Tatort Schule: 170 Anzeigen wegen Gewalt

Schüler prügeln einander, Eltern schlagen Lehrer. Auch sexuelle Delikte gibt es. 

Eine parlamentarische Anfrage schlägt Wellen. Der ÖVP-Nationalratsabgeordnete und frühere Wiener Polizeikommandant Karl Mahrer wollte Daten zum Thema Gewalt an Schulen. Innenminister Kickl legte Zahlen vor, die viele kalt erwischten.
Die Kriminalstatistik weist für Salzburg 172  Delikte seit 2014 aus (der „Tatort  Schule“ wurde vorher nicht erfasst). An der Spitze: Körperverletzungen (130 Anzeigen), gefährliche Drohungen (29), sechs Nötigungen, ein Raub. Ebenfalls angeführt: zwei Vergewaltigungen, zwei sexuelle Belästigungen, eine geschlechtliche Nötigung, ein schwerer sexueller Missbrauch von Unmündigen.

Schülerin Gurken in die Hand gedrückt

Landeschulratsdirektor Andreas Mazzucco reagiert überrascht. „Ich kann diese Zahlen nicht in Übereinstimmung bringen. Solche Vorfallsmeldungen haben wir nicht in dieser Quantität.“ Freilich bekomme er nur Sachen auf den Tisch, die die höheren Schulen betreffen. Immer wieder würden Lehrer angezeigt, im Fall einer Verurteilung auch entlassen. Wie dieser Mann: Der Lehrer an einem Gymnasium drückte einer Schülerin „ein Plastiksackerl mit Gemüsesorten in eindeutiger Form in die Hand, Gurken, Zucchini. Mit der Aufforderung, das entsprechend zu verwenden, aber nicht zu essen“ (Mazzucco). Unter ein paar tausend Lehrern seien „zwangsläufig auch Leute dabei, die nicht so sind, wie man will“, so Mazzucco. Gewalt gegen Lehrer ist häufig verbaler Natur: Drohungen, Beleidigungen. „Wo es um die Akzeptanz der Frau als Lehrerin geht, gibt es es oft einen Migrationshintergrund“, sagt Mazzucco. Sprüche wie „Ich f… dich, bitch. Ich f… deine Mutter“ höre man ja auch im Gangster-Rap.

Zur Polizei wegen Kleinigkeiten

Verbalinjurien habe es immer schon gegeben, in Brennpunkt-Hauptschulen, an Sonderschulen, von den ureigensten Landesbürgern, meint ein Sprecher der Polizei. „Das ist kein Spezifikum der Migranten, das ist heute vielleicht nur weiter verbreitet.“ Viele Vorfälle würden aus Gründen des Opfer- und des Täterschutzes nicht veröffentlicht. Zu den Sexualdelikten kann man – auch wegen des Datenschutzes – nichts sagen. Oft verliefen Anzeigen im Sand.
Fakt ist, dass heute schneller nach der Polizei gerufen wird. „Ein geröteter Handabdruck im Gesicht oder ein Kratzer reichen da oft schon.“ Das klassische Raufen  entgleise heute aber schneller. Auch Eltern werden handgreiflich. An der Handelsschule ohrfeigte eine Mutter eine Lehrerin wegen eines  Konflikts um die angeblich betrunkene Tochter. In Bad Hofgastein wandten sich Eltern zuletzt an Medien, nachdem ein zehn Jahre alter Bub aus Syrien seine Mitschüler an der Volksschule mit Mord bedrohte, im Internet ein Video veröffentlichte, in dem er sich mit Horror-Clownmaske mit  Messer und Pistole präsentierte.

Lehrerin gebissen – und dann auch noch gerüffelt

Der parteifreie Lehrergewerkschafter Sigi Gierzinger  fordert „vom Dienstgeber eine sofortige und umfassende Bestandsaufnahme unter wissenschaftlicher Begleitung“. Pflichtschullehrervertreter Anton Polivka kritisiert den Druck durch die Schulhierarchie. „Das Wichtigste ist, dass nichts an die Öffentlichkeit kommt. Einmal wurde eine Lehrerin so gebissen, dass man sie nähen musste. Am Ende hat sie einen Anschiss von der Direktion bekommen, weil sie das Kind nicht berühren darf.“

Sonja Wenger