Aufgegeben wird nur ein Brief

Wenn Sie das hier lesen, ist mein Buch gerade erschienen.

Und falls Sie jetzt denken, ich wolle Werbung dafür machen, haben Sie natürlich Recht (es heißt „Dunkelgrün fast schwarz“, kaufen Sie es im lokalen Buchhandel!), aber eigentlich geht es mir um was anderes: Kennen Sie diese Artikel darüber, dass Sie Ihre Träume verwirklichen sollen, und finden Sie die auch so nervig? Sehr gut.

Das ist nämlich so einer. Denn mit dem Roman erfüllt sich DER Traum meines Lebens. Seit ich mit acht Jahren Michael Endes „Unendliche Geschichte“ gelesen habe, staune ich über die Welt der Fantasie, über Literatur. DAS kann man mit Wörtern machen, sich ausdenken, erfinden? Ich wollte das auch, unbedingt. Und schrieb mit 13 mein erstes Buch auf der Schreibmaschine. Es hieß „Lena Katzenauge“, ich war jung und optimistisch und naiv.

Karikatur: Thomas Selinger Bild: www.seli.at

Ich wusste noch nicht, dass 20 Jahre harter Arbeit vor mir lagen. Niemand kann die Stunden zählen, in denen ich um Worte gerungen habe. Die Romananfänge, die in Schubladen verschwunden sind. Und die schiere Menge der Zweifeln, die später kam, als ich nicht mehr jung und naiv war.

Wie schärft man den eigenen Stil? Wie bringt man etwas auf den Punkt, wie hört man auf zu schwafeln? Wie transportiert man Trauer, Angst, Liebe?10.000 Stunden, heißt es in diesen elendigen Selbstmotivationsbüchern, müsse man etwas machen, um es zu beherrschen. Es ist mühsam, besser zu werden. Ich bin gescheitert, wieder und wieder.

Aber im Herbst 2015 habe ich eine Szene beobachtet, die alles veränderte, mit einem sogenannten Arschlochkind. Warum sind manche Kinder so, hab ich mich gefragt, liegt das an den Eltern oder ist es angeboren? Und was wird aus ihnen, wenn sie erwachsen sind? Plötzlich formulierte sich eine fiktive Antwort auf diese Frage. Figuren tauchten in meiner Vorstellung auf, es entstand eine Geschichte. Und da wusste ich: Mareike, jetzt oder nie.

Was hab ich geschuftet für dieses Buch. Neben den tausend Dingen, die ich als berufstätige Mama jeden Tag tun muss, hab ich es geschrieben. Eine Agentin überzeugt. Einen Verlag gefunden. Alle Hürden überwunden. Und als ich dann das erste gedruckte Exemplar in der Hand hielt, hatte ich Gänsehaut.

„Hej du“, hab ich mir gedacht, „ich hab mein ganzes Leben auf dich gewartet.“ Und das war nicht einmal übertrieben. Warum ich Ihnen das erzählt habe? Weil ich mir wünsche, dass Sie an sich glauben. An Ihr besonderes Talent, Ihren Traum. Weil es niemanden gibt, der Sie daran hindern kann, etwas zu erreichen, außer Sie selbst.

Mareike Fallwickl  arbeitet als freie Texterin und Lektorin