Resetarits zuckte aus: „Seid ihr wahnsinnig?“

Das Oval – Die Bühne im Europark wurde anfangs belächelt, und setzte sich trotzdem durch. Weil eben nicht nur Manager „der Mozart einholt“.

Seit 2005 hat der Europark mit dem Oval eine Kulturbühne. Das Fenster sprach mit der künstlerischen Leiterin Margret Stronegger und Europark-Geschäftsführer Christoph Andexlinger.

Wie passt Kultur in einen Konsumtempel?
Andexlinger: Der Anspruch des Europarks war von Anfang an, ein Ort zu sein, wo Menschen gerne sind, ein Treffpunkt. Das ist seit Jahrtausenden dort, wo Handel stattfindet – und da war die Kunst immer Teil davon. Wir waren das erste Shoppingcenter in Europa, das eine Kulturbühne hatte.

Man wird so auf Kommerz reduziert, aber allein die Architektur des Europarks zeigt, dass da eine andere Denke dahinter ist. Oder „The Tree“ von Jonathan Borovsky an der Autobahn: Da hätten wir einen normalen Werbeturm hinstellen können. Anfangs wurde das Oval als Marketinggag abgetan, ich sage immer: Dafür ist es zu teuer.

Haben Künstler auch Vorbehalte, im Shoppingcenter aufzutreten?
Andexlinger: Das war auch eine Entwicklung. Mit Hoanzl, der alle großen Kabarettisten unter Vertrag hat, hatte ich vor der Eröffnung ein Gespräch. Er meinte, okay, ihr bekommt die B-Garnitur, die sind qualitativ so gut wie die besten, aber die kennt keiner. In einem Dreivierteljahr schauen wir weiter. Nach drei Monaten rief er an: Jetzt bekommt ihr die A-Garnitur.

Und als Willi Resetarits das erste Mal da war, erzählte er mir: Ich bin ausgezuckt. Ich habe meiner Agentur gesagt, ihr seid wahnsinnig, ihr könnt nicht meinen Ruf zerstören! Als er dann da war, hat es ihn auf den Hintern gesetzt. Jetzt steht das Oval bei ihm ganz weit oben auf der Liste, wo man auftreten soll.

Viele bemühen sich in der Kultur um niederschwelligen Zugang, Sie haben ihn.
Stronegger: Ja, er baut natürlich Berührungsängste ab. Es gibt Kinder, die sehen im Oval zum ersten Mal ein Kindertheater. Das sind inzwischen an die 15.000.
Andexlinger: Eine Befragung ergab: Ein Drittel der Besucher war vorher noch nie in einem Konzert oder Kabarett. Da war der Europark Door-Opener. Andere kamen wegen der Künstler erstmals zu uns. Es ist eine Win-win-Situation. Das Oval unterstützt den Europark in der Wahrnehmung der Menschen. Und es trägt dazu bei, dass der Europark auch ein Stadtteilzentrum ist. Wir sind Nahversorger für 25.000 Menschen. Sie haben mit dem Oval eine Kulturstätte.

Das Oval hat einen Steinway. Herr Andexlinger, nutzen Sie ihn als Pianist?
Als Pianist bezeichne ich mich nicht. Ich habe das Glück, ein Hobby zu haben, von dem ich nicht leben muss. Als wir den Fügel 2015 bekamen, nahm ich mir vor, einmal in der Woche Zeit dafür abzuzwicken. Es gelingt mir nicht. Kürzlich spielte ich aber um halb sieben in der Früh, weil er einfach ein Wahnsinn ist.

Was spielen Sie da?
Andexlinger: Ich improvisiere ganz gern frei, und ab und an holt mich ein Mozart ein.
Die ersten zehn Jahre zählte das Oval 300.000 Besucher. Geht noch mehr?
Andexlinger: Besuchermaximierung ist nicht die Vorgabe. Ohne Kino haben wir eine sehr gute Auslastung von ca. 83 Prozent. Natürlich könnten wir das rauftreiben. Wenn wir drei Mal die Woche im Kino „Sound of Music“ spielen, haben wir alle Touristen da. Aber das wollen wir nicht, sonst wären wir eine Eventhalle.

Was ist Ihnen beim Programm wichtig?
Stronegger: 50 Prozent ist Theater, Kabarett, 50 Prozent Musik. Und es gibt die Kooperation mit Das Kino. Es geht mir darum, das Neue zu erkennen. Wir haben eine gute Verbindung in die Kulturszene. Es war für uns auch von Anfang an klar, dass wir Gruppen aus Salzburg die Möglichkeit bieten, bei uns aufzuführen. Da ist die Musical Company, das Theater Ecce, Musikgruppen …

Künstler müssen Karrieren starten können. Wir waren bei den ersten, die Herbert Pixner gezeigt haben, der ist uns heute genauso entwachsen wie Paul Pizzera, der drei Mal im ausverkauften republic auftritt. Wir haben nur 227 Plätze. Die einzige Einschränkung liegt in unserer Größe.

Von Petra Suchanek

 

Foto: Andreas Hechenberger