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SF05/10
Festspiele: Peinlicher Gratiskarten-Streit

FPÖ kritisiert „Privilegien“: Gratiskarten für die Stadt-Loge erhielt auch Ex-FP-Vizebürgermeister

Der Salzburger Flughafen lädt einmal im Jahr rund 100 Gäste zu einem Festspielempfang ein, darunter auch den Aufsichtsrat. Der Vorsitzende Raus spricht von einer „sehr gescheiten Werbemaßnahme“.


Salzburger Festspiele: Der Flughafen hat die Einladungen nach der Landesrechnungskontrolle um 50 Prozent reduziert. Foto: Neumayr
Salzburger Festspiele: Der Flughafen hat die Einladungen nach der Landesrechnungskontrolle um 50 Prozent reduziert. Foto: Neumayr

Das insbesondere von ÖVP-Wirtschaftskreisen und Kulturschaffenden scharf kritisierte österreichische Anti-Korruptionsgesetz soll reformiert werden. Mit dem überschießenden Gesetz würde das Kultursponsoring in eine kriminelle Ecke gedrängt, so die Kritik. „Das Gesetz widerspricht der österreichischen Gemütlichkeit“, meinte der oberösterreichische Raiffeisen-Chef Ludwig Scharinger. Was aber ist „Anfüttern“ von Amtsträgern und Entscheidungspersonen und was ist „österreichische Gemütlichkeit“?

89.000-Euro-Empfang

Aufsichtsratschef Raus: „Da kommen Top-Leute, da gibt es ein gesetztes Essen in der Residenz.“ Foto: SPÖ
Aufsichtsratschef Raus: „Da kommen Top-Leute, da gibt es ein gesetztes Essen in der Residenz.“ Foto: SPÖ
In Salzburg sind Gratiskarten für die Salzburger Festspiele zurzeit sicher ein Randthema, das mit dem Finanzskandal auch nichts zu tun hat. Allerdings hat auch der Landesrechnungshof bei der Prüfung des Salzburger Flughafens im Vorjahr die Festspieleinladungen erwähnt.
Jährlich richtet die GmbH, die im Eigentum des Landes und der Stadt steht, einen großen Festspielempfang aus. Die Kosten dafür: 89.287 Euro im Jahr 2006, 75.635 Euro im Jahr 2007. Von den dabei gratis zur Verfügung gestellten Eintrittskarten mit anschließendem Empfang in der Residenz machten auch der eine oder andere Aufsichtsrat Gebrauch. Manche stehen laut den Informationen des SF öfter auf der Liste, einige Aufsichtsräte gar nicht.

„Normales Netzwerken“

Bürgermeister Schaden zum Anti-Korruptionsgesetz:  „Mit 70 Euro Wertgrenze bist du mit einer Festspielkarte sofort dabei.“ Foto: Neumayr
Bürgermeister Schaden zum Anti-Korruptionsgesetz: „Mit 70 Euro Wertgrenze bist du mit einer Festspielkarte sofort dabei.“ Foto: Neumayr
Für Robert Soder, den von der Salzburger Wirtschaftskammer entsandten Aufsichtsrat, gehört die Festspieleinladung zum „ganz normalen Netzwerken“, wie er sagt: „Natürlich hat es diese Einladungen gegeben, das geht an Airliner, Reisebüros. Uns Aufsichtsräten sagt man: Übernimm diesen oder jenen Kunden, du kannst gut Englisch oder Französisch. Dann sitzt man halt dort und unterhält die Gattin eines Flugzeugmoguls, wie das Geschäft halt so läuft“, so Soder. Andere Aufsichtsräte wiederum fragen, ob sie wegen einer Einladung gleich ein schlechtes Gewissen haben müssten?
Eigentümer-Vertreter David Brenner (SPÖ) hat dem Flughafen ein Spargramm von 1 Mio. Euro verordnet. Laut Flughafensprecher Alexander Klaus habe man auch die Festspieleinladungen um die Hälfte reduziert. Der Aufsichtsratsvorsitzende Othmar Raus schildert, wie es bis dato lief: „Das sind 100 Einladungen jedes Jahr, meistens Mitte August, das hat die Größenordnung von 70- bis 80.000 Euro, ist eine gescheite Werbemaßnahme und dient der Kundenbeziehung. Da kommen Top-Leute, der Boss vom Frankfurter Flughafen, der Eigentümer einer Luftfahrtlinie in Schweden. Für diese Leute gibt es ein gesetztes Essen in der Residenz, einen gesellschaftlichen Rahmen mit Programm und gemütlichem Ausklang“, so Raus. Dabei würden auch die Aufsichtsräte angeschrieben und eingeladen, teil nehme, „wer da ist und Zeit hat“.
FPÖ-Gemeinderat Andreas Schöppl: „Priviliegen abstellen.“ Foto: Neumayr
FPÖ-Gemeinderat Andreas Schöppl: „Priviliegen abstellen.“ Foto: Neumayr
Wegen Arbeitsüberlastung wurde der von der Stadt entsandte langjährige Aufsichtsrat, Sozialabteilungsleiter Winfried Wagner, mit Jänner durch den Juristen Martin Floss ersetzt, der im Büro von Bürgermeister Heinz Schaden arbeitet. Schaden musste dieser Tage auch eine Anfrage der FPÖ-Fraktion zum Thema Festspiel-Freikarten der Stadt beantworten (die Stadt erhält aufgrund eines alten Bestandvertrags Karten, die allerdings zu 85 Prozent zurück in den Freiverkauf gehen). Laut Schaden hätten früher auch Bürgermeister Gratiskarten für die Loge der Stadt erhalten. Schaden zum SF: „Voriges Jahr habe ich die Prinzessin der Niederlande mit ihrem Gatten und ihrer Entourage eingeladen. Auch wenn eine große Firma sich ansiedelt, spreche ich als Dankeschön manchmal eine Einladung aus“, so Schaden. Amtskollegen oder Mitarbeiter kämen nicht mehr in den Genuss. „Das Gesetz ist schwierig. Es gibt eine Wertgrenze von 70 Euro, da bist du mit einer Festspielkarte sofort dabei.“ Was Schaden nicht sagte: Unter den früheren Nutznießern war auch ein FPÖ-Vizebürgermeister.

 
Sonja Wenger


 

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