Weniger ist mehr. Fasten tut gut.

Was Jazz-Größe Sabina Hank vorlebt und vorführt, zieht derzeit viele Menschen an: Sie verzichten auf Fleisch und Alkohol.  Wollen Körper und Seele reinigen – am liebsten kurz und „light“, schon das bringt neue Lebensfreude.

Aschermittwoch – Beginn von 40 Tagen purer Entsagung wie damals bei Jesus in der Wüste? Das muss nicht sein, sagen sich laufend mehr Salzburgerinnen und Salzburger. Sie holen sich in Vorträgen Fasten-Tipps oder ziehen sich zu einwöchigen Fastenkuren in spezielle Hotels und Klöster zurück. Was dabei auffällt: Das Publikum wird jünger und männlicher. Was macht so vielen Leuten Lust aufs Fasten? Eine Salzburgerin, die  dauerhaft auf Fleisch und Genussmittel verzichtet (auf Kaffee komplett, auf Alkohol „phasenweise“), ist Sabina Hank. Die vielfach ausgezeichnete Salzburger Jazzmusikerin und leidenschaftliche Köchin versteht, warum Fasten so „in“ ist:  „Weil man so viel Energie bekommt, wenn man auf bestimmte Lebensmittel verzichtet“, schwärmt die alleinerziehende Mutter von Jara (5).

Weglassen entlastet den Körper

Ihre Schlüsselmomente in punkto Ernährung erlebte Hank, als sie vor vier Jahren schwer krank wurde. „Da habe ich gemerkt, wie der Körper auf  Lebensmittel reagiert, die ihm nicht guttun. Seit ich die weglasse, geht es mir blendend. Ich hatte gerade meine erste Erkältung seit zwei Jahren“, schildert Sabina Hank. Sie sei schon speziell, räumt die Veganerin ein. Aus dem Familienspeiseplan hat sie auch Industrieweizen („der wächst zu schnell“) geräumt. Stattdessen kocht die selbstständige Musikerin zwischen ihren Auftritten jeden Tag frische Gemüsegerichte. Ihr Tipp: Ein wahres „Zaubergemüse“ sei Brokkoli,  gefolgt von roten Rüben.
Der Verzicht auf Fleisch und Genussmittel lohne sich jeden Tag, schwärmt die quirlige Musikerin. Hank: „Ich kenne kein Völlegefühl mehr und habe um 200 Prozent mehr Energie als früher.“ Schon beim Aufwachen könne sie „die Welt umarmen“.

Mit kleinem Hunger ins Bett

Weil Hank den „Weniger ist mehr“-Lebensstil auch den Salzburgern näherbringen will, hat sie das Projekt „Sound of Cooking“ gestartet. An den Abenden im Mielecenter in Wals wird  mit Humor samt Live-Gesangseinlagen von Sabina Hank gekocht, natürlich  pflanzlich und vollwertig. Das Konzept „Weniger ist mehr“ zieht offenbar. Der erste Abend (nächster am 28. Februar) war sofort ausgebucht. Hanks Tipp für Fasten-Anfänger: Abends öfter einmal mit „einem kleinen Gefühl des Hungers“ ins Bett gehen. So komme der Körper zur Ruhe und entgifte sich ein Stück weit selbst.

Fasten bringt Energie

Dem Körper diese  Ruhe vor zu viel und  schwer verdaulichem Essen zu schenken, bringe ihn wieder in Schwung, bestätigt Ernährungswissenschafterin Karin Buchart, die Leiterin  der TEH-Akademie in Unken. Jetzt in der ruhigen Winterzeit sei der ideale Zeitpunkt dafür, mit Fasten neue Energie für das Frühjahr zu tanken. „In Österreich essen wir hauptsächlich Fleisch, Milchprodukte und Getreide. Im Stoffwechsel entsteht dabei viel Säure. Die führt zu träger Verdauung und hohem Blutdruck“, erklärt die TEH-Praktikerin.

Heißhunger verschwindet

Wer zwei, drei Wochen basenhaltig esse (Gemüsetee, -suppe und -gerichte, wenig Salz, keine Fleisch- und Milchprodukte), merke verblüffend schnell, was in seinem Körper geschehe. Buchart: „Man fühlt sich aktiver, wird beweglicher und mögliche Steifigkeiten gehen weg. Hilfreich sind beim Fasten Zwiebeln, Kresse und nicht-pasteurisierter Apfelessig (schrubben und stärken den Darm). Bittere Kräuter –Ysop, Beifuß – aktivieren den Stoffwechsel. Da verschwindet Heißhunger auf Süßes, purzeln Kilos und hebt sich die Laune. Schon früher hätten Bauern bei  „Tiefs“ bittere Wurzeln gekaut.

Ein Auge zudrücken

Fasten ist aber nicht einfach, viele geben auf. Karin Buchart rät: Mindestens zehn Tage durchhalten – Besser Fasten mit Kaffee als gar nicht – Ab und zu ein Jogurt ist okay – Ingwertee mit Honig stärkt.
Nach dem Fasten „weiterhin beim Essen reduzieren“, das rät Theresia Neureiter vom Biohotel Sommerau in St. Koloman. Ihre Gäste zehrten von einer Fastenwoche bis zu neun Monate. Über das Basenfasten trauten sich laut Neureiter immer mehr Leute drüber, weil man da „ein bissl was zum Essen kriegt.“

Sabine Tschalyj

Mail: sabine.tschalyj@svh.at