Derbe Lieder übers Kaminfegen und das Schweine-Orakel für Verliebte

Zum Jahreswechsel verschenkt man kleine Glücksbringer, sie sollen  das Schicksal gnädig stimmen.

Das süße rosa Schweinchen. Schweine stehen  im christlich-westlichen Kulturkreis für Üppigkeit und Wohlergehen. Der Ausdruck „eine Sau haben“ zeugt bis heute (auch im Kartenspiel) davon. Den gekochten  Schweinskopf isst man heute allerdings kaum mehr. Mancherorts verbreitet war das Schweine-Orakel:  Heiratslustige  klopften an die Tür des Saustalls. Blieb es drinnen still, war  keine Hochzeit zu erwarten. Grunzte ein Schwein, schloss  man aus seiner Tonhöhe auf einen alten oder jungen Partner.

Die Rauchfangkehrer  sind nicht nur angesichts  der Energiewende eine bedrohte Berufsgattung.   Symbolisch schaffen sie das „Schlechte“ aus dem Haus und sorgen für einen gut ziehenden Ofen. Sich „anschwärzen“ zu lassen, hält angeblich gesund.  Derbere Liebeslieder besangen den erotischen Gehalt des Kaminfegens wie auch anderer Handwerksberufe.  Diese Sprachbilder gelten im Umfeld des  Sexismus-Diskurses  als zunehmend  verpönt.

Harmlos ist zum Glück der  Glücksklee. Der vierblättrige Klee  ist selten, weshalb die Engländer sagten: „Ein Blatt für die Hoffnung, eines für den Glauben, eines für die Liebe – und Gott fügte noch eines für das Glück hinzu.“ Die vierblättrige Variation  aus Mexiko wird bei uns extra für Neujahr gezogen.

Der leuchtend rote Fliegenpilz besitzt  volkskundlich einen Abwehrzauber gegen Neider.   Das im Pilz enthaltene  Muskelgift Muskarin löst Halluzinationen   und Rauschzustände aus, gepaart  mit gesteigerter Muskelkraft und Potenz. Die sieben schwarzen Punkte des heimischen Marienkäfers machten ihn schon in grauer Vorzeit zu einem verehrten Tier zwischen Himmel und Erde.

Im deutschen Sprachraum wünscht man sich  „einen guten Rutsch“. Lange hielt man das für eine Verballhornung der  jiddischen  Bezeichnung für Jahresbeginn, Rosch ha-Schana   (Kopf des Jahres),  entnommen dem rotwelschen Sprachgut der „jüdischen Gauner“. Die  neuere Forschung weist auf die antisemitischen Quellen dieser Darstellung hin.