„Ich zahle 50 Euro mehr – und bin ein König“

Reisen boomt, sagt der Experte. Für etwas Geld gibt’s die persönliche Note.

64 Prozent aller Österreicher verreisten 2017 in ihrem Haupturlaub, das sei die höchste Zahl seit Beginn seiner Analysen im Jahr 1995, sagt Peter Zellmann vom Institut für Freizeit- und Tourismusforschung in Wien.

Ioannis Afukatudis, Vorstand der Thomas Cook Austria AG bestätigt, dass die Reiselust groß ist. Die Buchungslage sei heuer noch besser als im Vorjahr. Er weiß, wohin es die Salzburger zieht, was sie sich vom Urlaub wünschen und dass der Österreicher mehr Geld für Reisen ausgibt als der Deutsche.

SF: Wo wollen die Salzburger diesen Sommer ihren Urlaub verbringen?
Ioannis Afukatudis: An erster Stelle liegt bei uns Spanien, wobei wir überwiegend Mallorca im Angebot haben. An zweiter Stelle ist Griechenland, es wird jetzt ab Salzburg auch wieder die Insel Kos angeflogen. An dritter Stelle Bulgarien, das wir vor drei, vier Jahren als Urlaubsziel zu etablieren versucht haben, als die nordafrikanischen Destinationen eingebrochen sind. Das ist uns gelungen. Ab Salzburg haben wir die Kapazitäten mehr als verdoppelt, wir fliegen nach Burgas und neu auch nach Varna. Diese neue Destination müssen wir noch etwas bekannter machen, aber wir sind sicher, dass sie in Zukunft gut laufen wird.

SF: Wie sieht es mit der Türkei und Nordafrika aus? Erholen sie sich?
Ägypten und Tunesien sind kontinuierlich im Kommen. Die Türkei ist wieder da, aus mehreren Gründen: Die Leute wollen nicht mehr überfüllte Häuser und Strände in dieser Intensität, wie es sie auf Mallorca etc. gab. Und manche Familien haben ein, zwei Mal aufs Reisen verzichtet, sie kommen jetzt wieder, all inclusive im Fünfsterne-Hotel in der Türkei. Das Preis-Leistungsverhältnis dort ist unschlagbar.

SF: 2017 urlaubten nur zwei Prozent der Österreicher in der Türkei. Sie rechnen heuer mit einem Anstieg?
Ja, sicher, das zeichnet sich bei den Buchungen ab. Vom Volumen ist es noch nicht so stark wie es war, aber wir haben zwei- bis dreistellige Zuwachsraten.

SF: Wie sieht die Buchungslage generell aus?
Sehr gut, sogar noch besser als im Vorjahr. Man sollte sich also beeilen, wenn man im Sommer ein bestimmtes Hotel will.

SF: Im Vorjahr wurden Ziele wie die Balearen gestürmt. Gibt es dort jetzt Preissteigerungen?
Starke Nachfrage, höherer Preis, das sind die Marktmechanismen. Die griechischen Hoteliers waren für ihr Pingpong bekannt, aber unsere Branche hat dazugelernt. Es gibt eine vernünftige Preiserhöhung, die sich, wenn überhaupt, im Inflationsbereich bewegt.

Wir haben in diesem Jahr für die meisten Zielgebiete eine Preisstabilität. Griechenland und Spanien halten sich stabil, das bewegt sich zwischen 1 und 2 Prozent. In Bulgarien gibt es keine Aufschläge. In der Türkei haben wir Preissenkungen, in Ägypten sogar zweistellige, in Tunesien auch. Das haben wir geschafft, weil wir bei unseren eigenen Hotels und Marken selbst die Hand drauf haben. Qualität muss ihren Preis haben, aber auch noch kaufbar sein.

Ioannis Afukatudis, Vorstand der Thomas Cook Austria AG. Zu Thomas Cook gehört auch Neckermann Reisen. Foto: Thomas Cook

SF: Warum reisen so viele?
Weil Urlaub heute ein Grundbedürfnis ist. Der Österreicher verreist gerne zwei Mal oder öfters im Jahr. Am liebsten mit dem Auto in die angrenzenden Länder, aber auch die Fluggäste werden mehr. Da ist der Haupturlaub im Sommer, typisch sind Pauschalreisen im Ein- bis Zweiwochenbereich, die Tendenz geht auch hin zu drei oder vier Wochen. Dann ist er im Winter gern auf Fernreisen, die ja mittlerweile fast günstiger als die Kanaren sind. Dann macht man zwischendurch noch Urlaub. Manche fliegen an zwei oder drei Wochenenden im Jahr in eine City.

Geben die Menschen auch mehr Geld aus?
Ja. Der Österreicher will höherwertige Kategorien, Luxus- oder Premiumprodukte haben, er gibt im Schnitt mehr für Urlaub aus als der Deutsche. Das Casa Cook ist unser Vorzeigehotelprojekt, das ist Lifestyle für Bohemians. Wir haben erst drei, in Rhodos, auf Kos und in Chania, sie sind immer ausgebucht. Im nächsten Sommer eröffnen wir in Kroatien das vierte, auf Ibiza das fünfte.

Wohin geht der Trend bei den Pauschalreisen?
Hin zur Individualisierung. Man will den „Luxus“ haben, wählen zu können, was man haben will. Bei uns bekommen Sie nicht nur eine Woche Urlaub, Sie können im gewählten Hotel vorab das Zimmer selbst aussuchen – zum Aufpreis von 20, 30 Euro, das bietet sonst keiner. Oder die Sonnenliege, das gibt es jetzt neu in drei Zielgebieten. Ich zahle für Zimmer und Liege 50 Euro mehr – fühle mich dafür wie ein König.

Was ist noch gefragt?
Online sein, d.h. WLAN vom Flieger über den Transferbus bis zum Hotel. Lokalist sein, sich mit den einheimischen Gegebenheiten befassen. Gastro und Nachhaltigkeit sind Thema. Der Kunde will unser Angebot überall sehen. Er sucht im Internet, bucht im Reisebüro oder umgekehrt.

Apropos Internet: Spielen Katastrophen den großen Veranstaltern in die Hände?
Wenn Sie über Thomas Cook oder Neckermann im Internet buchen, können Sie sicher sein, das gleiche Service zu haben wie jemand, der im Reisebüro bucht. Es gibt auch eine Preisgleichheit. Sicherheit spielt eine Rolle. Wir sind im Urlaubsgebiet daher 24 Stunden erreichbar.

Von Petra Suchanek

 

Foto: Neckermann Reisen / Stuart Jackson