Gefährdeter Frühlingsbote im Anflug

Noch nistet im Flachgau der Kiebitz – auf Äckern. Das geht oft schlecht aus.

Wer derzeit im Flachgau beim Spazierengehen ein weiches „kchiuwitt-witwit-kchiuwitt“ hört, sollte seinen Blick für die Umgebung schärfen. Er hört mit großer Wahrscheinlichkeit den Ruf des Kiebitzes, der im März aus seinem Winterquartier zurückgekehrt ist. „Ich warte jedes Jahr sehnsüchtig, bis ich die ersten Kiebitze rufen höre. Dann weiß ich: Jetzt ist es soweit, der Frühling kommt“ sagt Elisabeth Ortner. Sie lebt in Göming/Gunsering, wo es gleich mehrere Kiebitzpaare gibt.

Jetzt im Frühling ist der hübsche „Anzugträger“ mit dem Federschopf auf Partnersuche. Für die Liebe legt sich der Kiebitz so richtig ins Zeug. „Die Balz über den Äckern ist ein sehr auffälliges Schauspiel. Die metallisch schillernden Tiere vollführen wahre Kunstflüge“, weiß Hemma Gressel von der Vogelschutzorganisation Birdlife Österreich. Ist die Partnerin gefunden, beginnt mit dem Nestbau die Herausforderung. Der Kiebitz bevorzugt als Wiesenvogel magere, niedrigwüchsige Wiesen, die erst im Spätsommer gemäht werden. Diese gibt es heute aber kaum mehr.

Kiebitz brütet in Maisäckern und Walser Gemüsefeldern

Deshalb suchte der findige Vogel zuletzt alternative Lebensräume – und fand sie auf dem Acker: „Brache Maisäcker bieten im Frühjahr ähnliche Bedingungen, weshalb man den Kiebitz heute im Flachgau vor allem in den Maisäckern findet, in Wals brütet er auch in Gemüsefeldern“, so Gressel. Während es im nördlichen Flachgau teilweise „noch ganz gute Bestände“ gibt, nimmt die Zahl der Kiebitze europaweit drastisch ab. Er ist eines der Sorgenkinder im Vogelschutz.

Doch auch die Äcker bergen Gefahr für den Vogel. Bei der Einsaat des Mais durch den Bauern droht dem gut getarnten Gelege das Aus, den Küken der Tod, denn der Kiebitz legt seine Eier direkt am Boden in eine Mulde. Nur teilweise kann er die Verluste durch ein Nachgelege ausgleichen.

Die Nester des Kiebitz in den Äckern sind kaum zu sehen – und werden bei der Einsaat vom Mais oft zerstört. Foto: Hemma Gressel

Sind die Jungen geschlüpft, haben sie noch einiges zu überstehen. Die Vogeleltern müssen ihre Jungen gegen Fressfeinde wie Fuchs, Marder und Hauskatzen verteidigen. Sie tun dies mit eindringlichem Kreischen und waghalsigen Abwehrflügen. Bei schlechter Witterung müssen die Küken von den Eltern zudem „gehudert“, also mit dem Federkleid gewärmt, werden. Dauert die Kälte zu lange an, gibt es viele Verluste.

Auch zu große Hitze und Trockenheit setzt den Jungtieren zu. Sie brauchen feuchte Mulden, um Nahrung zu finden. Der starke Rückgang der Insekten macht ihnen ebenfalls massiv zu schaffen: Sind keine Ackerraine, Blühstreifen oder spät gemähte Wiesen zugegen, fehlt den Vögeln mit den Insekten eine wichtige Nahrungsquelle, sie verhungern.

Bauern können dem Kiebitz helfen, er ist stark gefährdet

Im Flachgau kann man den Kiebitz in Wals, Nussdorf, Göming, Oberndorf, St. Georgen, Lamprechtshausen, Michaelbeuern, Köstendorf, Neumarkt und Seekirchen beobachten. Manche Bauern versuchen, dem Kiebitz zu helfen, indem sie bei der Einsaat seine Nester sichten und umfahren oder die Standorte mit Vogelkundlern ausstecken. Unterstützung finden sie bei der Naturschutzabteilung des Landes (susanne.stadler@salzburg.gv.at).

Wer mit Vögeln nichts am Hut hat, dem ist der Kiebitz dennoch vertraut. Als solcher wird jemand bezeichnet, der beim Spiel in die Karten schaut. „Kiebitzen“ heißt laut Duden, „jemanden bei etwas neugierig beobachten“. Und ein Gerichtskiebitz ist einer, der gern Verhandlungen besucht.

Vom Kiebitzen bis zum Gerichtskiebitz

Was hat das nun mit dem Vogel zu tun? Wenig, wie Linguisten vermuten. Das Wort dürfte in diesem Zusammenhang auf das gaunersprachliche „Kiewischen“, „Kiebitschen“ aus dem 19. Jahrhundert zurückgehen, das so viel wie „durchsuchen“ bedeutet. Warum heißt der Vogel dann Kiebitz? Der Name gibt den Flugruf „Kchiuwitt“ wieder. Die Engländer nennen ihn übrigens „Lapwing“ – wegen seiner breiten Flügel und des gaukelnden Fluges.

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Von Petra Suchanek