Geheimplan: So darf der Europark doch ausbauen

Die Entscheidung war heiß umstritten und spektakulär: 2015 lehnte die schwarz-grüne Landesregierung die Europark-Erweiterung ab. Jetzt lenkt die ÖVP ein. Man will „die Causa neu bewerten“ – und peilt nach den Wahlen eine Genehmigung an.

In der Causa Europark werden die Karten neu gemischt. Wenige Monate vor der Landtagswahl zeichnet sich eine Kehrtwende der ÖVP von ihrer bisherigen Haltung an: Man kann sich die Erweiterung der Verkaufsflächen nun durchaus vorstellen. 2015 hatte die schwarz-grüne Koalition eine  Vergrößerung um 11.000 Quadratmeter abgelehnt. „Davon wären 8000 Quadratmeter von alten, kaum mehr genutzten Lagerräumen gekommen“, erinnert SPÖ-Klubchef Walter Steidl. Nun vor der Wahl signalisiere die ÖVP „freie Fahrt für den Europark“.  LAbg. Wolfgang Mayer habe im Raumordnungsausschuss des Landtags aufhorchen lassen.

Gespräche im Hintergrund

Denn Mayer meinte wörtlich: „Die Causa Europark wird man neu bewerten müssen, vor allem im Hinblick darauf, dass keine neue Flächen versiegelt werden. Wenn man zudem bedenkt, was der Europark zum öffentlichen Nahverkehr beigetragen hat und viele andere Dinge mehr, stellt das den Europark auf eine andere Ebene als andere Märkte“, legte der ÖVP-Landesgeschäftsführer dem Konzern aus Taxham die sprichwörtlichen Blumen vor die Tür. Dem SF gegenüber gibt Mayer sich diplomatisch: Man stehe zur Pakttreue mit den Grünen, jetzt werde sicher nichts mehr entschieden, nach der Wahl sei alles vorstellbar – von der Ortskernausweisung bis hin zur  (bisher versagten) Standortverordnung: „Je nachdem, welcher Antrag vom Europark kommt“, deutet Mayer verschwiegene Gespräche im Hintergrund an. Die Europark-Geschäftsführer Marcus Wild und Christoph Andexlinger zeigen sich nach „dem ganzen Politikum“ vorsichtig überrascht: Man freue sich, wenn es einen Meinungsumschwung gebe, offiziell sei man nicht informiert.

Rössler hält dagegen

Raumordnungsreferentin Astrid Rössler hält indes mit eiserner Hand die Wünsche der Handelsriesen im Zaum – ihr zur Seite die ÖVP-nahe Wirtschaftskammer, die den kleinen Einzelhandel vertritt. Rössler behauptet mit Hilfe einer umstrittenen Studie, dass jeder Quadratmeter  Verkaufsfläche im Speckgürtel so und so viele Arbeitsplätze in der Region vernichte oder im Umkehrschluss schaffe.

Europark als neuer Ortskern

Dafür fänden sich in der Realität keine Beweise, erwidert indes die SPÖ –  die mit Spar eine starke Gewerkschaftsbastion hat. Es seien keine neuen Geschäfte in anderen Ortskernen und keine neuen Arbeitsplätze entstanden, sagt Vizebürgermeister Bernhard Auinger: „Es ist ja nicht der Europark der Feind, der Feind ist der Online-Handel. Das sind Amazon und Konsorten, wo keine Beschäftigten arbeiten, während der Europark eine Post, eine Polizeistation, einen Kindergarten, eine Bühne und tausende Mitarbeiter hat.“ Die Stadt wolle den Europark als Ortskern ausweisen, den Bescheid dazu gibt es bereits.

„Spar könnte Wohnungen bauen“

Planungsstadtrat Johann Padutsch hält ihn im Wahlkampf jedoch zurück: „Dann ist erst recht alles verhackt.“ Zudem fehle eine Voraussetzung:   Wohnungen im Umkreis von 70 Metern. Dabei hat Spar laut Padutsch ein noch viel weiter gehendes Projekt in der Hinterhand: Auf der Liegenschaft an der Peter-Pfenninger-Straße könnten an Stelle des Parkplatzes  Büros und ein Hotel entstehen. „Wenn man dort ein paar Wohnungen baut, wären alle Voraussetzungen für einen Ortskern erfüllt. Eine Studie sieht drei Hochpunkte oder Türme vor,  die Verlegung der  Straße. Das könnte eine schöne Geschichte werden“, glaubt Padutsch.

Sonja Wenger