Keine Bewegung!

Ich wette, ich weiß, was auf Ihrer Liste mit den Neujahrsvorsätzen steht: Sport! Mehr Bewegung. Joggen, Schwimmen oder sonstwas, das in die vage Kategorie „Sporteln“ fällt.

Der Jänner ist die Zeit, in der sich Fitnesscenter eine goldene Hantel verdienen: Da melden sich die meisten neuen Mitglieder an. Voller Elan und mit großer Weihnachtswampe.

Im Februar kommen sie noch sporadisch, im März zweimal, danach nie mehr. Weil: Dann pickt die Osterwampe dran, und somit is eh scho wurscht. Sie zahlen brav, tauchen nie auf, benutzen nichts, machen nichts kaputt und haben permanent ein schlechtes Gewissen. Solche fantastischen Mitglieder hat sonst nur die katholische Kirche.

Dass man nicht ins Fitnesscenter geht, darf man aber nicht zugeben, weil: Sport muss man heutzutage. OHNE Sport ist Mord! Selbstmord nämlich, und zwar schleichender. Es könnte nichts uncooler sein als eine Couchpotato, die nur netflixt und chillt. Wer beim Gesundheitswahn nicht mitmacht, ist out. Der ver-fault quasi. Und gilt als schwach, denn der innere Schweinehund ist 2018 ein zahmes Haustier, das man aus dem Weg zu kicken hat.

Wir sind umgeben von Bildern, auf denen trainierende, fitte, strahlende Menschen auf Berggipfeln, in Yogapositionen oder vor dem Spiegel zu sehen sind, gepostet mit #fitness #goals #enjoylife #ohsohealthy. Die dazugehörigen motivierenden Sprüche sind auch wichtig und müssen, der Coolness halber, auf English sein: Be a badass with a good ass./If it’s important to you, you’ll find a way, if not, you’ll find an excuse./Success is a decision.

Anhaben muss man beim Sporteln übrigens Active Wear. Ausgebeulte Jogginghosen sind der Stylingtod, stattdessen trägt man enganliegende, atmungsaktive Superleggins mit neonfarbenem Markenlogo. Sportklamotten sind ja salonfähig geworden, weshalb man in der Erwachsenenstrumpfhose sogar in den Supermarkt gehen darf und voll im Trend liegt. Damit man nicht mehr wie früher im Lauf-Outfit draußen rumlungern muss, bis die Nachbarn endlich merken, dass man Sport macht, gibt es heute die App Runtastic. Mit ihr kann man JEDEM zeigen, dass man sich auf der richtigen Seite seiner Couch befindet: im Wald.

Nichtsportliche Menschen sitzen derweil bei den Treffen der Anonymen Sportmuffel in einem dunklen Kabuff, stehen NICHT auf, wenn sie sich vorstellen, und sagen: „Hallo, ich bin der Max, ich zahle 90 Euro im Monat fürs Fitnesscenter und gehe nie hin.“ Verständnisvolles Nicken. „Hallo, Max. Magst du uns sagen, seit wann es dir so geht?“ „Seit Neujahr.“
Mareike Fallwickl arbeitet als freie Texterin und Lektorin