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SF10/08 Klostersturm 1938: Hakenkreuz statt Christuskreuz
Vor 70 Jahren wurden Salzburgs Klöster vom NS-Regime beschlagnahmt
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Im März 1938 begannen die Nazis mit der Vertreibung und Verhaftung von Nonnen und Mönchen in Salzburg. Die braunen Herren schlossen alle Ordensschulen und raubten das klösterliche Vermögen.
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 Im März 1938 wurden die Halleiner Schulschwestern Sr. Ludovika, Sr. Berta und Sr. Engelberta zum Verhör abgeführt. / Foto: Halleiner Schulschwestern.
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 Kapuzinerbruder unter Beobachtung im Jahre 1938. / Foto: Kapuzinerkloster |
 Heute erinnert eine Marmortafel für die rund 2.000 Salzburger Opfer der Gestapo am – damals enteigneten –Franziskanerkloster. |
 Kapuzinerpater Wolfgang Bildstein / Fotos (2): C.Archet Am 13. März 1938 marschierte die Deutsche Wehrmacht in Salzburg ein. Freudig begrüßt von der hiesigen Bevölkerung. Noch am selben Tag wurde der Salzburger Erzbischof Sigismund Waitz unter SA- und HJ-Bewachung gestellt, das Erzbischöfliche Palais am Kapitelplatz von der SS übernommen.
Und sofort begann auch die aggressive und systematische Vertreibung von Mönchen und Klosterschwestern, denn Gauleiter Friedrich Rainer und SS-Hauptsturmführer Landesschulratspräsident Karl Springenschmid waren erbitterte Gegner der Kirche. Man schloss alle konfessionellen Schulen, eignete sich das klösterliche Vermögen unter scheinlegalen Rechtskonstruktionen an.
Sammelverbot für Kapuziner
Kapuzinerpater Wolfgang Bildstein über das damals verhängte „Sammelverbot“, das den Bettelorden besonders hart traf. „Die Kapuziner lebten von wohltätigen Sammlungen aus der Bevölkerung. Als Gegenleistung waren die Kapuziner in der Seelsorge und in der Krankenpflege tätig. Diese Lebensweise des Bettelordens ging mit der Ideologie des Nationalsozialismus nicht konform.“
1939 vertrieben die braunen Herren die Kapuziner-Brüder wegen angeblicher staatsfeindlicher Betätigung aus den Klostermauern. Das Regime wollte anstelle des Klosters eine riesige „Gauhalle“ mit Sportstadion, Festspielhaus und großer Auffahrtsrampe errichten, als Gegenpol zum klerikalen Kern der Altstadt. Nur der Kriegsverlauf und das Ende der NS-Herrschaft verhinderte die Schließung des Kapuzinerklosters.
Nach der Auflösung der Stiftsorganisation St. Peter im Jänner 1941 wurde ein Jahr später auch das klostereigene „Gut Pabenschwandt“ in Plainfeld an eine SS-Formation übergeben. Hier soll der Arzt Karl Fahrenkamp medizinische Versuche an Häftlingen unternommen haben. Heute erinnert die St. Leonhards-Kapelle an die zwölf namenlosen Opfer dieses Außenlagers des KZ Dachau.
Außenkommando des KZ-Dachau
Am 26. Jänner 1941 wandte sich der Erzabt von St. Peter, Jakobus Reimer, an den Berliner Bischof Wienken. „Am 8. Jänner kam eine große Schar von Gestapo-Männern in das Stift und besetzte es …Patres und Brüder wurden genötigt, in das Refektorium zum kommen, wo ihnen erklärt wurde, daß das Stift St. Peter wegen volks- und staatsfeindlicher Betätigung beschlagnahmt werde … Gleichzeitig erfolgte die Besetzung und Beschlagnahme von allen zu St. Peter gehörenden Pfarreien und Gütern….“, schreibt Reimer sich die Not vom Herzen.
Widerstand der Mönche
Ein besonderes Augenmerk legten die NS-Schergen auf das Franziskanerkloster. Für die dort geplante Gestapo-Dienststelle wurde am 13. Oktober 1938 die Räumung des gesamten Franziskanerklosters befohlen. 13 Franziskaner Mönche wurden festgenommen, weil sie bei der raschen Vertreibung alte Möbelstücke aus dem Fenster geworfen hatten („Salzburger Fenstersturz“). Teile des Gebäudes wurden zum Gefängnis, und im alten Klosterkeller kam es zu Folter und Hinrichtungen durch die Gestapo. Nach dem Krieg wurde das Kloster von der amerikanischen Besatzungsmacht übernommen und der Rundfunksender Radio Rot-Weiß-Rot darin installiert. Das Landesstudio Salzburg des ORF blieb bis 1973.
