Doppelt- und dreifachbelastet

„Mama gesucht“, titelte ein Agenturchef 2017 in einer Stellenanzeige und schrieb: „Mamas sind stressresistent, …

… gut vernetzt, oft bestens ausgebildet und können mit Kindern sowie Kindsköpfen umgehen.“ Er bekam nicht nur eine Flut an Bewerbungen, sondern auch viel Berichterstattung. Daran zeigte sich, wie relevant das Thema ist: arbeitende Mütter.

Einen Job zu finden, der es gestattet, Familie und Karriere „unter einen Hut zu bringen“, ist schwer. Ich kenne Mütter, die haben nach der Geburt ewig nach einer Möglichkeit für den Wiedereinstieg gesucht. Ich kenne Mütter, denen wurde nach der Karenz gesagt: „Ich will Sie nicht mehr in meiner Firma, weil Sie Kinder haben.“

Karikatur: Thomas Selinger. www.seli.at

Diese Arbeitgeber übersehen, wie organisiert Mütter sind, kreative, schnelle, lösungsorientierte Managerinnen, die sicher nicht immer, aber oft das Doppelte in derselben Zeit erledigen. Sie geben ihnen keine Chance, und deshalb wird man als Frau auch im Jahr 2018 noch fürs Kinderkriegen abgestraft. All die Arbeit, die man investiert hat, Studium, Karrierechancen, Aussichten auf Chefposten – futsch, sobald Ei und Spermium zusammentreffen.

In einer Teilzeitstelle kann man nur selten auch noch die gläserne Decke durchstoßen. Ja, ich weiß, dass viele Väter gern würden und nicht können, weil ihnen keine Karenz ermöglicht wird. Weil es sich nicht auszahlt, wenn der Mann Stunden reduziert und weniger verdient, die Frau das mit ihrer Teilzeitstelle aber nicht ausgleichen kann. Staat und Unternehmen bieten kaum Lösungsmodelle, deshalb versucht jede Familie, eine Lösung zu finden, die für alle Beteiligten passt.

Doch wenn man mit den Müttern redet, merkt man schnell: Für sie passt es eigentlich nicht. Nur haben sie halt keine Wahl. „Wie macht ihr das nur, wenn du unterwegs bist?“, ist die Frage, die ich zurzeit am öftesten höre, wenn ich von meinen Lesungsterminen in Hamburg, Wien, Göttingen erzähle. Und wer, bitte wer würde das einen Mann fragen, der eine Geschäftsreise macht? Seine Arbeitskollegen? Seine Freunde, sein Chef? Garantiert nicht.

Solang die Mama zuhause ist, ist ja alles in Ordnung. Aber der Papa, ganz allein, zwei Tage? Überraschung: Das geht. Weil Papas wie Mamas sind, sie kümmern sich um ihre Kinder, sie kochen, helfen bei der Hausübung, lesen vor – und können das alles genauso gut. Aber das kann sich kaum jemand vorstellen, das ist immer noch die Ausnahme. Und ich frage mich: Wie soll Vereinbarkeit in unserer Gesellschaft funktionieren, wenn sie nicht mal in unseren Köpfen existiert?

Mareike Fallwickl arbeitet als freie Texterin und Lektorin