Zwischen Porno und Zweifel: So liebt Salzburgs Jugend

Sie sehnen sich nach romantischen Beziehungen, meinen aber dafür aussehen zu müssen wie Models, Fußballgötter oder  Pornodarsteller. Wie Jugendliche lieben.

Mit dem ersten Sex warten Salzburger Jugendliche wieder bis 16, 17.  Ausreißer sind  zwölfjährige (!) Mädchen, aber auch junge Frauen, die  bis Ende 20 auf „Mr. Right“ warten. Das berichten die Organisatoren der „Gesund zurück in die Zukunft“-Workshops  aus den Gesprächen mit Mädchen und Burschen. Die für Schulen kostenlosen Workshops werden von Frauengesundheitszentrum (FGZ) Salzburg und  Männerbüro Salzburg gemeinsam organisiert. In  Polys, Berufsschulen, NMS und Gymnasien haben dabei seit 2016 schon rund 1000 Jugendliche offen über ihre Sexualität, Körperwahrnehmung und  Bedürfnisse geredet – die Mädchen  mit einer Frau, die Burschen mit einem Mann.

Romantische Gefühle werden angestrebt

Dabei zeigt sich, Romantik boomt, aber es gibt Hoppalas. Aline Halhuber (FGZ): „Mädchen und Burschen streben zwar grundsätzlich romantische Gefühle und Liebe an.“ Viele wollen fix mit jemandem zusammen sein. Doch oft kommen Leidenschaft, Gelegenheit oder Alkohol dazwischen. Wird auf das Verhüten vergessen, gibt es ein böses Erwachen. Bedenklich: Immer mehr Burschen ziehen es laut Halhuber überhaupt vor, lieber „aufzupassen“ statt ein Kondom überzustreifen. Seit Aids an Schrecken verloren habe, steige die Zahl der Kondommuffel – und nähmen Geschlechtskrankheiten  zu.

Ungewollt schwanger, weil Kondom zu groß war

Erstaunlich: Noch immer werden  Mädchen schwanger, weil Burschen zu große Kondome verwenden – die  beim Geschlechtsverkehr nicht halten. „Kleine Kondome kaufen gilt schnell als peinlich“, sagt Halhuber über dieses Tabuthema. Gleichermaßen gefährlich und unterschätzt ist Kuscheln nach dem Sex: Wenn der Bursche seinen Penis  nicht gleich aus der Scheide des Mädchens zieht und  das Kondom dabei gut festhält.  Sehr gefragt ist nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr die rezeptfreie „Pille danach“.  Sie verhindert, dass das Ei  reif wird –  muss daher unbedingt vor dem Eisprung eingenommen werden. Würde es helfen, wenn Beratungsstellen Verhütungsmittel gratis ausgeben würden, wie das geplante Frauenvolksbegehren fordert? Halhuber:  „Was Jugendliche angeht, sicher.“

„Geschönte“ Körperteile in Pornos

Noch viel mehr Wirkung als Gratiskondome scheint das Reden über Sex zu haben. Wenn Burschen von einem Mann hören, dass der Penis in der Jugend kleiner, im Erwachsenenalter größer und im Alter wieder kleiner ist, leuchtet ihnen ein, dass sie mit kleinen Kondomen anfangen sollen“, so Halhuber. Auch der leichte Zugang zu harter Pornografie sei „echt ein Thema für die Kids“, schildert Eberhard Siegl, Geschäftsführer des Männerbüro Salzburg. Jugendliche müssten einmal hören, dass Pornofilme im Grunde Science-Fiction-Filme zur Bedürfnisbefriedigung sind, ergänzt Aline Halhuber. Doch viele Jugendliche würden Pornos als Aufklärung nutzen und glauben, sie müssten auch aussehen wie die Darstellerinnen und Darsteller. Dabei seien deren Geschlechtsteile sehr oft  „schönheitsbehandelt“,  Bilder daher völlig  unrealistisch.

Burschen mögen Kurven, Mädchen gute Umgangsformen

Druck erzeugen auch Körperkult-Fanatiker wie Fußballgott Cristiano Ronaldo und  „Next Top Models“, denen die Teenies gleichschauen wollen. In den Workshops gelingt es, den Jugendlichen Druck zu nehmen und neben Wissen zugleich auch Freude am eigenen Körper zu geben. Ein Beispiel: Die Teilnehmer notieren auf Kärtchen, was ihnen am anderen Geschlecht gefällt. Regelmäßig gebe es Aha-Erlebnisse, berichtet Eberhard Siegl: „Die Mädchen glauben, sie müssten dünn und fit sein, um den Burschen zu gefallen. Aber die Burschen mögen  gerade das Kurvige.“ Oder, dass Mädchen einmal zum Kicken mitkommen. Umgekehrt meinen viele Burschen,  superathletisch aussehen zu müssen. Dabei lieben Mädchen   anderes: Gute Umgangsformen, „dass er auf Hygiene achtet“ und „dass er mir zuhört“.

Info: Kontakt für Schulen: www.frauengesundheitszentrum-salzburg.at

Von Sabine Tschalyj