Viele Lehrlinge machen Auslandspraktikum

Florian Windhagauer, 20, möchte diese Erfahrung nicht missen. Fünf Wochen hat er im vergangenen Herbst sozusagen als „Austauschlehrling“ bei einem Unternehmen in Norwegen zugebracht.

Zusammen mit drei weiblichen Auszubildenden und einem erfahrenen Begleiter ging es im September mit dem Flugzeug von Wien nach Oslo, wo die Lehrlingstruppe aus Österreich ein „geräumiges und zentral gelegenes“ Appartement in der Stadt bezog. Eine Woche lang war der Begleiter noch behilflich, danach waren die vier auf sich allein gestellt.

Crashkurs in Englisch

Florian, der das dritte Lehrjahr als Informatiker und Programmierer bei Elektrofunk Kappacher in St. Johann absolviert, fand sich im Team seiner norwegischen Kollegen schnell ein und hatte auch mit der Verständigung keine Probleme: „Mit Englisch kommt man überall durch“, erzählt der Pongauer, „ich habe dann auch gesehen warum – englischsprachige Filme werden gar nicht erst auf Norwegisch übersetzt, sondern laufen im Fernsehen in der Originalversion.“ Trotzdem gab es für die Teilnehmer des Austauschprogramms gleich zu Beginn einen Crashkurs in Business-Englisch, um den Wortschatz zu verbessern.

Die Norweger sind „easy“Als wichtigste Erfahrung aus der Zeit in Norwegen nennt der angehende EDV-Experte den Umstand, „das erste Mal mehr oder weniger auf sich allein gestellt zu sein“. Obwohl die Einrichtung IFA (Internationaler Fachkräfteaustausch) bei der Organisation und Abwicklung des Auslandspraktikums eine „wirklich tolle Unterstützung“ war, musste sich der junge Mann trotzdem um seine Wäsche, den Einkauf etc. kümmern.

In der Freizeit stand meist die Erkundung von Land und Leuten auf dem Programm. „Ich hätte auch Angebote für Spanien, Irland oder Deutschland gehabt, habe mich aber bewusst für Norwegen entschieden, weil ich dort wahrscheinlich sonst nie hingekommen wäre.“ Und anders als in einem Urlaub bekomme man bei einem Arbeitsaufenthalt einen besonderen und umfangreichen Einblick in den Alltag einer Nation und ihrer Bürger.

Während bei uns der Aufruf zum „Chillen“ derzeit in aller Munde und vor allem bei jungen Menschen sehr beliebt ist, bedarf es dazu in dem nördlichen Land wohl keiner Aufforderung: „Die Arbeitsgeschwindigkeit ist dort deutlich langsamer als bei uns“, erzählt Florian, „die nehmen dort alles sehr easy. Aus einer schnellen Mitnehmpizza wird dann schon mal leicht eine Geduldsprobe von einer halben Stunde.“

Empfehlen würde er ein solches Praktikum jederzeit auch anderen Jugendlichen. „Es ist eine tolle Möglichkeit, ein anderes Land und dessen Leute praktisch kostenlos kennenzulernen. Und es erweitert den eigenen Horizont ungemein.“ Denn neben dem Job bleibt abends und an den Wochenenden genügend Zeit, das Land auf eigene Faust zu erforschen und unvergessliche Erinnerungen zu sammeln.

Wissenswertes über das Auslandspraktikum

Ein Auslandspraktikum zählt zur Ausbildung. Lehrlinge erhalten in dieser Zeit ihre Lehrlingsentschädigung weiter sowie 15 Euro für jeden Tag eines Praktikums oder Sprachkurses im Ausland.
400 Lehrlinge in Österreich haben 2017 ein Auslandspraktikum gemacht. Finanzielle Förderungen gibt es über Erasmus+, Wissenschaftsministerium oder aus der Begabtenförderung der Wirtschaftskammer. Bei Fragen und Organisation hilft der IFA – Internationaler Fachkräfteaustausch: www.ifa.or.at oder Tel. 01-36655440

Von Michaela Pircher

Zum Foto: Florian Windhagauer aus Altenmarkt im Pongau war von der Schönheit Norwegens angetan: Vor allem die Fjorde beeindruckten ihn. Bild: privat