand. So wurde landesweit der Wohnungsbau angekurbelt, in der Stadt laufen Großbauvorhaben. Salzburgs zweite Konjunkturlokomotive, der Tourismus, konnte 2,6 Prozent mehr Nächtigungen verbuchen – und das auf sehr hohem Niveau nach dem Mozartjahr 2006. Auch die Exportlust scheint ungebremst. Trotz Dollarschwäche und Immobilienkrise weiteten viele Firmen ihre Exporte sogar noch aus. Wobei die Produkte aus Salzburg durch Know-how und Charakter punkten. Als Folge dieser Entwicklung herrscht in Salzburg seit langem erstmals wieder Vollbeschäftigung.
Marktgiganten aus Salzburg
Eine Handvoll Großunternehmen macht Milliardenumsätze – AK,WK, Industrie für Lohnsteuerreform
Aus Familienbetrieben oder Einmann-Ideen entstanden, mischen etliche Salzburger Unternehmen weltweit an vorderster Marktfront mit. Selbst für die große Masse der kleineren
Betriebe war 2007 ein gutes Jahr.
 Die Familienwerft Schöchl (im Bild Manfred und Gerhard Schöchl) in Mattsee baut hochbegehrte Hochseeyachten. 11 Mio. Umsatz. Foto: Neumayr Arbeiterkammer-Mann Hirschbichler: „Den Unternehmen geht es gut, aber die Löhne der Mitarbeiter sinken.“ / Foto: AK Die Big Player aus Salzburg heißen Porsche, Red Bull, Palfinger, Spar oder Kaindl und liefern jährlich steigende Rekordergebnisse. Kaum beachtet vom breiten Publikum erwirtschaften diese Firmen Milliardenumsätze und fette Gewinne für die Besitzer.
So gilt die „Porsche Holding“ an der Vogelweiderstraße in Schallmoos als Österreichs viertgrößtes Unternehmen. Die europaweit agierende Vertriebsfirma im Besitz der Familien Porsche und Piëch machte zuletzt 6 Mrd. Euro Umsatz und 113 Mio. Euro Gewinn.
Red Bull erobert Afrika
Mit 3,079 Mrd. Euro Umsatz legte auch Red Bull im vorigen Geschäftsjahr eine neue Bestmarke hin. Das Stier-Label erobert Afrika (plus 59 Prozent Absatz), Südamerika (48 Prozent) und kletterte sogar im Kernmarkt Europa noch um 25 Prozent hinauf. Der Fuschler Konzern beschäftigt mitsamt Vertriebs-, Sport- und Medientöchtern weltweit 4613 Mitarbeiter. Firmengründer Dietrich Mateschitz, dem 49 Prozent des Unternehmens gehören, zählt mittlerweile zu den reichsten Männern der Welt (den Rest an Red Bull halten ein thailändischer Geschäftsmann und dessen Sohn).
Auch die Palfinger Holding mit Sitz in Bergheim lieferte wieder Rekordzahlen ab: 695,6 Mio. Euro Umsatz (plus 19 Prozent), 2,09 Euro Gewinn je Aktie (plus 30 Prozent). Der Weltmarktführer für LKW-Ladekräne wurde nun sogar in den ATX-Leitindex der Wiener Börse aufgenommen. Palfinger, geführt vom smarten Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Anzengruber, erlebt zurzeit jedoch den Höllenritt auf dem unberechenbaren Börsenparkett.
Spar-Konzern macht 10 Mrd. Euro Umsatz
Alle diese Marktgiganten werden von einem Salzburger Unternehmen jedoch noch geschlagen. Der Spar-Konzern in Taxham fuhr 2007 einen Gesamtumsatz von sagenhaften 9,89 Mrd. Euro ein. In der Gigantenschlacht um den Lebensmittelhandel legte Spar im Inland immerhin um 4,5 Prozent zu, wobei die Preisexplosion bei Lebensmitteln bekanntlich bereits Thema der Politik und der Kartellbehörde ist.
