Aus für Kopftuch im Kindergarten

Eltern verhüllen schon Vierjährige. Die Stadt löste mehrere Fälle durch Reden.

Lange bevor die Bundesregierung ein Kopftuchverbot für kleine Mädchen einführen wollte, setzte Salzburgs Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer dies praktisch um.  Die  SPÖ-Politikerin, damals noch für Schulen und Kindergärten zuständig,  störte sich am Phänomen, dass sogar kleine Mädchen verhüllt in die städtischen Kindergarten kamen. Hagenauer: „Ich dachte mir, ich will keine kleinen Mädchen verschleiert im Kindergarten sehen.“

Kooperation eingefordert

Da man kein Verbot aussprechen konnte, habe man sich eine  Strategie erdacht. Hagenauer wies die Pädagoginnen an, mit den Eltern zu reden,  sobald ein Kind verschleiert käme. „Wir haben den Eltern erklärt, dass das  nicht erwünscht ist. Die haben das eigentlich gut akzeptiert.“ Ein interner Plan sieht folgende „Eskalationsstufen“ vor: Kooperieren Eltern nicht,  wird das Jugendamt eingeschaltet. Zuletzt würde der Ressortchef selbst in den Ring steigen. Was in den fünf Fällen der letzten Jahre nie notwendig war. Die meisten Mädchen kamen übrigens aus somalischen Familien, keine aus der Türkei und dem arabischen Raum.

Familien aus Somalia, Tschetschenien

Im Kindergarten Lehen 2 sind 70 Prozent der knapp 100 Kinder muslimisch, sagt Leiterin Claudia Kleinbauer. „Wir haben derzeit ein somalisches Mädchen, das trägt in der Freizeit Kopftuch, im Kindergarten nicht. Wir haben zu den Eltern gesagt: Wir möchten, dass das Mädchen aufgrund der Verletzungsgefahr in den Turnstunden das Kopftuch herunternimmt.“ Der Vater habe verständnisvoll reagiert. Nach ein, zwei Tagen habe das Mädchen das Tuch ganz von selbst  abgelegt. Ein tschetschenisches Mädchen trage ihr Kopftuch gerne, weil es der großen Schwester nacheifere. Im Kindergarten nehme sie es ab.

Kritik aus Multikulti-Kreisen, Zustimmung von Muslimen

Sie habe damals viel Kritik aus Multikulti-Kreisen und von der islamischen Glaubensgemeinschaft einstecken müssen, sagt Hagenauer. Aber es habe auch viel Zustimmung aus aufgeschlossenen muslimischen Familien gegeben.

Sonja Wenger