Gegen vieles ist ein Kraut gewachsen

Die „Kräuterschnecken“ vermitteln altes Wissen über die Natur und ihre Heilkräfte. Das kommt an.

Schön aufgereiht stehen die Gläser im Regal: Salz-Mischungen mit Goldmelissenblüten, Kapuzinerkresse und Bärlauch, verschiedene Pestos, Essige, Öle, Liköre, Chutneys. Was Erika Moser in ihrer Naturthek in Bad Vigaun anbietet, hat es im wahrsten Sinne des Wortes in sich. Denn Moser ist Kräuterpädagogin, sie weiß, welches Kraut wie wirkt – und verarbeitet ihr Wissen kulinarisch.

2010 hat sie mit drei weiteren Frauen die „Kräuterschnecken“ gegründet, einen Verein für Kräuter- und Waldpädagogen sowie TEH-Praktikern. Über 60 Mitglieder sind es bereits. „Wir wollen den Menschen altes Naturwissen weitergeben“, sagt Isabell Resch, TEH-„Kräuterschnecke“ aus St. Koloman. Es gehe auch um Selbstbestimmtheit, wenn man Heilmittel selbst herstellen könne. Die heutige Medizin sei ja aus dem Wissen über die Pflanzen entstanden.

Alle Vereinsmitglieder haben eine Ausbildung in Naturvermittlung, viele geben ihr Wissen in Kräuterwanderungen und -Workshops weiter. Sie zeigen, wie man aus Kräutern Naturkosmetik, Salben, Seifen, Stempel und Pflanzenauszüge macht, mit Kräutern räuchert und was in eine Natur-Apotheke gehört. Allein in Bergheim organisieren sie rund zwanzig Veranstaltungen pro Jahr.

Wildkräuter gegen Frühjahrsmüdigkeit

Was können denn unsere Kräuter? Alle, die jetzt im Frühling rauskommen, wirken gegen Frühjahrsmüdigkeit, sagt Moser, sie seien voller Spurenelemente und Vitamine. Einfach als Salat essen oder in einen Aufstrich mischen, so ihr Tipp.

Dazu kommt manch heilende Wirkung: Kapuzinerkresse, deren Blätter und Blüten man roh essen kann, wirkt antiseptisch, sie ist gut gegen Blasenentzündung und ein natürliches Antibiotikum. Ein Tee aus Mädesüß und Weiden hilft gegen Kopfschmerz, Mutterkraut reduziert Migräneattacken, weiß Isabell Resch aus eigener Erfahrung.

Gänseblümchen und Löwenzahn seien echte Könner und total unterschätzt, so Obfrau Sandra Jessner aus Eugendorf. Ersteres ist fiebersenkend (Tee) und wirkt in Salben gut gegen Prellungen. Und Löwenzahn stärkt durch seine Bitterstoffe. Diese „wurden aus den Pflanzen rausgezüchtet, weil sie nicht gut schmecken, unser Organismus braucht sie aber zum Starten der Verdauung.“ Man kann die Blätter und Wurzeln essen oder aus Blüten Honigersatz herstellen.

Apropos Küche: Manch heimisches Kraut ist mediterran angehaucht. Quendel schmeckt nach Thymian, Dost nach Majoran und Oregano.

Das Interesse am alten Wissen steige, so die Kräuterschnecken. „Die Jungen kochen wieder mehr selbst.“ Am besten lernt man in der Praxis – durchs Machen, Angreifen, Riechen. Man sollte schon wissen, was man pflückt. „Dieses Wissen ist ein unendliches Feld.“ Man kann ja klein anfangen. Mit Löwenzahn zum Beispiel.

Tipp: Kräutersymposium am 16. und 17. März im Hubertushof, Anif. Termine und Kontakt: www.kräuterschnecken.at

Von Petra Suchanek