Zwischen Job und Spielplatz: Mamas und ihr Spagat

Zum Muttertag: Wie Salzburger Mütter den Alltag meistern und warum Klischees und Bevormundung von gestern sind.

Für Barbara Hummer war die Karriere immer wichtig. Auf Kinder zu verzichten, stand dennoch nie zur Debatte. Als 2014 Sohn Moritz auf die Welt kam, nahm sie eineinhalb Jahre Karenz. An einzelnen Projekten arbeitete sie bereits unmittelbar nach dem Mutterschutz wieder mit. „Ich wollte das so und bin überzeugt, dass ich zufriedener und eine bessere Mutter bin, wenn ich arbeite“, sagt die Personalmanagerin, die bei dm in leitender Funktion tätig ist.

Während sich ihr Unternehmen sehr flexibel zeigte, kam im eigenen Umfeld das frühe berufliche Engagement nicht bei allen gut an. „Ich war schockiert, wie schnell man angegriffen wird. Wobei ich nicht einsehe, was schlecht daran sein soll, wenn das zwei Monate alte Kind einen Nachmittag in der Woche von seinem Papa betreut wird.“

Barbara Hummer, arbeitende Mutter: „Ich war schockiert, wie schnell man angegriffen wird.“ Bild: DM

Mittlerweile ist Hummer in ihre Führungsposition zurückgekehrt und arbeitet 25 Stunden, der dreieinhalbjährige Sohnemann geht in den Kindergarten. In der Alltagsorganisation spielt auch der Vater eine tragende Rolle. Die soll noch größer werden, wenn im September das zweite Kind auf die Welt kommt. Hummer plädiert dafür, verschiedene Lebensentwürfe zuzulassen und nicht gleich zu werten. „Manchmal hat man den Eindruck, wie es jemand macht, ist es falsch.“ Bedenklich findet sie, dass Angriffe meistens von Geschlechtsgenossinnen kommen. „Mehr Frauensolidarität wäre ganz wichtig.“

Was macht eine gute Mutter aus? „Am Anfang ist viel gemeinsame Zeit schon sehr wichtig für die Bindung.“ Später sei die Qualität der gemeinsam verbrachten Zeit maßgeblich. „Eines habe ich schnell gelernt. Wenn ich bei meinem Kind bin, dann voll und ganz.“

Dass es ihrem Sohn gutgeht, davon ist sie überzeugt. „Wenn man in sich hineinhört, dann spürt man, ob es passt.“ Das Bild einer Superfrau, die alles spielerisch unter einen Hut bringt, will sie nicht vermitteln. „Die gibt esnicht. Man stößt manchmal an Grenzen. Das gehört dazu.“

Oft meldet sich bei Working-Moms das schlechte Gewissen

Diesen Satz würde Camilla Neuhauser-Steinocher anstandslos unterschreiben. Sie ist Geschäftsführerin des Blumen-Großhandels „Flora“ und Chefin von 30 Mitarbeitern. Ein längerer Ausstieg aus dem Beruf war nach der Geburt von Sohn Fernando nicht möglich. „Ich war am 13. Tag nach der Entbindung erstmals wieder im Betrieb.“

Camilla Neuhauser-Steinocher aus der Stadt: „Ich war am 13. Tag nach der Geburt erstmals wieder im Betrieb.“ Bild: Minichberger

Im ersten Lebensjahr des Sohnes reduzierte Neuhauser-Steinocher ihre Arbeitszeit zwar, war aber fast jeden Tag anwesend. Immer mit dabei: der kleine Fernando. Im Familienverbund mit Mutter und Schwester klappte der Spagat zwischen Arbeit und Kinderbetreuung. Der Zweijährige geht mittlerweile in die Krabbelgruppe, ab 15 Uhr ist die Mama für ihn da.

Das schlechte Gewissen meldet sich manchmal. „Das ist einfach so. Wenn ich ihn von der Kinderbetreuung abhole und er wartet schon am Zaun, dann berührt mich das.“ Die gemeinsame Zeit mit anderen Kindern und die Aufsicht durch ausgebildete Fachkräfte sehe sie aber positiv. Und eines sei ihr wichtig: „Auch wenn ich mir überhaupt nicht vorstellen kann, ausschließlich Mutter zu sein und gar nicht zu arbeiten – der Kleine steht immer an erster Stelle.“

Einen anderen Lebensentwurf hat Rosa Deisl gewählt. Seit der Geburt der ersten Tochter Valentina vor siebeneinhalb Jahren hat sie ihren Beruf im kaufmännischen Bereich hintan gestellt. Sie arbeitet einen Tag in der Woche. Bis das zweite Kind Marlena (4) in die Schule kommt, will sie hauptsächlich für die Mädchen da sein. „Ich genieße das, möchte aber auch betonen, dass das als Job zu sehen ist.“

Selbst kochen, Brot backen, den Kindern familiäre Grundwerte mitgeben – Dinge die Rosa Deisl wichtig sind. Kritik daran, dass sie nicht mehr arbeitet, komme immer wieder. Den gesellschaftlichen Druck halte sie aber gut aus, so Deisl, die sich nebenbei auch ehrenamtlich engagiert. „Ich war 37, als das erste Kind kam. Junge Frauen denken da sicher oft noch ganz anders.“

Außerdem seien viele Mütter schlichtweg gezwungen zu arbeiten, auch solche die gerne länger daheim bleiben würden. Oft scheitere es am Finanziellen. „Ich bin für Wahlfreiheit. Dann muss man aber auch für diese Frauen mehr Unterstützung bieten.“

Vor dem nahenden Ehrentag freuen sich die drei Mamas auf selbst gebastelte Geschenke, einstudierte Lieder und Gedichte der Kinder. Blumen-Großhändlerin Camilla Neuhauser-Steinocher erwartet außerdem gute Geschäfte: „Der Muttertag ist unser größter Umsatzbringer.“

Von Michael Minichberger

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