Weniger Kunstschnee, mehr Gewinn

Skiliftbetriebe steuern auf 300 Mill. Euro Umsatz zu. Das ist neuer Allzeit-Rekord.

Wenn Ferdinand Eder, Sprecher der Salzburger Seilbahnwirtschaft,  aus seinem Bürofenster  in Zell am See blickt, sieht er „immer noch 40 Zentimeter Schnee auf den Dächern – es ist ein guter Winter“, meint Eder zufrieden. Die Branche erlebt nach zwei schwierigen, schneearmen Wintern heuer eine fast schon kitschige Märchensaison. Die alpinen Landesteile sind seit Wochen mit dicken Schneepolstern bedeckt, auf den Skipisten liegt fester, bis zu zwei Meter hoher Naturschnee. Doch Frau Holle ist längst nicht mehr die Mutter der Saison – ohne die Armada an Schneekanonen, mit der die Skiliftindustrie dem Klimawandel trotzt, geht gar nichts mehr.

Kunstschnee statt Frau Holle

Gleich mit dem ersten Kälteeinbruch Ende November, Anfang Dezember erfolgt die große Grundbeschneiung. Dann werden 85 Prozent der  4700 Hektar Skiabfahrten im Land technisch beschneit, was das Skivergnügen in der Regel bis Ostern garantiert.
Die Erzeugung von Kunstschnee ist die elementare Basis der Branche geworden. 350 Mill. Euro, ein Drittel der Gesamtinvestitionen von über 1 Mrd. Euro, flossen in zehn Jahren in die technische Beschneiung. Der Aufwand ist enorm: Wasser muss ständig in Speicherteichen vorgehalten werden und über eine unterirdische Verrohrung hin zu den Schneekanonen gelangen. Der massive, äußerlich jedoch kaum sichtbare Eingriff in die Natur wird  marketingtechnisch deshalb auch mit dem Begriff des „Reinheitsgebots“ verschönert – wonach die Schneekanonen nur Wasser und Luft verarbeiteten.

Weniger „Nachischneibn“

Heuer spielte der perfekte Winter jedoch zehn Prozent Kostenersparnis bei der Beschneiung  herein, weiß  Fachgruppenobmann Eder. Das so genannte „Nachischneibn“ im Jänner, Februar  ist  nur mehr punktuell an exponierten Stellen, Kanten und Kuppen notwendig. „Wir sind sehr zuversichtlich, das ohnehin gute Vorjahresergebnis noch zu übertreffen. Selbst niedrig gelegene Skigebiete haben heuer durchaus gute Zahlen“, so Eder. Salzburgs 52 Skigebiete steuern demnach auf 300 Mill. Euro Kassenumsatz brutto zu – netto, ohne Umsatzsteuer, werden es  270 Mill. Euro (nach 250 Mill. Euro im Vorjahr) sein. Mehr war nie.

Ski Amadè macht den halben Umsatz im Land

Über Gewinne redet die lokal verankerte Branche indes nur ungern. „Wir nennen das nicht, weil sonst ein falsches Bild in der Öffentlichkeit entstehen könnte“, deutet  Skiwelt Amadé-Sprecher  Christoph Eisinger die hochprofitable Ertragslage der großen Player an. Dazu gehört auch der Skiverbund Amadé mit seinen  20 Liftgesellschaften in Salzburg und der  angrenzenden Steiermark.   2017 erwirtschaftete man 233 Mill. Euro Bruttoumsatz; der für  Salzburg herausgerechnete Anteil von rund 155 Mill. Euro mache gut die Hälfte des Gesamtumsatzes in Salzburg aus, erläutert Eisinger. Die  Platzhirschen im Pinzgau, bereiten ihren Eigentümern ebenfalls viel Freude.

Bilanzgewinne in Saalbach, Dividenden in Zell am See

Die Dachgesellschaft des Saalbacher Skizirkus  (BBSH) schloss 2016 mit 706.885 Euro Jahresüberschuss ab und schrieb  einen kumulierten Bilanzgewinn von  16,8 Mill. Euro fort.
In der Schmittenhöhebahn AG (27 Lifte) in Zell am See gibt die  Familie Porsche (57,9 Prozent) den Ton an, gefolgt von der Spänglerbank (20,8 Prozent der Aktien), regionalem Streubesitz (13,8 Prozent)  und der  Landeshypothekenbank (7,5 Prozent). An sie zahlt das Unternehmen regelmäßig Dividenden aus: 2016 waren es 1,90 Euro (nach 1,80 Euro in 2015), einem Rekordjahr mit mehr als einer Million Gästen und 34 Mill. Euro Umsatz.  Jahresgewinn: 958.000 Euro (nach 909.000 Euro 2015).

Man sorgt sich wegen der Erwärmung

Das Sorgenkind der Branche sei die globale Erwärmung, sagt Seilbahnen-Sprecher und Schmittenhöhe-Prokurist Ferdinand Eder. „Wir wissen nicht, was in 20 Jahren sein wird. Unsere grundsätzliche Überlegung ist, konsequent  in die technische Beschneiung zu investieren und den Wintertourismus so abzusichern. Das ist bisher zum Glück voll aufgegangen.“

Sonja Wenger