Küss die Hand! Herr Leopold hat Charme

Ein neues Café in der Altstadt pflegt die Wiener Kaffeehauskultur – mit Pfiff.

Hawedere! Der Duft nach frisch gebackenem Strudel umgarnt die Nase, wenn man das Café „Herr Leopold“ im historischen Robinighaus in der Wiener–Philharmoniker-Gasse 1 betritt. Dort, wo einst die Familie Mozart ein- und ausging und der kleine Wolferl musizierte, lachen im ebenerdigen Gewölbe Mehlspeisklassiker wie Buchteln, Sachertorte, Apfelstrudel und Topfentorte aus der Vitrine, denn im „Herrn Leopold“ setzt man auf die gute alte Wiener Kaffeehaus-Tradition – und interpretiert sie neu.

  • Die Einrichtung folgt der klassischen Wiener Kaffeehauskultur - versetzt mit moderner Note. Bilder: Herr Leopold
  • Die Sauerteigbrote können mit unterschiedlichen Aufstrichen belegt werden.
  • Hmmm.... 🙂
  • Klassische Mehlspeisküche, im Bild Buchtln, ist das Aushängeschild des Herrn Leopold.
  • Vitales Frühstück mit Avocadoweckerln...
  • Die gibt es beim Herrn Leopold natürlich immer im Sortiment: die Sachertorte.

 

Schließlich führt mit Soraya Kühlwein (22) und Justus Holzmann (24) ein junges Gastronomenpaar das Ende März eröffnete Kaffeehaus – wer jung ist, will auch die jüngere Generation ansprechen. „Wir hätten ein Hipster-Café machen können, aber wir wollten etwas Österreichisches. Die Institutionen, die die Wiener Kaffeehauskultur pflegen, sind oft verstaubt. Wir verbinden Tradition mit Modernem“, sagen die beiden.

Auf der Karte macht sich das etwa an den Sauerteigweckerln bemerkbar, deren Hälften man mit unterschiedlichen Aufstrichen bestreichen kann: klassisch (Eiaufstrich, Liptauer), modern (Wildkräuter, Chicken Curry) oder erlesen (Fuschlseeforelle mit Kaviar, Trüffeleiaufstrich).

Soraya Kühlwein und Justus Holzmann erfüllten sich mit dem „Herrn Leopold“ in der Wiener-Philharmoniker-Straße ihren Traum. Bild: Suchanek

Rezepte von der Schwiegermama

Strudel, Buchteln und Brot werden täglich frisch geliefert und in einem Ofen direkt neben den Gästen gebacken. Daher der Duft. Für den kleinen Hunger gibt es Suppe, und natürlich Frühstück – süß, vital oder klassisch. Die Kuchenrezepte stammen zum Teil von der Schwiegermama, verrät Holzmann. Der Herr Leopold habe zudem eine eigene Kaffeemischung, in zwei Varianten auch zum Mitnehmen.

Mit dem Herrn Leopold verwirklichte sich das junge Pärchen selbst. Zuvor führte es das Café Schatzi, „aber das war nie unser Baby“. Als das Trachtengeschäft nebenan schloss, nutzten sie die Gelegenheit zur Erweiterung samt neuem Konzept. Der Herr Leopold wurde Schatzis Nachfolger.

Doch wo ist er nun, der klassische, grantelnde Wiener Ober? „Wir haben ihn als Figur stilisiert, denn den Herrn Leopold kann man nicht imitieren.“ Er „druckt“ seine G’schichtln auf der Speisekarte – und auf der Toilette. Da braucht man Zeit zu lesen, das soll so sein.

Im caféeigenen Ofen werden Strudel, Buchteln & Co. frisch gebacken, der Duft erfüllt den ganzen Raum. Bild: Suchanek

Grüner Marmor und Spiegel unter der GewölbedeckeIn Ruhe verweilen, Zeitung lesen, das gehört dazu zur Wiener Kaffeehaustradition. Dafür braucht es das richtige Ambiente, für das nicht nur die altrosa Sessel sorgen: Kein Wiener Café ohne Marmor, Vertäfelung, Wandspiegel, Fischgrätparkett. Das gilt auch für den Herrn Leopold.

Aber auch bei der Einrichtung wird das Markenzeichen des Herrn Leopold umgesetzt: Klassisch mit modernem Touch. So glänzt traditionell der Marmor, doch ist dieser nicht weiß, sondern grün, die Vertäfelung extravagant, der Luster elegant, nicht prunkvoll überladen.

30 Gäste finden in den beiden Räumen Platz, dasselbe gilt für den Gastgarten. Der Herr Leopold ist übrigens Frühaufsteher, werktags öffnet er schon um 7.30 Uhr, am Wochenende um 8 Uhr. Damit sich ein Afterwork-Plauscherl ausgeht, schließt er erst um 20 Uhr (zur Festspielzeit um 22 Uhr).

Auch wenn es die Salzburger mit den Wienern bekanntlich nicht so haben, der Herr Leopold hat Charme, das ist gewiss.

Von Petra Suchanek

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