Gaisberg: Der Kult ruft

Sonne tanken, Frischluft schnuppern. Und die Radsportler werden bald legal durch den Wald herunterdonnern können.

Er ist ein Ausläufer der Osterhorngruppe und über ihm erhebt sich jeden Morgen die Sonne über der Stadt: Der 1287 Meter hohe Gaisberg ist Salzburgs kultiger Hausberg. In Scharen zieht es die Sonnenhungrigen jetzt auf ihre geliebte Freiluftterrasse.  Mit dem Rad hinaufzufahren, ist Volkssport geworden.  55 Minuten brauchen die Strammsten bis auf die Spitze. Man müsste „die Straße für die Autos sperren“, meint die sportliche Männerrunde, die vor der verwitterten Wirtschaft am Spitz das verdiente Bier genießt. Und sogar „halb Oberbayern“ sei wieder einmal auf dem Gaisberg, sagt einer. Die Älteren, wie Ludwig und Maria Perschl aus Waging am See, kommen mit E-Bikes.

Illegale Strecke angelegt

Der Druck durch die  Freizeitsportler sei enorm, erklärt Winfrid Herbst, Gaisberg-Koordinator der Stadt. Man respektiere das, meint Herbst, selbst begeisterter Bergradler. Die Radsportler bekämen nun die lange geplante und erwartete, offizielle Mountainbike-Strecke. Sie wird  am 11. April beim Zistel-Stammtisch vorgestellt. Man habe die  Zustimmung und Unterschriften der Grundbesitzer – der größte Teil des Gaisbergwalds gehört den Bundesforsten – und wolle den Trail noch heuer einreichen. Wann eröffnet wird, hänge vom Verlauf des Behördenverfahrens ab.

Die Strecke wird am Gipfel bei der Flugschneise der Paragleiter beginnen, den Gaisbergrundweg queren, bis zur Gersbergalm und Landesstraße verlaufen und bei der Obuskehre in Gnigl enden. Der Albus, der mit der Linie 151 auf den Gaisberg fährt, wird eine Radbox anschaffen.  Man werde Sponsoren brauchen, meint Herbst: Allein die Überquerung zweier Gräben koste 130.000 Euro. Man musste die Dinge in Bahnen lenken, weil die Beschwerden über wilde Downhill-Raser überhand nahmen. Herbst: „Viele fahren querfeldein über die Wiesen, bei der Rauchenbichlkehre wurde sogar ein illegaler Trail im Wald angelegt, fast einen Meter breit und mit baulichen  Kurven.“ Im Herbst schritt man deshalb zu ersten Kontrollen durch die Polizei und die Berg- und Naturwacht.

Großputz: Freiwillige vor!

Auf dem Gipfel haben die Gastronomen jetzt alle Hände voll zu tun. Damit ist nicht nur Servieren und Kochen gemeint. Die Gaisberg-Wirtsleute schreiten mit Unterstützung einiger Stammgäste jährlich selbst zum Großputz. Wirtin Karin Kohlmayr vom Gasthaus Gaisbergspitz kennt die Verursacher. „Die Wanderer lassen kaum etwas zurück. Das Meiste kommt vom Nachtverkehr. Die Straße ist eine  beliebte Teststrecke, da bleiben dann McDonalds-Sackerln und Bierdosen zurück.“ Für die große Müllaktion am 12. Mai sucht der Alpenverein noch Freiwillige  (Mail an christa.helpferer@alpenverein-salzburg.at oder Telefon 0660-22 400 53; es gibt eine kleine Jause, ein Busticket).

Mondscheinkabarett

Die Parksituation am Spitz ist eindeutig besser geworden. Die regelmäßig patrouillierende Polizei und ein (hässlicher) Schilderwald verhindern das chaotische Wildparken bis hinunter zur Zistel inzwischen weitgehend. Weil sich aber immer ein paar Disziplinlose finden, engagieren die Wirte auch den ÖWD. Heinz Reifecker, Chef der Wirtschaft am Spitz, wünscht sich, „dass noch mehr Leute mit dem Bus fahren.“ Trotz der Steigerung von 31 Prozent. Der Bus startet sieben Mal vom Mirabellplatz  (ab 9:35 Uhr) auf den Berg  (20:30 Uhr retour).
Und längst hat die Eventkultur den Hausberg erfasst. Mit Mondscheinkabarett, Lesungen, Spanferkelessen, Heiraten und Kindstaufe. Ende Oktober findet zum 7. Mal der Gaisberglauf statt. 450 Läufer aus 18 Nationen nahmen zuletzt daran teil.

Sonja Wenger