Zum Vortrag ins Gefängnis: „Ich kann ja wieder raus“

Gerhard Liebenberger hält Reisevorträge. Auch im Gefängnis. Zehn bis 15 österreichische Haftanstalten besucht er regelmäßig, mehr als 30 Vorträge hat er hinter sich.

Gerhard Liebenberger ist schon wieder auf dem Sprung. Demnächst startet er über Thailand und China bis nach Sibirien. Geplant ist auch ein Abstecher in die kälteste Großstadt der Welt, Jakutsk. Davor muss der Wahl-Salzburger allerdings noch ins Gefängnis. Doch alles der Reihe nach.

Gerhard Liebenberger lebt vom Reisen. Mit seinen Vorträgen und Reiseblogs hat er sich im ganzen deutschsprachigen Raum einen Namen gemacht. Wofür der 39-Jährige weniger bekannt ist, sind seine Gastspiele im Gefängnis.

Zehn bis 15 österreichische Haftanstalten besucht er regelmäßig, mehr als 30 Vorträge hat er hinter sich. „Nur Salzburg fehlt mir noch. Das hat sich bisher nicht ergeben. Es würde mich aber sehr freuen, wenn das auch noch klappt“, sagt der gebürtige Steirer.

„Überlegt, ob die das überhaupt wollen“

Vor Häftlingen, die teilweise Jahre oder Jahrzehnte im Gefängnis verbringen müssen, über beeindruckende Reisedestinationen zu sprechen, sei ihm zu Beginn komisch vorgekommen. „Als die erste Anfrage einer Justizanstalt kam, habe ich mir schon überlegt, ob die Insassen das überhaupt wollen“, sagt Liebenberger.

Bedenken, die sich schnell als unbegründet erwiesen. „Viele bedanken sich bei mir nach den Vorträgen, andere wollen wissen, wie viel das kostet und wie man am besten dorthin kommt.“ Je nach Haftanstalt seien aber auch immer wieder Typen dabei, die nur zum Stören zu den Vorträgen kämen. „Wenn man da nicht schaut, dass schnell wieder Ruhe einkehrt, kann der Vortrag anstrengend werden.“

Angst habe er im Gefängnis aber keine. „Man hat ständig einen Justizwachebeamten um sich. Den Vortrag selbst überwachen bis zu 15 Justizwachebeamte“, erzählt Liebenberger, gibt aber zu: „Beim ersten Mal war es schon ein eigenartiges Gefühl, durch die Schleuse ins Gefängnis zu gehen. Aber ich habe ja den Vorteil, dass ich wieder raus kann.“

Zum Nachdenken bringen ihn vor allem Jugendgefängnisse: „Da fragt man sich schon, was die gemacht haben, um hier gelandet zu sein.“ Nicht zuletzt hofft Liebenberger, mit seinen Vorträgen den ein oder anderen Häftling dazu zu inspirieren, auf den rechten Weg zurückzukehren. „Die schönen Seiten der Welt sehen zu wollen, kann schon motivierend wirken.“ So komme auch regelmäßig die Frage, wie man bei der Planung einer solchen Reise am besten vorgehe.

In erster Linie seien seine Vorträge aber eine Abwechslung im Gefängnisalltag, betont Liebenberger. „Gefängnisse müssen mehrmals im Jahr kulturelles Programm anbieten. So ist man überhaupt erst auf mich gekommen.“ Öffentliche Vorträge will er – bis auf wenige Ausnahmen – erst wieder mit seiner neuen Transsibirien-Show im Herbst 2018 halten.

Seit 2009 als Blogger erfolgreich

Einen Namen gemacht hat sich Liebenberger zuerst als Blogger. Seit dem Jahr 2009 berichtet er auf www.andersreisen.net über individuelle und besondere Reiseerlebnisse.

Mit monatlich zwischen 30.000 und 35.000 Besuchern auf „andersreisen.net“ im März ist der studierte Kommunikationswissenschafter einer der erfolgreichsten Reiseblogger Österreichs. Unter dem Titel „#7ways2travel“ hat sich Liebenberger zuletzt mit sechs weiteren Reisebloggern zusammengetan, um einmal im Monat ein gemeinsames Thema aus sieben unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten.

Von Thomas Strübler