Obstbäume jetzt richtig schneiden!

Nach innen gehende Äste müssen weg, Werkzeuge messerscharf sein. Das raten die „Erdlinge“ Obstbaumbesitzern.

Man kennt sie von Autofahrten übers Land: Obstbäume, die aussehen wie vergreiste Hexenbesen und höchstens ein paar winzige Äpfel oder Zwetschken tragen. „Die wurden nicht geschnitten“, sagt Michael Limmer, der seit 25 Jahren Bäume schneidet und die „Erdlinge“ in Sachen Baumschnitt schult. Der 60 Mitglieder starke Verein betreibt in und um Salzburg-Stadt eine gemeinschaftliche Landwirtschaft mit Gemüseäckern und Obstbaumwiesen.
Auf einer davon, am Lieferinger See, brachten die Erdlinge vorigen Donnerstag mit Scheren und Sägen ihre 20 Apfel, Zwetschken- und Birnenbäume in Form.

Obstbäume wollen in Form gebracht sein

Eine Stunde nach Sonnenaufgang und inmitten von Vogelgezwitscher verpassten Zweierteams jedem Baum seine ganz individuelle Form. Michael Limmer rät Hobbygartlern, die Obstbäume setzen oder bereits züchten: „Viel schönes Obst gibt ein Baum, wenn er ein klares Gerüst aus einem Mitteltrieb und mehreren Haupttrieben hat. Die müssen länger sein als die Nebentriebe.“ In zwei bis drei Etagen sollen die Äste weggehen, damit alle früchtetragenden Zweige genügend Sonne bekommen. Limmers Kollege Erwin Palnstorfer ergänzt: „Man muss auch darauf achten, dass die Äste genügend Platz bekommen.

Michael Limmer: „Wer schöne Äpfel will, lichtet den Baum aus.“

Ästen Platz geben, Stumperl vermeiden

Nach innen wachsende Äste stören dabei, die müssen weg.“ Ganz wichtig, damit die Säfte im Baum fließen können, sei es, keine „Stumperl“ stehen zu lassen. Unerwünschter Effekt: Dort sprießen gleich mehrere neue Triebe oder das Stumperl verfault, was wiederum dem Baum schadet. Limmert: „Man muss sich eine geeignete Stelle suchen, dass der Baum weiß, wo er weiter wachsen soll. Statt fünf bis zehn Zentimeter von einem abgeschnittenen Zweig stehen zu lassen, schneide man ihn besser ganz knapp am Aststamm ab. Und zwar mit geschliffenem Werkzeug, das präzise saubere Schnitte erlaubt. So heilen die Wunden schneller. Denn der Baum ist ein Ganzes, betonen die Erdlinge.

Gemähtes Gras – Futter für den Obstbaum

Wer weiterdenkt, gibt den Baumwurzeln den Sommer über immer wieder „Futter“. Es geht einfach: Frischen Rasenschnitt und im Herbst Baumblätter in einem Ring, den die Baumkrone oben vorgibt, rund um den Baum liegen lassen. Dort sind die feinsten Wurzelspitzen des Obstbaums. Würmer und Bakterien im Boden verwandeln den Rasenschnitt in wertvolle Nährstoffe. Die holen sich die Wurzelspitzen und versorgen den Baum damit. Auf dass die Früchte sprießen. Noch eine Warnung von Limmer: Wer immer wieder im Jahr Triebe schneidet, schwächt den Baum statt ihn zu fördern.

Im Bild oben: „Erdlinge“ Markus Mair, Antonia Osberger, Erwin Palnstorfer.
www.erdlinge.at

Von Sabine Tschalyj