Ein Könner kocht jetzt italienisch

Ortswechsel: Fabio Winkelhofer hat die Panzerhalle in der Stadt Salzburg verlassen und ist nach Seekirchen gezogen.

Für Feinspitze eine Nachricht: Der Mann hat’s drauf, war einst Souschef im Drei-Hauben-Tempel Pfefferschiff. Am neuen Standort folgte die Verwandlung. Er fertigt nicht mehr vegane-vegetarische Speisen mit asiatischem Einschlag, jetzt wird italienisch gekocht. NOI heißt das Lokal, die Abkürzung von Nostra Osteria Italiana.
Nun lässt der Vorkoster selbst Könnern wie Winkelhofer Zeit, sich einzufinden, ehe er testend vorbeikommt. Bis dahin betrachtete er die Homepage auf Facebook mit der steigenden Zahl begeisterter Posts – und Essensfotos von beachtlicher Attraktivität. Der Koch unterrichtete das schicke Anrichten von Gerichten für Werbefotos. Dafür hat er keine Zeit mehr. Es erfüllt sich der Traum vom eigenen Restaurant.

Fabio Winkelhofer

Das NOI ist ein eingeführter Standort für Italo-Fans, bisher genutzt von der Pizzeria Pontemulino. Vor dem Haus dreht sich ein Mühlrad. Innen erweist es sich als Produkt der Siebziger-Jahre mit Fliesenboden und dicken Balken an Wänden und Decke. Wobei die Farben freundlich hell sind und die Möbel bequem. Gespannt darf man auf den Sommer sein: Der Gastgarten samt Salettl schaut sehr hübsch aus.

Gut, dass der Vorkoster gewartet hat. Zur Eröffnung hatte Winkelhofer nur eine Pizza auf der Karte. Bis zu unserem Besuch erweiterte sich das Angebot auf 20 verschiedene. Da haben sich die Gäste durchgesetzt. In der Küche steht ein elektrischer Pizzaofen, wird er eingeschaltet, merkt man es an den Helligkeits-Schwankungen der Lampen. Die Vorkosterin hatte Lust auf eine „Nduja Picante“ mit scharfer kalabrischer Rohwurst zu Tomaten und Mozzarella (€ 9,50): ein artgerecht dünner Teig, fest aber nicht trocken, mit endlich mal gut reifen Tomaten und einer Wurst, die fruchtig schmeckte bei höllischer Schärfe. Außerhalb Süditaliens aß der Vorkoster noch nie ein so gutes Stück.

Neugierig war er auf die übrige Karte. Es gab lauwarmen Salat vom Oktopus (€ 14), geschmeidig weich das Tierchen, eingebettet in ein würziges Gröstl samt großen Stücken einer Artischocke von erster Qualität. Dann Ziegenkäse (€ 11), gebraten und mit Hönig gesüßt samt reifen Birnen, begleitet von genial marinierten Linsen. Wieso nicht mal einen Schweinsbraten probieren beim Italiener? Die Porchetta (€ 18), erstklassiges Fleisch, kam in einem sanften Sellerie-Püree samt süß-bitteren Rotwein-Zwiebeln und bissfestem Gemüse.

Das knusprige Filet vom Wolfsbarsch (€ 21) hatte genau die richtige Pfannenzeit erlebt und lag auf einem saftigen Risotto mit Fenchel und Spinat, kontrastiert von Grapefruit-Stücken. Und zum Dessert kann man sich eine Italien-Rundreise bestellen. Der Giro d’Italia (€ 13) begann mit einem Sorbet von Tonca-Bohnen, führte über ein Panna Cotta zum Schokokuchen neben Passionsfrucht-Eis. Die Damen genossen und seufzten.
Die attraktive Auswahl italienischer Weine runden den Eindruck ab: das NOI verdient die Haube.

PS: In der Panzerhalle läuft das Mini-Lokal mit asiatisch inspirierten Mittagsgerichten weiter, mit anderem Pächter und Koch.

Adresse: NOI, Mühlbachstraße 21, 5201 Seekirchen, Tel. 06212/2263, Sonntag und Montag Ruhetag, www.osteria-noi.at