Die schwarze Knolle, die so fantastisch wirkt

Die neue Fenster-Kolumne „Vergessene Hausmittel“ von Ernährungswissenschafterin Karin Buchart startet mit dem schwarzen Rettich.

Fast hätte ich die Knollen wieder übersehen im Gemüseregal. Er drängt sich nicht auf, er liegt ganz unscheinbar neben dem tiefgrünen Brokkoli und den leuchtenden Karotten. Seine schwarze Schale lädt mich nicht zum Anfassen ein.

Wenn ich den schwarzen Rettich dann zu Hause auseinander schneide, bin ich jedesmal wieder überrascht, wie strahlend weiß mir das Fruchtfleisch entgegen leuchtet. Und kaum einen Augenblick später kaue ich darauf herum und stelle fest: Ich mag ihn. Er hat Schärfe und Süße gleichzeitig!

Dabei ist die Schärfe der Senföle gut in den Zellen verpackt, erst das Messer befreit sie und dann randalieren sie schon auf der Zunge. Der Schnitt des Messers setzt das Enzym mit dem komplizierten Namen Myrosinase frei. Ich merke das an der angenehmen Wärme, die sich im Mund verbreitet. Angeblich rütteln die entstehenden Senföle an den Thermorezeptoren und heizen mir ein. Doch eine richtige Temperaturerhöhung ist das nicht, eigentlich ist alles nur Täuschung. Denn wenn ich mit einem Thermometer nachmesse, tut sich nichts. Und sie rütteln auch noch an den Schmerzrezeptoren. Weil das ist ganz interessant: Die Wahrnehmung scharf ist keine Geschmacks-, sondern eine Schmerzempfindung. Dieses scharfe Signal trifft unverhofft auch auf meine Blutgefäße, die sofort in Alarmbereitschaft gehen und sich weiten. Die Galle meint jetzt, sie müsse auch was tun, und schüttet eine große Ladung Gallensaft aus. Was dafür sorgt, dass sich die Fette gut aufspalten.
Alle diese Wirkungen bringen Ernährungswissenschafter richtig zum Schwärmen! Die Rezeptur ist einfach: Zwei- bis dreimal am Tag einen Teelöffel frisch geraspelten schwarzen Rettich essen. So entfaltet die unscheinbare, schmutzige Knolle eine fantastische Wirkung auf die Verdauung: Sie verscheucht ungünstige Mikroorganismen von den Schleimhäuten und beflügelt den Stoffwechsel, vor allem die Fettverdauung!

Ernährungswissenschafterin Karin Buchart gründete die Traditionelle Europäische Heilkunde, TEH, in Unken und ist Lehrbeauftragte am Zentrum für Gastrosophie der Uni Salzburg. Mail: salbei@teh.at