Matura geschafft – und jetzt etwas Sinnvolles machen

Zwei Jugendliche packen für den guten Zweck  an. Um vor ihren Studien ein Jahr lang „etwas ganz anderes zu machen“.

Noch rauchen in den höheren Schulen die Köpfe. Die letzten Maturaprüfungen sind im Gange. Die meisten Maturanten werden studieren. In Salzburg, in Wien, Graz, Innsbruck oder im Ausland. Einige Burschen und Mädchen legen vor ihrem Studium eine bewusste Pause ein. Nicht, um sich auszuruhen, sonder vielmehr um anzupacken. „Und Spanisch und das spanische Leben kennenzulernen“, zwinkert Manuel Pirker. Der 18-jährige Schüler des BRG Salzburg fliegt im Spätsommer in die spanische Stadt Burgos. „Ich betreue dort Menschen mit Autismus“, beschreibt er seine dortige Tätigkeit.

Was er erwartet? „Auf jeden Fall eine wichtige Erfahrung machen zu können“, meint der Salzburger. Das Bundesheer sei für ihn  nicht infrage gekommen. „Was ich so von Präsenzdienern gehört habe, klingt sehr nach Zeitverschwendung“, meint Manuel kritisch. Er wolle etwas Sinnvolles machen. Mit Menschen, die es schwer haben im Leben. Und das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) werde ihm als Zivilersatzdienst angerechnet.

Autistische Menschen in Spanien betreuen

Ob Burgos die richtige Entscheidung war, wird er erst in rund einem Jahr wissen.  Dann will der frühere BRG-Schulsprecher Betriebswirtschaft studieren, „um später einmal im Bereich Management tätig sein zu können“. Wie Manuel schnuppert auch Sam Löwen ab dem Sommer in den Sozialbereich hinein. Zivildienst oder Bundesheer muss der gebürtige Deutsche nicht machen, doch er will „Berufserfahrung in einem komplett anderen Feld machen“. Ein Jahr seiner Zeit verbringt Sam daher als Transporthelfer im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, in dem seine Mutter als Krankenschwester arbeitet. „Ich mag es, Menschen zu helfen. Bei meiner Tätigkeit bringe ich Patienten zwischen den Stationen hin und her“, so der 18-Jährige. Dabei interessiere ihn auch, wie in einem Spital alles organisiert sei. Mit seinem Berufswunsch hat das Spitalsjahr wenig zu tun. Der junge Bürmooser will Lehrer werden. Geschichte und Russisch möchte er unterrichten. „So viele junge Leute wissen so wenig über Geschichte. Das möchte ich ändern“, so Sams Antrieb.

Freiwilliges Soziales Jahr

Ähnlich wie Sam und Manuel widmen jedes Jahr mehrere Dutzend Maturanten ihre Zeit sozialen Einrichtungen. Das „Freiwillige Soziale Jahr“ absolvieren derzeit 35 Mädchen und Burschen  aus Salzburg in Kindergärten, Behinderteneinrichtungen oder Seniorenheimen. Von Mittersill bis Bürmoos gibt es rund 40 Einsatzplätze. „Viele wollen sich einfach in die Gesellschaft einbringen, etliche nutzen das Sozialjahr als Überbrückung bis sie ihren gewünschten Studienplatz bekommen“, erklärt Daniela Weinberger von der Akzente Jugendinfostelle in Salzburg.  Die jungen, alten oder beeinträchtigten Menschen in den teilnehmenden Einrichtungen profitierten vom frischen Wind, den die Jugendlichen in ihre Häuser brächten, so Weinberger. „Und ein Jahr ist eine gute Zeit, um Vertrauen zueinander aufzubauen“, so Weinberger. Was sie betont: Ein Sozialjahr will gut überlegt sein, es bringe einen „durchaus an seine Grenzen“.

Von Sabine Tschalyj

(Bildtext: Manuel Pirker aus Salzburg und Sam Löwen aus Bürmoos machen gerade Matura am BRG Salzburg. Sie wollen studieren – und davor „etwas Sinnvolles“ machen“. Bild: Tschalyj)

Noch sind Plätze frei. Infos unter www.fsj.at oder jugendinfo.akzente.net

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