Blitze und Hitze: Ein Supersommer wartet

Salzburg gehört zur Region mit den meisten Gewittern in Europa. Der schwül-heiße Mai ließ es heuer schon heftig krachen.

Die Prognosen sagen: Das richtige Donnerwetter kommt erst noch. Österreich gehört mit 700- bis 800.000 Blitzentladungen pro Jahr zu den am stärksten von Gewittern heimgesuchten Ländern Europas.

Die Bundesländer Steiermark und Kärnten liegen mit Oberitalien und Slowenien sogar im Epizentrum des sommerlichen Wetterphänomens – während der Norden Europas das Donnergrollen des Himmels fast gar nicht kennt (deutlich zu sehen auf einer Karte  des Blitzortungssystems Aldis, http://www.wostal.at/ aldis/aldis_blitzinfos_170627. html).  Der Grund: Durch die südliche Lage und die Nähe zur Adria bietet die Atmosphäre das ideale Gemisch für Gewitter: Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit.

Die „schwarze Wand“ aus Bayern

Der  warme, schwüle Mai hat die Blitzsaison, die sonst im Juni, Juli ihren Höhepunkt hat, heuer sehr früh beginnen lassen: 28.000 Flashes (Wolken-Erde-Blitze) seit Jahresbeginn sind ein Spitzenwert seit  Beginn der Aufzeichnungen ab 1992. Experten erwarten ein Superblitzjahr.
Auch Salzburg ist „immer gut vorne dabei“, weiß  der Aldis-Blitzphysiker Gerhard Diendorfer. „Ganz typisch sind die starken Gewitter, die von Bayern hereinziehen, wo feuchte Luftmassen kommen und auf das Gebirge stoßen.“

Diese Gewitterfronten wandern mit der vorherrschenden West-, Nordwestströmung nach Osten, es bauen sich mächtige, bis zu zwölf Kilometer hohe Wolkentürme auf, im Innern ist es turbulent und eiskalt, Wasser gefriert zu  Hagelkörnern. Die   „schwarze Wand“ aus Bayern kündigt  sich stets mit einer starken Druckwelle an.

237 Menschen starben durch Blitzschlag

„Die Sturmböen kommen  eine Viertelstunde vorher, oft mit 60, 70 Stundenkilometern. Dann heißt es an den Seen im Flachgau: Raus aus dem Wasser,  auch wenn noch die Sonne scheint“, mahnt Alexander Ohms von der Landesstelle der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, den Naturgewalten Respekt zu zollen. Die heftigen Sommergewitter, die weiter ins Innviertel ziehen, sind unter Landwirten seit jeher gefürchtet. Ein Blitz, der bis zu 300.000 Ampere Stromstärke entwickelt, hat schon ganze Gehöfte zerstört.

Im Gebirge brauen sich eher lokale Wärmegewitter zusammen. Sie sind für Bergsteiger und  Almvieh gefährlich, da die Tiere bei Unwettern  Schutz unter Bäumen suchen und dann oft gleich zu mehreren erschlagen werden. „Kühe sind noch empfindlicher gegen Strom als der Mensch, weil sie mit vier Beinen am Boden stehen und so ein viel größeres Spannungsfeld bieten“, erklärt Experte Diendorfer.

Warum manche überleben, weiß die Forschung nicht

Blitzschlag war 2016 bundesweit die häufigste Brandursache. Schaden durch 1519 Einschläge: 14,3 Millionen Euro. Wobei es in Salzburg zwar auch Einschläge gab, aber kein Blitz einen Großbrand ausgelöst habe, so Matthias Gruber von der Brandverhütungsstelle Salzburg.

Und der Mensch? Er vertraut dem allgegenwärtigen technischen Brimborium,  verlernt  Instinkte.  So sterben in Österreich jährlich ein bis zwei Menschen an Blitzschlag, seit 1957 wurden 237 Menschen durch Blitze getötet, die meisten bei der Feldarbeit in der Landwirtschaft.

Warum manche Menschen einen Blitzschlag überleben (oft mit bleibenden Dauerfolgen), andere aber nicht, sei wissenschaftlich  schwer zu klären, sagt Physiker Diendorfer: „Was die Überlebenden schildern, ist meist sehr verwirrend.  Ob es von der Kleidung abhängt, wo man steht, wir wissen es nicht genau. Manche meinen, es ist eine bestimmte Phase des Herzschlags, in der man sehr vulnerabel ist.“ Schon Kindern sollte man Verhaltensregeln beibringen, darunter die wichtigsten: Beobachte den Himmel und suche Schutz in Gebäuden!

Elektrogeräte ausschalten ist sinnvoll

Es ist auch heute noch empfehlenswert, Elektrogeräte bei Gewittern sofort von allen Leitungen zu trennen – auch von Antennen- und sonstigen Anschlüssen! Große Wohnanlagen müssen Blitzschutzanlagen haben, Einfamilienhäuser (bis 400 Quadratmeter)  nicht.

Erst kürzlich zerstörte ein Blitz die Telefonanlage der Salzburger Wetterdienststelle infolge einer Überspannung. Er hatte in eine Lärche 15 Meter neben dem Gebäude  im Stadtteil Nonntal eingeschlagen.

Sonja Wenger

 

Zu diesem Foto:  

Walter Hirzinger aus dem Tennengau ist dieses beeindruckende Bild gelungen. Der ambitionierte Hobbyfotograf sagt: „Das hat mit einem Schnappschuss nichts zu tun, es steckt viel Planung und harte Arbeit dahinter. An diesem Augustabend sagte mir meine Wetter-App, dass ein Gewitter um 22 Uhr über dem Tennengau niedergehen würde. Also hab ich meine Sachen gepackt und bin auf die Humbold-Terrasse gefahren. Ich stellte meine Kamera so ein, dass die Lichter der  Stadt nicht zu hell waren, um einen stärkeren Blitz nicht  überzubelichten.  Ich stellte auf 50 mm Brennweite, und gleich beim zweiten Mal Auslösen kam dieser mächtige Blitz. Nach acht Sekunden Belichtungszeit schaute ich auf das Display der Kamera. Das Bild, auf das ich so lange gewartet habe …