Schwestern im Arrest
Der Terror der Nazis machte auch vor den Ordensschulen nicht halt. Nach dem Einmarsch mussten an allen Schulen in Hallein Anschluss-Feiern abgehalten werden. Die Schwestern der konfessionellen Schulen hatten zu schweigen. Wer ausscherte, wie die Oberin des Elisabethinums in Hallein, wurde verfolgt. So wurde Schwester Ferdinanda Holler von zwei SS-Männern abgeführt und im Gemeindearrest festgehalten, weil sie den Kindern den Hitlergruß verboten hatte und den Mädchen davon abriet, zum BDM zu gehen (Bund deutscher Mädchen). Vor dem Gemeindehaus versammelten sich Kinder und verlangten ihre Freilassung, wie Franz Ortner in seinem Buch über die Halleiner Schulschwestern berichtet. Im Juli und August wurde allen Schulorden in Salzburg das Öffentlichkeitsrecht entzogen. Am 17. Oktober wurden 86 Schulschwestern aus dem Schuldienst entlassen.
Denunziation gegen Ordenspersonen wurde gezielt eingesetzt und von der NSDAP geschürt. Buchautor Ortner: „Denunzieren wurde als Pflicht vor der Volksgemeinschaft verstanden… Auch persönliche Streitigkeiten, geschäftliche Konkurrenzsituation, Neid, Hass, Eifersucht, all das, was im Normalfall vor dem Bezirksrichter landete, gelangte damals in die Mühlen der Gestapo.“ Heute zählen Salzburgs Klöster und Kirchen wieder zu den kulturellen Fixpunkten jedes Salzburg-Besuchers.
NS-Terror über Salzburgs Klöster und Schulen
1938
15. April: Einsetzung eines NS Kommissärs für Schule und Verwaltung bei den Herz-Jesu Missionaren
Juli/August: Entzug des Öffentlichkeitsrechtes für alle konfessionellen Schulen.
Sept./Okt.: Schließung aller Ordensschulen
15. Okt.: Räumung des Franziskanerklosters – Gefängnisstrafen für 16 Ordensbrüder wg. angeblicher politischer Demonstration („Salzburger Fenstersturz“)
14. Dez.: Die Wehrmacht belegt den Großteils des Herz-Jesu-Missionare Klosters
1939
Mai: Die letzten Patres verlassen das Missionshaus St. Rupert in Bischofshofen.
6. Juli: Der Kapuzinerberg wird wegen „Staatsgefährdung“ auf „Imberg“ umbenannt.
7. Okt.: Vertreibung der letzten fünf Ordensfrauen aus der Missionsanstalt Maria Sorg.
29. Okt: Das Kapuzinerkloster wird beschlagnahmt und alle Brüder vertrieben.
16. Nov.: Erste Hausdurchsuchung durch die Gestapo in der Erzabtei St. Peter
1940
31. Jän.: Beschlagnahme und Räumung des Ursulinenklosters
15. Feb.: Beschlagnahme des Gebäudes und Vertreibung der Halleiner Schulschwestern innerhalb weniger Stunden
3. Feb.: Sperre von Brauerei und Bräustübl in Mülln der Benediktinerabtei Michaelbeuern
Mai: Gestapo befiehlt die Räumung des Pallottiner Klosters
Juli: Reichsführer SS Heinrich Himmler ordnet die Vertreibung der Missionare vom kostbaren Blut aus der Trapp-Villa an.
17. Sept.: Die barmherzige Schwester Anna B. Königsegg wird wegen Widerstand von der Gestapo verhaftet und ausgewiesen.
1941
6. Jän. Beschlagnahme des Klosters St. Peter.
8. Jän: Beschlagnahme der Klöster Michaelbeuern und Salzburg-Mülln durch die Gestapo.
1. Aug.: Beschlagnahme und Zwangsvermietung des Maria Loreto Kloster und anschließende Vertreibung der Schwestern.
1942
15.April: Befehl zur endgültigen Räumung durch die letzten Mönche. Gauverweis des Abtes. |
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