Die neue Not mit dem Federvieh

Eigenes Gemüse, eigene Eier: Das  liegt im Trend. Was aber  nerven kann: Der laute Hahn im Garten … 

Was gibt es Schöneres, als selbst gezogenes Gemüse zu ernten? Eier von eigenen Hühnern! Da weiß man, da ist der Wurm drin – im positiven Sinne. Der Trend zur Nachhaltigkeit lässt immer mehr „Nichtbauern“ zum Huhn greifen. Auch in der Stadt Salzburg taucht das Federvieh vielerorts auf. Es gibt Gasthäuser mit „fahrenden“ Hühnerställen, Schulwarte halten Hühner – und Gemeinschaftsgärten.

Aus dem anfänglichen Glück erwächst bei unüberlegter Anschaffung aber oft Ärger. Das Hauptproblem: Der Hahn. Mit stolzgeschwellter Brust kräht er ab Sonnenaufgang los – zum Ärger der Anrainer. Was zur Folge hat, dass er gern kurzerhand ausgesetzt wird.

„Wir erleben sehr oft, dass Hähne wegen ihrer Lautstärke unerwünscht sind. Viele werden bei uns abgegeben. Oder ausgesetzt“, weiß Johanna Stadler von der Pfotenhilfe in Lochen. Erst in der Vorwoche habe man ihr nächtens einen Hahn in den Garten geworfen.

Stadler sieht den Grund dafür auch im neuen Tierschutzgesetz, das Privaten untersagt, Tiere zu vermitteln. Weiß man nicht, wohin mit dem lieben Vieh, solle man in Tierheimen anrufen, die haben immer Nummern, die weiterhelfen, rät sie. Im Unterschied zu milchgebenden Tieren, die Nachwuchs brauchen, damit die Milch am Fließen bleibt, können Eier ohne Hahn produziert werden. Wozu braucht es den Hahn dann? Ohne ihn ist nicht nur die Lärmbelästigung, sondern auch die Gefahr des unerwünschten Nachwuchses weg.

Der „laute“ Hahn sorgt für Ruhe

So einfach ist es aber nicht. Stadler rät davon ab, nur Hennen zu halten. „Ohne Hahn gibt es einen Zickenkrieg.“ Der Hahn ist der Chef, er sorgt für Ruhe in der Gruppe. Und für Sicherheit, indem er die Hennen vor Greifvögeln schützt. Auch führt er sie zum besten Futter. Macht er seine Sache gut, wird er mit Sex belohnt, schmunzelt Stadler. Fehlt der Hahn, bedeutet das für die Hennen Stress.

Die Rangordnung richtet sich bei ihnen nach der Größe des Kamms, die oberste Henne wird aber dennoch nicht als Chef akzeptiert, diese Rolle darf nur ein Hahn einnehmen. Fehlt er, gibt es Kämpfe.

Der Hahn kräht übrigens nicht nur am Morgen, er tut dies regelmäßig, um mit seinen Hennen zu kommunizieren und sein Revier abzustecken. Er lauscht, ob sein Krähen erwidert wird. Zwei bis drei Minuten dauert so ein Konzert, sind mehrere Hähne in einer Gruppe, dehnt es sich aus. Will man glückliche Hühner, braucht es also einen Hahn. Gegen unerwünschten Nachwuchs hilft das tägliche Abnehmen der Eier.

Hühner im Hochbeet des Nachbarn, das bringt Ärger

Wer Hühner will, sollte sich bei der Gemeinde erkunden, ob dies erlaubt ist. Es gab schon Gerichtsurteile, wonach der Hahn weggeben werden musste. Auch sollte man vorab mit den Nachbarn sprechen. Spätestens wenn das Huhn ausbüxt und in Nachbars Garten Salat pickt, ist es mit der Geduld vorbei.

Und: Auch Hennen gackern laut, und sie benötigen viel Platz, damit die Wiese nicht zur Wüste wird. Sie brauchen frisches Wasser, auch im Winter, wo es leicht einfriert, ab und an den Tierarzt und jemanden, der sich kümmert, wenn man auf Urlaub ist. Selbstversorgung ist schön, man sollte aber bedenken, dass ein Huhn kein Selbstversorger ist.

Von Petra Suchanek