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SF06/07
Architektur-Kritiker Norbert Mayr: „Kraftwerk stört Weltkulturerbe nicht"

Zwei von einer hochkarätigen Jury ausgewählte Projekte werden überarbeitet

Kein Problem mit dem unter Salzburgern heftig umstrittenen Salzach-Kraftwerk Lehen, quasi mitten in der Weltkulturerbestadt, hat Architektur-Kritiker Norbert Mayr.

Die zwei Siegerprojekte

Das Projekt Wagner/Rieder/Freiland: Die geschleppten Dachkörper unterstreichen die Strömung, die Jury regte eine „Zähmung“ an. Nach Ansicht von Norbert Mayr ist das Projekt „äußerst skulptural, aber überkandidelt“.
Das Projekt Wagner/Rieder/Freiland: Die geschleppten Dachkörper unterstreichen die Strömung, die Jury regte eine „Zähmung“ an. Nach Ansicht von Norbert Mayr ist das Projekt „äußerst skulptural, aber überkandidelt“.

Das Projekt Feichtinger/HYL: Architektonisch eine klare Lösung, nach dem Motto: Ein Kraftwerk ist ein Kraftwerk, wie die Jury befindet. Ein Vorschlag mit einem „massiven, betonierten Teil, aber nicht banal“, urteilt Norbert Mayr.
Das Projekt Feichtinger/HYL: Architektonisch eine klare Lösung, nach dem Motto: Ein Kraftwerk ist ein Kraftwerk, wie die Jury befindet. Ein Vorschlag mit einem „massiven, betonierten Teil, aber nicht banal“, urteilt Norbert Mayr.


„Ein Kraftwerk stört das von der Unesco zum Kulturerbe ausgezeichente Salzburger Altstadt-Bild nicht.“ Das sagt der bekannt skeptische Architektur-Kritiker Norbert Mayr. Man könnte sogar sagen, ein Weltkulturerbeauftrag sei auch eine Herausforderung an technische Bauten: „Versteht man Weltkulturerbe als Qualität, entspricht Qualität bei technischen Bauten einer anspruchsvollen Gestaltung.“
Prinzipiell sei es zu begrüßen, dass ein Architektur-Wettbewerb ausgelobt wurde (vom Betreiber, der Salzburg AG), verweist Norbert Mayr darauf, dass das sonst bei Kraftwerken lange Zeit überhaupt kein Thema gewesen sei.
Eingereicht wurden sechs Projekte. Begutachtet wurden sie von einer hochkarätigen Jury unter dem Vorsitz von Gestaltungsbeiratsvorsitzendem Rüdiger Leiner. Zwei wurden in die engere Wahl gezogen: Das Projekt Wagner/Rieder/Freiland und das Projekt Feichtinger/HYL. Bei Ersterem, nach Meinung von Norbert Mayr, einem eleganten aber etwas überkandidelten Projekt, handelt es sich um die Salzburger Architekten Erich Wagner und Max Rieder – Landschaftsplaner ist das Wiener Büro Freiland, ein Büro für ökologische Landschaftsplanung.
Beim anderen, dem massiver wirkenden Projekt, war Dietmar Feichtinger federführend – gemeinsam mit dem Landschaftsplaner HYL (Paris). Feichtinger, ein Wiener Architekt, ist Mitglied des Gestaltungsbeirats, arbeitet auch in Paris, wo er eine Seine-Brücke konzipitiert hat.
Vorgabe für die Architekten war, gemeinsam mit Landschaftsgestaltern ein Projekt zu entwickeln, die Landschaftsplaner konnten sie selbst auswählen. Die zwei genannten Projekte werden nun überarbeitet, führt der bei der Salzburg-AG für Sonderprojekte zuständige Bernd Stögner dazu aus. „Das Wagner/Rieder-Projekt ist etwas übertrieben, zu überdimensioniert. Das Feichtinger-Projekt ist zu klobig“, sagt Stögner, der auch Mitglied der Jury war.
Was die Bedenken der Anrainer betrifft, wurde von der Salzburg AG zugesagt, auch ein Alternativ-Projekt zur Sanierung der Sohlstufe und der Eintiefung der Salzach zu erwägen: Vorstandsdirektor Arno Gasteiger will die Bundeswasserbauverwaltung auffordern, ein solches vorzulegen.
 
B. Gappmair


 

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