Automarkt: Der Diesel wird Ladenhüter

Der Diesel, einst der Stern am Autohimmel, stürzt unaufhaltsam ab. Gebraucht gibt es ihn bereits um 399 Euro. In Salzburg werden erstmals mehr Benziner gekauft.

Reihenweise Diesel um 70 Euro, 100 Euro zum Ausschlachten. „Suchen Sie  sich die Teile aus.“ Ein fahrbereites Modell mit Pickerl bis März, Ford Focus, 289.600 Kilometer, wird in Zell am See um 399 Euro angeboten.
Ein Blick auf Österreichs größte Gebrauchtwagen-Plattform sagt alles: 68.000 Dieselfahrzeuge und 38.000 Benziner warten auf Käufer. Der einstige Stern am Autohimmel scheint langsam aber unaufhaltsam ein Ladenhüter zu werden. Selbst bei Neuwagen hat sich der Preisunterschied  inzwischen  umgekehrt: Waren Diesel früher stets um 2000 Euro teurer – man argumentierte mit dem aufwändigeren Motor –, sind heute Benzin-Autos teurer.

Benzin-Elektro: Platz 3

Denn die Masse der Käufer  reagiert  viel sensibler als so mancher Autohersteller wahrhaben will. Erstmals wurden heuer in Salzburg mehr Benzinautos neu angemeldet: Konkret waren es im Jänner und Februar 2131 Benziner gegenüber 2076 Dieselfahrzeugen (der Rest nach Treibstoff: 123 Benzin-Elektro, 78 E-Autos, 11 Benzin-Erdgas, 4 Erdgas, 2 Diesel-Elektro). Doris Hebenstreit, Sprecherin des  Salzburger Fahrzeughandels: „Wir hatten früher immer mehr Diesel. 2016 waren es 62 Prozent im Gesamtjahr. Das dreht sich jetzt.“

Wasserstoffauto

Alexander Spindler, Verkaufsleiter bei Toyota Frey in Salzburg, beobachtet das hautnah. Eben erst hat der japanische Autohersteller den Ausstieg aus dem Dieselgeschäft verkündet. „Am nächsten Tag habe ich schon Anrufe von Firmenkunden gehabt, ob sie nächstes Jahr noch einen Diesel bei uns kaufen können? 90 Prozent unserer Kunden erkundigen sich nach alternativen Antriebssystemen, vor allem Benzin-Elektromotoren.“ Toyota habe mittlerweile ein Wasserstoffauto mit E-Motor entwickelt. „Da kommt ein bisschen Wasserdampf hinten heraus.“ Auch auf den internationalen Automessen würden keine neuen Dieselmotoren mehr vorgestellt. „Dieser Motor ist entwicklungstechnisch on top. Den kann man vielleicht noch leichter machen. Aber man bringt die Stickoxid-Problematik  nicht weg, weil durch die höhere Arbeitstemperatur des Diesels die Stickoxide entstehen“, so Spindler. Die Lager vieler europäischer Dieselhersteller seien voll. Das sei teuer, deshalb  gebe es Dieselfahrzeuge im Angebot.

Eine Frage des Geldes

Im Büro von Umweltreferentin Astrid Rössler sagt man, Tempo 80/100 auf der Autobahn sei eine Reaktion auf die Stickoxid-Überschreitungen (NOx) durch Diesel, da die EU auch gegenüber Österreich seit langem mit Vertragsverletzungsverfahren droht. „Das mit Abstand effektivste Mittel wäre, wenn die Autobauer die Werte einhalten, die sie versprechen. Das tun sie aber nicht“, sagt Rösslers Sprecher. Grundsätzlich wären auch Fahrverbote für Diesel wie in Deutschland denkbar.
Viele Gebrauchtwagenhändler spüren indes noch keine Diesel-Müdigkeit. Was an der Kundschaft liege, meint ein Händler aus Salzburg-Sam zum SF. Bei ihm kauften viele Migranten. „Die fahren im Urlaub nicht nach München, sondern auf den Balkan und in die Türkei. Dort drohen noch keine Fahrverbote.“

Sonja Wenger