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SF05/10
380-kV-Leitung: Die Brennpunkte sind Bruck und Koppl

Anrainer im Pinzgau wehren sich gegen Trassen-Fixierung, Zores auch im Flachgau

Im Raum Bruck/Fusch spitzt sich die Diskussion um die Trasse der Stromautobahn im zweiten Leitungsabschnitt zu. Betroffene Anrainer wollen von einer Fixierung des Mastenwaldes – was offenbar bevorsteht – nichts wissen. Im Raum Eugendorf-Koppl läuft eine Unterschriften-Aktion.


Der Brucker Biobauer und ÖVP-Gemeinderat Helmut Haslinger wäre von der Monsterleitung „mit voller Wucht“ betroffen: Laut dem Plan würde sein Bauernhof, das Rollberganwesen (Bauernhaus seit 1722), in unmittelbarer Hofnähe mit drei Masten über 700 Meter Länge überspannt. Foto: privat
Der Brucker Biobauer und ÖVP-Gemeinderat Helmut Haslinger wäre von der Monsterleitung „mit voller Wucht“ betroffen: Laut dem Plan würde sein Bauernhof, das Rollberganwesen (Bauernhaus seit 1722), in unmittelbarer Hofnähe mit drei Masten über 700 Meter Länge überspannt. Foto: privat

Mit Spannung wird in diesen Tagen eine Entscheidung im Pinzgau erwartet: Dort wird nämlich vermutlich demnächst festgelegt, wie die Stromautobahn künftig durch das sensible Gebiet von Fuscher- und Salzachtal führen soll. Erst vor Kurzem verhandelten die Bürgermeister der Region erneut mit dem Verbund. Die Entscheidung wird im Wesentlichen zwischen einer Variante auf der Südseite des Salzachtales (Bruck/Taxenbach) und einer auf der Nordseite fallen.
Aber selbst wenn die 380-kV-Trassenführung im Pinzgau demnächst stehen sollte, ist weiter mit heftigem Widerstand zu rechnen. Die vorliegenden Entwürfe kommen für die Bürgerinitiative Bruck und Fusch nämlich nicht in Frage. „Bei uns gibt es kein Durchkommen. Da wird man sich neu anstrengen müssen“, sagt Hermann Oppelland von der Initiative.
Den Brucker Ortschef (Herbert Reisinger, SP) forderte er in einem offenen Brief auf, „die Freileitungstrasse mit Querung Fuscher- und Salzachtal nicht weiter zu unterstützen, mit aller Deutlichkeit und im Interesse der Brucker Bevölkerung“. Im Bereich Eugendorf-Koppl ist eine Trassen-Variante entlang der alten Ischlerbahn-Geleise aufgetaucht, gegen die sich eine erfolgreiche Unterschriften-Aktion richtet. Und die Trassen-Varianten in der Gaisberg-Region stoßen ebenfalls auf Widerstand.

380-kV in Bruck:„Nicht über meinen Hof!“

Noch immer legt der Verbund keine verbindliche Trassenführung für die Stromautobahn vor – Betroffene zeichnen nun schon selbst Leitungsvarianten

Der Brucker Bürgermeister Herbert Reisinger hat sich die Trassen-Pläne des Verbundes für seine Gemeinde erst gar nicht zusenden lassen. Mit Absicht, weil dies „nur für Unruhe im Ort“ sorge.


Der Brucker VP-Gemeinderat Haslinger hat nach den Verbund-Plänen einen groben Plan für das lokale Gebiet erstellt: Von Kaprun kommend quert eine Variante (blau) die Glocknerstraße und das Fuschertal und wird dann über den Pichlkopf Richtung Taxenbach weitergeführt. Eine weitere Variante (rote Linie) führt über die Zacherlalm zum Rollberghof und weiter in den Ortsteil Pichldorf und weiter zur Salzachtalquerung bei St. Anton (Caritas Dorf). Bei der Schattseitvariante/gelb) zweigt eine Trasse auf den Pichlkopf ab und geht weiter nach Taxenbach oder Richtung St. Anton. Foto: privat/SF
Der Brucker VP-Gemeinderat Haslinger hat nach den Verbund-Plänen einen groben Plan für das lokale Gebiet erstellt: Von Kaprun kommend quert eine Variante (blau) die Glocknerstraße und das Fuschertal und wird dann über den Pichlkopf Richtung Taxenbach weitergeführt. Eine weitere Variante (rote Linie) führt über die Zacherlalm zum Rollberghof und weiter in den Ortsteil Pichldorf und weiter zur Salzachtalquerung bei St. Anton (Caritas Dorf). Bei der Schattseitvariante/gelb) zweigt eine Trasse auf den Pichlkopf ab und geht weiter nach Taxenbach oder Richtung St. Anton. Foto: privat/SF

