So ein Drahtesel, der entschleunigt

Radreisen boomen. Geradelt wird fast überall. Denn: Im Urlaub ein bisschen aktiv sein, das entspricht dem Zeitgeist.

Radreisen erfreuen sich daher großer Beliebtheit – Tendenz steigend. Auch, weil dem Reisenden auf zwei Rädern heute kaum Grenzen gesetzt sind: Afrika, Asien, Europa – geradelt werden kann überall.
Die meisten Radreisenden bevorzugen aber Europa, weiß Verena Sonnenberg von Eurobike. Neben Klassikern wie Donau, Rhein und Bodensee ist Italien ein Dauerbrenner. „Eine beliebte Strecke führt von Bozen bis Venedig. Man kommt jeden Tag in eine andere Stadt, hat Kultur und den Gardasee“, sagt Sonnenberg.

Auch die Strecke von Turin in der Weinregion Piemont an die ligurische Küste sei stark nachgefragt. Weiter westlich punktet Mallorca mit Inselumrundungen, neu im Programm ist Madeira, eine „anspruchsvollere Tour rund um die Insel, die sich für E-Bikes bestens eignet und das ganze Jahr gefahren werden kann“, so Sonnenberg. Skandinavien sei als Radreisedestination gerade im Kommen, mit Flussradwegen in Schweden oder den Oslofjorden in Norwegen. Wobei das eher für Individualisten als für die Masse ist.

Traumhaft: Eine Rundfahrt um die Insel Mallorca. Foto: Eurobike

Eine Woche pro Person im 4-Sternhotel ab 700 Euro

Der Schwerpunkt liegt heute nicht auf geführten Touren, sondern auf individuellen Radreisen, das heißt, die Radler machen sich ohne Guide auf den Weg. Vor Reiseantritt erhalten sie Routenmaterial samt Zusatzinfo wie Einkehrmöglichkeiten, die Hotelzimmer werden im Voraus gebucht, das Transfer des Gepäcks ist organisiert.

Wer kein eigenes Rad hat, kann eines dazubuchen. Unter den Leihrädern werden immer häufiger E-Bikes gewählt, weiß Sonnenberg, sie sind heute auf allen Routen im Einsatz, egal bei welchem Schwierigkeitsgrad. Wer eine Radreise plant, muss für eine Woche samt Übernachtung mit Frühstück in einem 4-Stern-Hotel inkl. Gepäckstransfer und Routenmaterial mit 700 bis 800 Euro rechnen (ohne Anreise). Ein Renner ist aktuell die Kombi von Rad und Schiff, so Sonnenberg.

Auch das Piemont ist eine beliebte Destination für Radreisen. Foto: Eurobike

Rad und Schiff: Ein Gespann, das gerade so richtig zieht

Das bestätigt auch Edgar Ginzler von Rad + Reisen: „Rad und Schiff ist der boomende Sektor. Das macht ein Drittel unserer 260 Touren aus, jedes Jahr kommen neue dazu.“ Der Vorteil liege auf der Hand: Mit dem Schiff begleitet einen das „Hotelzimmer“, man kann weitere Strecken zurücklegen und wenn es einmal regnet oder man müde ist, kann man am Schiff bleiben.

Geschippert wird fast überall an Küsten und auf Flüssen: Von nördlicheren Destinationen wie Holland und Schottland bis runter nach Sizilien, Mallorca, Sardinien, Südfrankreich, Kroatien, Türkei, Griechenland oder an die Amalfiküste. Einen starken Zuwachs erfährt derzeit Portugal als Raddestination, weiß Ginzler: „Dort wird gerade viel gemacht bei Radwegen und Infrastruktur.“ Wer will, kann aber auch auf Bali radeln. Oder in Südafrika.

Von Petra Suchanek