 Die Bilder schockierten: Wolfgang Ebner und seine Freundin Andrea Kloiber in der Hand von El Kaida-Terroristen, auf der Homepage von SITE (eine private US-Einrichtung zum Aufspüren von Terror-Aktivitäten im Internet). / Foto: www.siteintelgroup.org |
Die Angehörigen bangen weiter um Wolfgang Ebner und Andrea Kloiber aus Hallein, die sich in der Hand von Terroristen befinden. Für die Familie war es ein „Schock“, die beiden umringt von schwer bewaffneten Kämpfern auf den Fotos zu sehen. „Sie schauen fertig und gebrochen aus und am liebsten möchte man bei ihnen sein“, sagt Bernhard Ebner, der Sohn des Entführten.
Eine Drohbotschaft der El Kaida, Fotos der Geiseln und unerfüllbare politische Forderungen sorgen für Schrecken. Die Verhandlungen gehen jetzt in die heiße Phase. Lösegeld in der Höhe von rund fünf Millionen Euro steht im Raum, dazu weiterhin die Forderung nach Freilassung von Top-Terroristen.
Gelingt die Befreiung, dann kann es für die Betroffenen durchaus teuer werden: Der Staat kann seit 2006 Auslagen bis zu 20.000 Euro pro Person zurückfordern, die im Zusammenhang mit der Hilfaktion entstehen, „wenn man sich überwiegend zu touristischen Zwecken grob schuldhaft in eine Situation begeben hat, die dann die Maßnahmen erforderlich gemacht haben“.
Terroristenwarnung für Tunesien
Österreich kann Geld für Hilfsaktionen zurückfordern – pro Person bis zu 20.000 Euro
Das Kidnapping des Paares aus Hallein durch El Kaida-Terroristen hat zu einer heftigen Diskussion über Verantwortung und Risiko von Touristen geführt. Bereits nach der Geiselaffäre vor fünf Jahren in Algerien (acht Salzburger waren betroffen) hat man Konsequenzen gezogen. Der Staat hat jetzt Regressanspruch.
 Wolfgang Ebner kennt die Wüste und deren Gefahren. Er hat schon mehrere Reisen in diese Gebiete unternommen. |
Die Betroffenheit über die Geiselnahme des Halleiner Paares sitzt bei vielen tief, spätestens nach den Bildern der beiden Touristen im Fernsehen und Internet (Washingtoner SITE-Institut, spezialisiert auf die Überwachung islamistischer Internetseiten), umringt von schwer bewaffneten El Kaida-Terroristen.
Bei dem Salzburger Harald Galler, der vor fünf Jahren gemeinsam mit sieben GefährtInnen in Algerien gekidnappt und nach sechs Wochen in einer Militäraktion befreit worden war, lösten die aktuellen Ereignisse auch eine Flut an Erinnerungen aus. Der Familienvater hat das Gebiet in Nordafrika seither nicht mehr bereist. Und für den EDV-Chef einer Salzburger Firma ist klar: „Das Reisen in der Sahara, wie man es einst geschätzt hat, ist ohnehin vorbei, egal wo. Die Lage verschlechtert sich dort jeden Tag. Es empfiehlt einem die Vernunft, woanders hinzufahren und wenn man es dennoch tut, dann muss man wissen, dass es auf eigenes Risiko erfolgt.“
„Wollte nicht in den Flieger“
Selbst nach seiner Befreiung und noch vor dem Heimflug sei ihm das bewusst gewesen. Galler: „Ich wollte nicht in den Flieger einsteigen, weil ich mir gesagt habe: Ich brauche keine Regressansprüche, die Diskussion will ich mir ersparen.“ Heute weiß der Elektrotechniker, dass „ich keine Extremreisen mehr brauche, um Abstand zu gewinnen, das finde ich auch auf einem Berg.“
Die Debatte um Sicherheit und Verantwortung von Touristen hat nun auch unmittelbar nach der Entführung des Halleiner Paares eingesetzt. In vielen Internetforen und Leserbriefen wird darauf hingewiesen, dass trotz aller Tragik der Ereignisse eine Selbstverantwortung und die Frage nach der Risiko-Freude nicht verleugnet werden kann. „Das Wissen um die politische Lage, die Unberechenbarkeit muslimischer Fundamentalisten, sollte eigentlich genügen, um von solchen Touren Abstand zu nehmen oder sie nur unter örtlichem Begleitschutz durchzuführen“, heißt es in einem SN-Posting.