Eine aktuelle Variante der 380-kV-Trasse in Bruck/Fusch trifft den 46-jährigen Bergbauern und Brucker ÖVP-Gemeinderat, Helmut Haslinger, „aus heiterem Himmel und mit aller Wucht“. Mit seiner Familie bewirtschaftet er den „Rollberghof“, einen Bio-Bergbauernhof am Eingang des Fuschertales. Der Landwirt sieht sich plötzlich unmittelbar mit der „Monsterleitung“ konfrontiert, was für Hochspannung bei der Familie sorgt.
Haslinger zum SF: „Nach dem Plan wird die gesamte Länge des Hofes überspannt, auf insgesamt 700 Metern, unmittelbar neben der Hofstelle.“ Bis auf rund 100 Meter wird sich die Trasse seinem Bio-Bauernhof in Einzellage auf 860 Meter Meereshöhe nähern. Eine „existenzbedrohende Entwertung einer Liegenschaft“, wie der Bergbauer sagt. Zudem würden vom Ferienhof Oberreit, der ebenfalls von der Familie betrieben wird, immer wieder Gäste auf den Hof kommen. „Sie holen Kühe von der Weide, sind beim Melken oder der Heuernte dabei und genießen abends mit uns die Stille der Natur. Und das soll jetzt alles unter die Stromautobahn?“, fragt sich nicht nur der Bergbauer. Eine Entschädigung oder Ablöse könnte diesen Wert wohl kaum wettmachen.

Zacherlalm und Biofarm mit Mastenwald

Betroffen sind von dieser Variante der Trassenführung und Fuschertalquerung auch noch die nahe gelegene Zacherlalm und die Bio-Gesundheitsfarm Vorderwald der Familie Schattbacher. Bergbauer Haslinger hat sich die Mühe gemacht und nach den Verbund-Plänen einen groben Plan für das lokale Gebiet markiert (siehe Plan auf der gegenüberliegenden Seite).
Nach diesem Entwurf wird das Tal auf Fuscher Gemeindegebiet gequert, wo man aber diesem Vorschlag ablehnend begegnet. Die Weiterführung in den Brucker Ortsteil Pichldorf und danach die Weiterführung zur Salzachtalquerung bei St. Anton/Caritas-Dorf lehnen die betroffenen Anrainer ab. Hermann Oppelland: „Wir haben uns als Initiative gerade neu aufgestellt und werden sicher nicht lockerlassen in unserem Protest“, so der Pinzgauer zum SF.

Ablösen verhandeln

Nach der Fuschertalquerung könnte die Trasse weiter zum Pichlkopf führen (Schattseitvariante, im Plan gelb) und von dort nach Taxenbach oder wieder Richtung St.Anton. Taxenbach wiederum will von einer Salzachtalquerung auf seinem Ortsgebiet nichts wissen. Eine andere Variante kurz vor Bruck, an der Grenze zur Gemeinde Fusch geführt, würde wiederum bedeuten, dass man mit der Trasse zu nahe an einigen Häusern vorbeifährt und den gesetzlich vorgeschriebenen Schutzabstand von 200 Metern nicht einhalten kann (gemäß Landeselektrizitätsgesetz). Der Verbund müsste über Ablösen verhandeln.
Bruck verwehrt sich allerdings gegen die Fuschertalquerung und fordert gemäß einem Beschluss in der Gemeinde eine Teil-Verkabelung (zudem gab es 2000 Bürger-Unterschriften).

Trotzdem Unruhe: Kein Dialog erkennbar

Der Brucker Bürgermeister Herbert Reisinger: „Meine Privatmeinung behalte ich bei mir, es wurde schon so viel Porzellan zerschlagen.“
Der Brucker Bürgermeister Herbert Reisinger: „Meine Privatmeinung behalte ich bei mir, es wurde schon so viel Porzellan zerschlagen.“
Für den Brucker Ortschef Herbert Reisinger (SP) ist der Verbund am Zug. Man müsse der Gemeinde klar sagen, was möglich ist. Reisinger: „Es gibt Gemeinden, wo man mit der Freileitung zufrieden ist. Da wurde die richtige Trasse gefunden und vorgelegt.“
Für Bruck gebe es einen aufrechten Beschluss der Gemeindevertretung aus dem Jahr 2008. Seine Privatmeinung behalte er für sich, sagt Reisinger. Es gehe um die bestmögliche Lösung. Der Bürgermeister: „Wir sind eine Region. Einer gegen den anderen: Das kann es nicht sein. Es wurde ohnehin schon so viel Porzellan zerschlagen.“ Mit seinen Kollegen von Kaprun, Fusch, Taxenbach und Piesendorf wurde vor wenigen Tagen neuerlich verhandelt. Die Verbundpläne hat sich der Ortschef erst gar nicht zusenden lassen. „Das sorgt nur für Unruhe in der Gemeinde.“
Für diesen Unruhe-Zustand ist allerdings auch so bestens gesorgt. Mit den vorliegenden Verbund-Varianten können sich die BürgerInnen in der Region bislang nicht anfreunden. Vom Motto „Im Dialog zur gemeinsamen Lösung“ sei nichts zu erkennen, im Gegenteil werde eine BürgerInnenbeteiligung vereitelt, so Oppelland.
Vom Verbund wird beschwichtigt, dass es „nicht die letzte Diskussion ist, selbst wenn für eine Gemeinde eine Trassenführung gefunden wurde“. Das Kabel sei für den 380-kV-Ring allerdings nach wie vor nicht Stand der Technik. Selbst wenn die Schutzabstände zu Häusern nicht eingehalten werden können, müsse nicht verkabelt werden, im LEK (Landeselektrizitätsgesetz) seien entsprechende Ausnahmen vorgesehen.
 
DS


 

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