Ein guter Teppich hat eine Geschichte. Oder erzählt eine.

Ein Salzburger entwirft Teppiche und befreit sie vom verstaubten Image. Da geht altes Handwerk neue Wege.

Design steht heute hoch im Kurs. Auch beim Handwerk. Das weiß Pujan Khodai (27). Der Salzburger führt mit seinem Vater Vali ein Teppichgeschäft in der Sterneckstraße. Doch Pujan Khodai verkauft nicht einfach, er entwirft auch eigene Kollektionen. Schließlich hat er an der FH Kuchl Design studiert.

„Ich habe gemerkt, was klassische Teppiche für ein Potenzial haben: Nämlich keines“, sagt Khodai. Das wollte er ändern. Indem er coole Teppiche designt – oder alten einen „neuen“ Vintage-Stil verpasst. Dafür nimmt er in einem speziellen Upcycling-Verfahren Teile des Musters weg und färbt die Teppiche ein.

So hat ein Kunde schon Ware „im Wert eines Kleinwagens“ neu gestalten lassen, erzählt Khodai. Im Gegensatz zu den Teppichen aus Möbelhäusern, die nur auf alt gemacht und eigentlich neu sind, haben Khodais Stücke tatsächlich eine Geschichte.

Handgeknüpft und aus Naturmaterialien

Viel lieber sitzt Pujan Khodai aber vorm Computer, um aus über 2500 Farben neue Teppiche zu entwerfen. Diese lässt er dann in kleinen Betrieben im Iran, in Afghanistan, Indien, Nepal, Pakistan und in der Türkei fertigen – in echter Handarbeit. Und aus regionalen Naturfarben und -materialien wie Schafwolle und Seide.

Das hat seinen Grund: Schafe werden heute genetisch so gezüchtet, dass ihre Wolle gleichmäßig Farbe annimmt. In Afghanistan gibt es noch ursprüngliche Schafrassen, deren Wolle beim Färben Schattierungen annimmt. Dadurch werde jeder Teppich zum Unikat, erklärt Khodai. Acht Monate bis ein Jahr dauert es, bis er den fertigen Teppich in Händen halten kann. Hochwertig ist dieser – und entsprechend hoch der Preis: Bis zu 15.000 Euro kann so ein gutes Stück kosten.

Ein stylischer, handgemachter Teppich aus Schafwolle und Seide, designt vom Salzburger Pujan Khodai. Das Zitat stammt aus dem Film „The Great Dictator“. Die Hälfte des Verkaufserlöses von 9000 Euro wird gespendet. Bild: Khodai

Teppiche bei Designschau im Traklhaus zu sehen

Seine Liebe zu Teppichen hat Pujan vom Vater geerbt. Dieser wanderte vor 40 Jahren aus dem Iran aus, brachte sich selbst Lesen und Schreiben bei und eröffnete in Salzburg ein Teegeschäft, das zuletzt mehrere Filialen hatte, erzählt Khodai. Nach einem Zwischenstopp in Spanien kehrte der Vater mit seiner Familie zurück nach Salzburg, wo er mit dem Teppichhandel anfing. Das Teppich-Handwerk hat im arabischen Raum einen hohen Stellenwert, vergleichbar mit dem Tischler in Österreich.

Aus Spanien ist der Vater übrigens zurückgekehrt, weil er dort wegen der Kriminalität Angst um seine Kinder hatte, erzählt Khodai. „Mein Vater sagte mir immer, Menschlichkeit ist das Wichtigste im Leben.“ Diesem Gedanken folgend, entwarf der Sohn einen besonderen Teppich: Ihn zieren die ersten Sätze Charlie Chaplins aus dem Film „Der große Diktator“ (siehe Foto). Der Verkaufserlös von 9000 Euro wird zur Hälfte gespendet (an Caritas, Salzburg Global Seminar oder Fly & Help – der Kunde wählt).

Warum der Teppich so teuer ist? Auch er ist aus Schafwolle, Seide und Naturfarben hergestellt, von pakistanischen Bauern in der Nebensaison handgeknüpft. Das Muster wird händisch mit der Schere ausgeschnitten, zwei Männer arbeiten fünf Monate daran. Zu sehen ist der Teppich – neben anderen – in der Galerie im Traklhaus. Dort läuft gerade eine Design-Ausstellung zu den ersten Salzburger Designtagen am 27. und 28. April.

Programm zu Designtagen auf: www.salzburg-altstadt.at

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