Tierschützer – die gnadenlosen Gegner des Jägerchefs

Fundamentale Tierschützer filmten die Wildschweinjagd von Jägerchef Mayr-Melnhof – und wurden handgreiflich attackiert, angeblich auch von Mayr-Melnhof selbst. Der stellt all das in Abrede. Auch die Justiz ermittelt.

Die Wildschweinjagd in der Antheringer Au ist der Hintergrund einer erbitterten Gerichtsfehde zwischen dem Verein gegen Tierfabriken (VgT) und Landesjägermeister Maximilian Mayr-Melnhof. Der Konflikt hat sich durch provokante Aktionen und Angriffe des VgT-Obmanns Martin Balluch im Internet  hochgeschaukelt.

Kamera „gewaltsam entwendet“

Bei der Gatterjagd am 20. November 2017 dürfte einiges entgleist sein. Zehn, teilweise vermummte Aktivisten  störten, indem sie den Beschuss der Tiere vom Treppelweg aus filmten. Das endete im Eklat. Mayr-Melnhof, zwei Jagdschutzorgane und ein Personenschützer hätten zwei Tierschützer „zwangsweise und rechtswidrig  festgenommen“, eine Kamera „gewaltsam entwendet“ und einen Tierschützer in seiner Menschenwürde  verletzt. Das sagt das Landesverwaltungsgericht nun in einem  Urteil (die Beschwerde betrifft formal die Bezirkshauptmannschaft Salzburg Umgebung als vorgesetzte Dienstbehörde).

„Er filmte ständig weiter“

Aber der Richter glaubte nicht alles. Der behauptete „Raub“, ein „Umrennen, Finger Verdrehen und Würgen“ seien schlicht übertrieben und nicht bewiesen. Ein Detail war jedoch „erniedrigend  und demütigend“. Es entwickelte sich so: Mayr-Melnhof  habe am Treppelweg die Festnahme gegenüber dem Aktivisten  ausgesprochen, diesen am  Arm festgehalten, da er ständig wegzugehen versuchte. Ab da „richtete der   Beschwerdeführer  seine  Camcorder-Kamera auf  Mayr-Melnhof und filmte ständig.“ Mayr-Melnhof filmte  ebenfalls  mit seinem Handy.  Zu dritt habe  man den Tierschützer gegen Mayr-Melnhofs  Pick-up gedrückt und dem am Boden liegenden Aktivisten die Kamera  abgenommen, indem „Maximilian  Mayr-Melnhof mit dem Schuh auf den Handrücken des Tierschützers stieg und   den mit einer Schlaufe um die Hand befestigten Camcorder entwendete“, so das Verwaltungsgericht.

Amtsmissbrauch?

Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt den Vorfall. „Zu klären ist, ob Amtsmissbrauch, Nötigung und dauernde Sachentziehung vorliegen“, sagt  Sprecher Marcus Neher. Denn die Kamera des VgT-Aktivisten ist nicht wieder aufgetaucht.
Salzburgs oberster Jäger wehrt sich nach Kräften. Sein Anwalt hat den Verwaltungsrichter  für befangen erklärt. Der Jurist habe sich als Zuschauer einer anderen Gerichtsverhandlung „als Sympathisant des VgT“ entpuppt. Was der Richter als „völlig aus der Luft gegriffen“ zurückweist. Bei der Staatsanwaltschaft hat man die Einstellung der Ermittlungen beantragt.

„Der Richter irrt“

Salzburgs Jägerchef Maximilian Mayr-Melnhof: Prozesskrieg mit Tierrechtsverein.

Maximilian Mayr-Melnhof wollte sich zu „keinem laufenden Verfahren“ äußern. In seinem Umfeld weist man die Vorwürfe  zurück. „Wir werden gegen das Urteil vorgehen. Der Richter irrt, wenn er sagt, die Festnahme war nicht legitim, weil sie auf dem Treppelweg stattfand. Herr Mayr-Melnhof ist auf das ganze Jagdgebiet Untersberg, Nussdorf vereidigt.“ Die Szene mit dem Schuh habe es nie gegeben. Auch keine Verletzungen. „Da war nichts, kein Hämatom, kein verrenkter Daumen. Drei Ärzte haben das bestätigt. Wir verlangen  ein gerichtliches Gutachten.“
Martin Balluch sieht sich vorerst als Sieger. In seinem Blog scheut er sich nicht, seinen Aktivismus gegenüber der Tierwelt mit der Rettung von Juden gleichzusetzen.

sw

2 Kommentare

  1. Antonietta Antworten

    Anerkannte Wissenschaftler und Wildbiologen sind sich einig, dass aus ökologischer Sicht keine Notwendigkeit für die Jagd besteht. Der renommierte Wildbiologe Prof. Dr. Josef Reichholf betont, dass sich waldbewohnende Tierpopulationen schon immer selbst reguliert haben. Nicht etwa durch Beutegreifer wie Wolf oder Luchs, sondern in erster Linie durch natürliche Umwelteinflüsse wie Witterung, Krankheiten und Nahrungsverfügbarkeit.

  2. Martin Ranftler Antworten

    Wie kommt es, dass in der Überschrift die Opfer der physischen Gewalt gleich einmal mit dem Attribut „gnadenlos“ versehen werden? Ein Musterbeispiel der Täter-Opferumkehr. Ist das ein von Mayr Melnhof bezahlter Artikel?

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