Regressforderungen bis 20.000 Euro pro Person
 Die Angehörigen bangen und hoffen: Walter Antosch und Bernhard Ebner (Bruder und Sohn von Wolfgang Ebner), in der Mitte die Tochter von Andrea Kloiber, Melanie. / Foto: Neumayr  Burghard Vouk, Chef des Landesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismus-bekämpfung: „Wir haben eine Verhandlungsgruppe bereit gestellt, um die Lage für die Familie jederzeit interpretieren zu können.“ / Foto: Wild Bereits nach dem Geiseldrama in der algerischen Wüste vor fünf Jahren hat die österreichische Regierung die Konsequenzen gezogen und das Konsulargebührengesetz abgeändert: Der Staat kann seit dem Jahr 2006 Geld nach Hilfsaktionen zurückfordern, und zwar „Auslagen bis zu einer Höhe von 20.000 Euro pro Person, die ... im Zusammenhang mit Maßnahmen zum Schutz österreichischer Staatsbürger erwachsen, die sich zu überwiegend touristischen Zwecken grob schuldhaft in eine Situation begeben haben, die diese Maßnahmen ... erforderlich gemacht hat.“ Als grob schuldhaft gilt dabei „insbesondere die unzureichende Berücksichtigung allgemein zugänglicher Informationen über Gefahrensituationen.“ Der Staat habe sich damit Regressansprüche gesichert, so ein Sprecher des Außenministeriums in Wien. Angewandt wurde dieser Passus bisher noch nicht.
Anders im benachbarten Deutschland. Eine deutsche Touristin, die 2003 aus dem Dschungel im Norden Kolumbiens befreit worden war, muss sich an den Kosten für ihre Befreiung (nach zehn Wochen Geiselhaft) beteiligen und für einen Hubschrauberflug rund 12.600 Euro bezahlen. Das hat unlängst das Bundesverwaltungsgericht festgestellt. Das Auswärtige Amt sei „verpflichtet, Gelder nach Befreiungsaktionen in Rechnung zu stellen“.
Für Algerien besteht derzeit eine akute Reisewarnung, für Mali eine partielle Reisewarnung (Grenze zu Mauretanien und Niger). Für Tunesien wird auf eine erhöhte Sicherheitsgefährdung hingewiesen. Reisen in die Randzonen der tunesischen Sahara sollten nur im Rahmen einer geführten Tour absolviert werden.
Tunesien hatte kürzlich offiziell festgehalten, dass die beiden Halleiner Geiseln „zu einem Abenteuer aufgebrochen sind, ganz allein und ohne die Behörden über ihre Route zu informieren“. Eine Bewilligung sei „leider nicht“ beantragt worden. An der Grenze zu Algerien gibt es ein militärisches Sperrgebiet.
In der Tourismusbranche verweist man darauf, dass die Routen entsprechend der Sicherheitswarnungen der Regierungen ausgewählt werden, man in Gruppen reise und mit Begleitung von örtlichen Führern und auch Sicherheitskräften. In Libyen etwa gibt es eine Führerpflicht. Und es gebe auch abseits Nordafrikas wunderbare Wüstengebiete wie etwa die Kalahari oder Gebiete in Südamerika (Chile, Peru) oder auch die namibische Wüste. Die Sahara in Nordafrika verlocke allerdings besonders zu Reisen, weil man das Gebiet mit dem Auto erreichen könne.
Bürgermeister Christian Stöckl aus Hallein, der die beiden Geiselopfer persönlich kennt, betont, man müsse „mit Schuldzuweisungen vorsichtig sein“. In der Gemeinde verfolge man die Lage sehr angespannt und hoffe, dass „alles gut ausgeht“.
Lage in Nordafrika spitzt sich zu
Am 10. Februar reisen der Halleiner Steuerberater Wolfgang Ebner (51) und seine Freundin Andrea Kloiber (43) nach Tunis ein, am 12. Februar beheben sie Geld in Gafsa, am 18. Februar telefoniert Wolfgang Ebner zum letzten Mal mit seinem Sohn Bernhard. Vermutlich am 22. Februar werden Ebner und Kloiber im Grenzgebiet zwischen Tunesien und Algerien entführt. Vergangene Woche schließlich bekennt sich die „El Kaida des islamischen Maghreb“ zur Geiselnahme, stellt ihre Forderungen und liefert die dramatischen Foto-Beweise der gefangenen Halleiner. Die Lage in Nordafrika spitzt sich in Bezug auf den Terror zu. Im Vorjahr gründete sich die Maghreb-El Kaida. Die USA errichteten erst im Februar ein eigenes Oberkommando für Nordafrika, durch den Zusammenschluss von Islamisten soll es zu weiterer Radikalisierung gekommen sein. Als Operationsgebiete dienen Algerien, Marokko, Tunesien, Libyen und Mauretanien. Man rechnet demnächst mit weiteren Aktionen gegen die Ölindustrie und Touristen. Mit Jahresbeginn musste nach Terrordrohungen auch die bekannte Rallye Dakar abgesagt werden. Am Heiligabend 2007
waren in Mauretanien vier französische Touristen erschossen worden, ebenfalls ein Verbrechen mit terroristischem Hintergrund. In Algerien soll nun auch eine der wichtigsten Touristen-Routen durch das Ahaggar-Gebirge gesperrt worden sein. |
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