Die Schmetterlinge im Bauch tanzen wieder

Im Frühling erwacht die Natur – auch in uns. Warum wir jetzt so gern flirten und küssen.

Die Sonne scheint, alles grünt und blüht, die Menschen zieht es jetzt im Frühling nach draußen. Das kommt nicht von ungefähr: „Wir sind trotz allem ,natürliche’ Wesen, reagieren auf unsere Umgebung. Das Licht suggeriert dem Gehirn, rauszugehen. Wir schütten Glückshormone aus, sind bereit, uns auszutauschen, zu verlieben und fortzupflanzen. Der Frühling ist Brunftzeit“, sagt die Salzburger Psychotherapeutin Andrea Hammerer.

Der Schutz der Winterkleidung wurde abgelegt, man zeigt wieder Haut, ist offener und kontaktfreudiger. „Wir haben mehr Blickkontakt, drehen uns nach anderen um, lächeln. Wir machen unser Herz auf. Das ist wie eine Lawine, wir wollen das Glück und die Lebendigkeit, die wir spüren, weitergeben“, so Hammerer.

Diese Lebendigkeit wirkt auch in uns: Wir schmieden Urlaubspläne, denken an Jobwechsel, sind offen für Veränderung. Deshalb boomen im Frühling auch Partnerbörsen.

Andrea Hammerer: „Das Bedürfnis nach Sex,  Nähe steigt jetzt im Frühling, weil man sich selbst besser spürt.“ Fotos (2): Marco Riebler

Kick für Seitensprung und eingeschlafene Beziehung?

Oft hört Hammerer dieser Tage in ihrer Praxis den Satz: Jetzt fühle ich mich wieder wie ein Mensch. Gatsch und Regen drücken auf die Psyche, Licht und Sonne erhellen sie. Denn: Was wir sehen, so fühlen wir uns. „Wenn ich auf einen grauen Betonblock schaue, fühle ich mich trist, sehe ich eine grüne Hecke, bunte Blumen, so steigt das Wohlbefinden“, sagt Hammerer.

Nicht nur Licht und Farben machen uns froh: Man sollte den Geruch nicht unterschätzen. Der Duft von blühenden Magnolien und frischer Erde freut das Herz. Und im Idealfall der Geruch des Partners. Ob man ihn „riechen“ kann, hängt stark von der Nase ab. Denn je unterschiedlicher die Gene, desto besser kann man sich riechen. Dafür sorgt die Natur, die so kräftigen Nachwuchs garantiert. Ist einem der Geruch des Partners unangenehm, kann das aber auch an der Pille liegen. Hormonpräparate können den Geruchssinn beeinflussen.

Weil man sich im Frühling selbst besser spürt, steigt das Bedürfnis nach Sex und Nähe. Wer um die Treue seines Lieblings fürchtet, dem gibt Hammerer zu bedenken: „Man geht nicht fremd, weil die Sonne scheint.“ Entweder sei man ein Seitenspringer oder nicht. Auch eingeschlafene Beziehungen bringt der Frühling nicht automatisch in Gang. „Doch die Enttäuschung, dass der Sex nicht von selbst mehr wird, ist oft Anstoß, dass Paare zu reden beginnen.“

Der Frühling macht auch Lust aufs Küssen – Tipps für lauschige Plätze gibt es rechts. Wer küsst, stärkt sein Immunsystem – und schüttet das Bindungshormon Oxytocin aus. Das geschieht auch beim Sex. Und selbst beim Blickkontakt, so Hammerer. Deshalb ihr Tipp: „Rausgehen und Menschen mit den Augen berühren.“

Auch Tiere lieben Sonne – und im Zoo gibt’s Nachwuchs

Während der Mensch im Frühling Schmetterlinge im Bauch fühlt, ist die Balz bei den Wildtieren – mit Ausnahme der Singvögel – vorbei. Sie bringen gerade die Früchte ihres Liebeswerbens zur Welt, ist doch jetzt das beste Nahrungsangebot für die Jungen. Hasen und Rehe haben bereits Nachwuchs, im Mai werfen Steinböcke und Gemsen, weiß man im Salzburger Zoo. Junge gibt es dort gerade bei den Kattas (Halbaffen) und den Sitatunga-Antilopen.

  • Löwin Nala gähnt beim Sonnenbaden. Foto: Zoo Salzburg
  • Die Kattas erkunden mit Nachwuchs ihr Revier. Foto: Zoo Salzburg
  • Auch die Nashörner lieben es, in der Sonne zu baden. Foto: Zoo Salzburg
  • Bär beim Erfrischungsbad. Foto: Zoo Salzburg
  • Auch die Watussi-Rinder "juckt" der Frühling in den Beinen. Foto: Zoo Salzburg

 

Wie der Mensch, lieben auch viele Tiere die Sonne. Im Zoo finden sich wahre Sonnenanbeter, allen voran die Raubkatzen. Auch die Kattas gehören dazu: „Sie verlassen schon früh ihr Nachtlager im Nashornhaus, um das weiße Bäuchlein in die Sonne zu strecken“, sagt Zoodirektorin Sabine Grebner.

Auch die Sumpfschildkröten recken Panzer und alles, was beweglich ist, gen Himmel. Nashörner, Bären, Reptilien – sie alle liegen faul in der Sonne und tanken Energie. Man sollte sich an ihnen ein Beispiel nehmen.

Lauschige Plätze fürs Liebesgeflüster

  • Mirabellgarten: Rosengarten, Orangerie . . . Es gibt einige Bänke, manche auch versteckt.
  • Humboldterrasse über dem Klausentor am Mönchsberg: Decke und Jause einpacken!
  • Steintheater in Hellbrunn: Romeo kann seine Julia zwischen den Felsen suchen. Danach geht’s in den Park.
  • Kapuzinerberg: Nicht so stark frequentiert wie der Mönchsberg, und es gibt auch einige ruhige Bankerl.
  • Gaisberg: Magisch sind Sonnenauf- und Sonnenuntergang
  • Stift Nonnberg: Romantischer Aufstieg über die Nonnberggasse, toller Ausblick – mit Bankerl.

Von Petra Suchanek

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