Die Jausen-Jukebox

In den Augen meiner Kinder bin ich anscheinend ein mobiler Supermarkt.

Wenn wir unterwegs sind, tragen meine Kinder immer nix und ich alles – einen großen roten Rucksack nämlich, der sauschwer ist. Weil: Da sind Trinkflaschen drin, und zwar zwei, damit kein Streit ausbricht, und die sind aus Glas, damit niemand mit grauslichem PVC-Wasser vergiftet wird, dann ein großes Packerl Feuchttücher, weil man auch dann, wenn die Kinder nicht mehr in die Windel gacken, das Haus niemals – ich wiederhole: niemals – ohne Feuchttücher verlassen sollte, und der Rest vom Rucksack ist angefüllt mit Jause.

Karikatur: Thomas Selinger Bild: www.seli.at

Für einen Nachmittagsausflug hab ich für gewöhnlich Obst dabei (natürlich nicht kleingeschnitten, wer bin ich denn), dann was Gebäckartiges wie Brezen oder Mohnweckerl, was Süßes wie Müsliriegel oder Butterkekse, was Salziges zum Knabbern, manchmal noch Tomaten und Paprika – und wenn Sie jetzt denken, hej, die Kinder vom Zuckergoscherl haben’s gut, kann ich nur sagen: Ich seh das auch so!

Aber die Kinder nicht unbedingt. Die fragen mich ungefähr alle 45 Minuten: „Mama, kann ich was essen?“, dann zähle ich auf, was es alles gibt, sie hören es sich an und sagen: „Was anderes!“ Haha. Als wär ich eine Jausen-Jukebox, in die man einen Wunsch reinschmeißt, und schon kommt das raus, was man essen will. „Was anderes gibt’s nicht.“ „Na guuut, dann einen Apfel.“

Nach und nach essen sie notgedrungen das auf, was ich mithab, und ich frag mich, wann ich sie eigentlich derart verwöhnt hab, dass sie glauben, ich sei ein wandelndes All-you-can-eat-Buffet. Es gab schließlich noch nie was anderes als das, was halt grad im Rucksack war, Herr im Himmel! Sie bewegen sich ununterbrochen, rennen über den Spielplatz, durchs Freibad, mit dem Bob den Hügel rauf, ich versteh schon, dass sie permanent Hunger haben, weil sie mehr Kalorien verbrennen, als überhaupt in meinen Rucksack passen. Für den empfind ich mittlerweile so eine Art Hassliebe.

Er ist grandios, weil viel Platz drin ist, aber manchmal denk ich, meine Kinder werden sich später an mich erinnern als das schnaufende Muttertier, den Packesel mit dem roten Rucksack, aus dem sich Hunderte verschiedener Speisen zaubern ließen. Von denen irgendwie keine jemals die richtige war.

Falls Sie also mal in Salzburg Umgebung zwei mampfende, laufende, springende Kinder sehen und hintendrein eine Schwarzhaarige mit rotem Gesicht und einem ebenso roten Jausentransportgerät auf den Rücken geschnallt, winken Sie mir ruhig.
Mareike Fallwickl  arbeitet als freie Texterin und Lektorin