Aber auch die große Masse an Klein- und Mittelbetrieben, die das Wirtschaftsgefüge Salzburgs bestimmen, schnitt nicht schlecht ab. Bernd Gaubinger, Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung der Salzburger Wirtschaftskammer: „Eine positive Entwicklung findet vor allem bei den unternehmensnahen Dienstleistungen statt, vom Ingenieursconsulting bis zu Unternehmensberatungen im weitesten Sinn.“
4400 neue Jobs
Die Dynamik hat zur Folge, dass in Salzburg mit 4 Prozent Arbeitslosigkeit erstmals wieder Vollbeschäftigung herrscht. Im Vorjahr wurden 4400 Arbeitsplätze neu geschaffen, der Zuwachs (bei insgesamt 232.000 Beschäftigten) war der zweitbeste nach Oberösterreich.
Selbst das anspruchsvolle Exportgeschäft stieg auf hohem Niveau weiter an. Die Salzburger Wirtschaftskammer erhebt nach zwei Jahren gerade wieder die jüngsten Exportquoten, Außenwirtschaftssprecher Christian Möller: „Wir können nur bestätigen, was viele Firmen sagen: Es geht trotz des schwachen Dollars überraschenderweise gut.“
Nachhaltige Produkte
Das Ausland schätzt Salzburger Produkte mit Know-how und Werthaltigkeit: Holz (Kaindl), innovative Möbel (Voglauer), Hochsee-Yachten (Familienwerft Schöchl Mattsee), Feinmechanik für Zahnärzte (w&h Dentalwerk Bürmoos).
Salzburg steht längst auch für exquisite Konfiserie. Von den „Original Mozartkugeln“ des Altstadt-Konditors Norbert Fürst (1,4 Mio. Kugeln jährlich) über die „Echten Mozartkugeln“ der Firma Mirabell in Grödig, eines US-Food-Konzernablegers (1,5 Mrd. Kugeln) bis hin zu den erlesenen Pralinen der Manufaktur Berger aus Lofer.
Gerade dieser Newcomer-Betrieb zeigt, dass in einem Land mit großräumig geschützten Natur- und Stadtlandschaften wirtschaftlicher Erfolg von ständiger Erneuerung lebt. So sei auch Salzburgs Industrie „klein, aber fein“, meint Wolfgang Syrowatka, Sprecher der Salzburger Industriellenvereinigung. Weshalb auch Betriebe wie Sony da seien, die nun wieder 100 neue Arbeitsplätze schaffen.
Aber die Löhne sinken
Heuer wird sich der Konjunkturhimmel allerdings auch in Salzburg eintrüben. Wirtschaftskammer-Mann Gaubinger rechnet mit 2 bis 2,5 Prozent: „Das ist aber keine Rezession, sondern lediglich eine sanfte Landung, wie man sagt.“ 60 Prozent der Industriebetriebe erwarten ebenfalls eine weiter steigende Produktivität und eine weitere Aufstockung des Mitarbeiterstandes.
Das brennendste Problem ist indes, dass die Arbeitnehmer an der Prosperität nicht teilhaben. AK-Wirtschaftspolitiker Alfred Hirschbichler: „Die Stärke der Unternehmen ist erfreulich, ein Skandal aber ist, dass die Löhne und die Kaufkraft sinken.“ Vom Ex-Gewerkschafter über den Industrie-Sprecher bis hin zum Wirtschaftskämmerer halten alle eine grundlegende Steuerreform für die Unselbstständigen und den Faktor Arbeit für unumgänglich.
|
| |
|
|
[ Seite weiterempfehlen | Seite zu Favoriten hinzufügen | Druckversion ]
|
| NEU: SF-Hauptblatt und SF-magazin jeweils als E-Paper in der Printversion. |
 |
 |


|