„Heute ist eine nackte Frau ganz normal“

Starfotograf Manfred Baumann geht bei Hollywood-Größen ein und aus. Die Leica Galerie  zeigt ab 16. März eine Auswahl seiner Werke.

SF: Herr Baumann, wie kommt man als Fotograf nach Hollywood?

Baumann: Es gehört etwas Glück dazu. Roger Moore hat ein Bild von mir in Hamburg gesehen und gekauft. Er war ein großer Fotoliebhaber. Wir waren bis zu seinem Tod befreundet. Er hat mir die Tür nach Hollywood etwas geöffnet.

SF: Worauf kommt es an, um dort Fuß zu fassen?

Die Qualität muss stimmen. Dazu kommt, dass wir diese österreichische Gemütlichkeit am Set haben, meine Frau Nelly und ich, es ist nicht so steif. Und ich bin ein sehr schneller Fotograf, das lieben Leute, die viel arbeiten. Wenn zu Schauspielern, die sechs Tage drehen, am siebten Tag ein Fotograf kommt und acht Stunden fotografieren will, dann sind sie nicht happy. Ich weiß, was ich will, baue zwei, drei unterschiedliche Sets auf. Wir ziehen das relativ rasch durch. Es gab sogar Prominente, die gesagt haben, der mag mich nicht, der Baumann, weil der so schnell fertig ist (lacht). Aber das Ergebnis hat gepasst, das spricht sich herum. So ergibt sich der eine oder andere Job.

Kristanna Loken. Foto: Manfred Baumann

SF: Sind Stars wie Angelina Jolie schwieriger zu fotografieren als Models?

Nein. Es geht dort professioneller zu als das zum Teil in Europa der Fall ist. Amerikanische Schauspieler, Musiker etc. wissen, dass sie eine Marke sind, dass das Foto ein Produkt ist. Sie sind absolut professionell. Komplizierter sind vielleicht die Manager oder Agenten im Vorfeld, die die Aufgabe haben, für das Wohlbefinden des Stars am Set zu sorgen, Gewisses zu filtern. Nelly und ich machen das schon sehr lange, wir haben ein kleines Apartment in L.A. Für uns sind das ganz normale Menschen wie du und ich.

SF: Die #MeToo-Debatte ist in Hollywood groß Thema. Spürt man das in der Branche?

Es ist auf alle Fälle spürbar. Da gibt es vielleicht einige Fotografen der alten Garde, wo man nur fotografiert wird, wenn man dies und jenes tut. Terry Richardson (enfant terrible der Modefotografen, Anm.) war ja auch in der Öffentlichkeit mit der Geschichte. Ich selbst habe dieses Thema am Set nie gespürt. Meine Frau ist immer dabei, wir sind seit über 20 Jahren zusammen. Für mich ging es immer um die Fotografie, nicht darum, mich sexuell irgendwie zu bereichern.

Coxy. Foto: Manfred Baumann

SF: Wird es durch #MeToo schwieriger werden, Frauen zu finden, die sich vor der Kamera ausziehen?

Nein, ich denke nicht. Weil heute eine nackte Frau in Serien, Hollywood-Filmen, ein nackter Busen am Laufsteg, ganz normal ist. Früher zu Marilyn-Monroe-Zeiten waren Aktfotos etwas Besonderes, viel Diskutiertes. Dann kam das Internet. Heute kann man Nacktfotos von jedem Star googeln. Das übersättigt. Deshalb haben Magazine wie der Playboy massive Probleme, sich zu verkaufen, wenn sie nicht auch gute Interviews, Geschichten bieten. Wenn ich nackte Frauen sehen will, muss ich mir keine teuren Magazine mehr kaufen. Das war in den 70ern, 80ern anders, da hab ich geschaut, ob der Papa irgendwo einen Playboy hat (lacht).

SF: Sie fotografierten selbst 20 Jahre für den Playboy …

Jede Länderausgabe hat so ihre eigenen Wünsche, das haben wir auch umgesetzt. Aber im Großen und Ganzen ist es langweilig. Ich finde den versteckten Akt, wo man eine Geschichte erzählt, so wie es auch Helmut Newton gemacht hat, interessanter. So sind auch meine Kalender. Da soll die Erotik spürbar sein, aber nicht so wie beim Playboy, wo man das Model zum Beispiel einfach nackt vor den Bug eines Bootes setzt.

Hollywood-Größen wie John Malkovich lassen sich von Manfred Baumann (links) porträtieren. Foto: Manfred Baumann

SF: Ein Akt lebt vom voyeuristischen Blick, die Frau wird auf ihren Körper reduziert. Wie sehen Sie das?

Es gibt ja auch schöne Männerkalender. Die Frau ist aber meines Erachtens nach das schönere Geschöpf, und sie ist sehr schön zu fotografieren. Weiblichkeit und Sinnlichkeit ist nichts Böses, sondern für mich etwas Normales. In der #metoo-Debatte stimmt vieles, aber momentan wird da auch manches ein bisschen zu breit gesprochen. In diese Richtung hat sich ja auch Nina Proll geäußert, die eine liebe Freundin von mir ist. Aber natürlich gibt es Grenzen und die muss jeder kennen.

SF: Was macht für Sie den perfekten Akt, das perfekte Bild aus?

Wenn es eine Geschichte erzählt, einen Inhalt transportiert, zeitlos ist, etwas spüren lässt, aber nicht alles zeigt. Dass es wie ein Kopfkino ist, wo jeder seine eigene Geschichte daraus ziehen kann.

Aus der Serie: Mustangs. Foto: Manfred Baumann

SF: Sie fotografieren auch Landschaften, machten Serien mit Alten, Todeskandidaten, … Was fasziniert Sie an Pferden, Ihrem jüngsten Projekt?

Als Fotograf hat man auch die Aufgabe, zu zeigen, was andere nicht gesehen haben. Mustangs bekommt nicht jeder zu Gesicht. Es ist etwas ganz Beeindruckendes, vor einer Herde dieser Tiere zu stehen. Das sind Lebewesen, die noch wild und frei leben können, die bedroht sind. Ich will auch hier Geschichten erzählen. Und ich habe mittlerweile eine große Fangemeinde, die ich darauf aufmerksam machen kann.

SF: Wie wichtig ist es, sich weiterzuentwickeln?

Sehr. Es ist wichtig, dass man andere Geschichten erzählen kann, die Bildsprache anders wird, man künstlerischer, zeitloser wird. Ich habe seit fünf Jahren die Kooperation mit Leica. Das ist eine sehr geschichtliche Firma, die viel mit Fotografie zu tun hat, die der Erfinder der Kleinbildkamera ist, die die besten Fotografen der Welt in den unterschiedlichsten Galerien der Welt zeigt. Da lernt man immer mehr dazu.

Manfred Baumann ist bei der Eröffnung, 15. März, 18.30 Uhr, in der Leica Galerie Salzburg anwesend.

Von Petra Suchanek