Weihnachtliche Bescherung ohne Happy End

Tiere als Weihnachtsgeschenk sind keine gute Idee.  Einige der großen Handelsketten haben deshalb vor Weihnachten einen Verkaufsstopp.

Da sitzt es, das Kaninchen, in Kinderaugenhöhe. Und schaut so putzig. Das will der Junior haben, klar. Spontankäufe von Tieren treiben Tierschützern die Schweißperlen auf die Stirn. Weihnachten sind die Menschen für Emotionales empfänglich, da kommt ein Tier als Geschenk gerade recht.

Doch was süß ausschaut, endet oft in einer lästigen Pflicht. Spätestens wenn die Couch angeknabbert oder das Klo verfehlt wurde, liegen bei vielen die Nerven blank. „Tiere werden das ganze Jahr abgegeben und ausgesetzt, aber es gibt Hochphasen. Dazu gehört auch der Jahresbeginn mit Jänner, Februar. Die Tiere sind jung, man merkt daran, dass sie zu Weihnachten verschenkt wurden“, sagt Jürgen Stadler von der Pfotenhilfe Lochen.

Fressnapf & Co.: Kein Tier-Verkauf vor Weihnachten

Weil Tiere als Weihnachtsgeschenk zunehmend in die Kritik geraten sind, reagiert auch der Handel. Vor allem Handelsketten für Tiernahrung und -zubehör, die in manchen Filialen Lebendtiere anbieten.

Tiere gehören nicht unter den Christbaum. Was süß ausschaut, wird später oft als Plage empfunden. Und manchmal ist das Tier noch da, wenn das – erwachsene – Kind, das es einst geschenkt bekam, zuhause auszieht. Bild: Pixabay

Branchenriese Fressnapf, der etwa in Wals Tiere im Sortiment hat, führt heuer erneut eine Woche vor Weihnachten einen Verkaufsstopp ein. „Ein Haustier zu schenken ist eine langfristige Entscheidung“, begründet das Fressnapf-Geschäftsführer Hermann Aigner. Auch bräuchten Tiere Ruhe, um sich an die neue Umgebung zu gewöhnen. Diese sei zu Weihnachten nicht gegeben. Besser, ein Sachbuch oder ein Stofftier mit Gutschein schenken, und nach den Feiertagen das Tier mit dem Kind gemeinsam auswählen.

Bei der „Futterhaus“-Kette gibt es schon ab dem ersten Adventsamstag keine Tiere mehr zu kaufen. Die Gartencenterkette Dehner, die in zwölf österreichischen Filialen Tiere anbietet, hat keinen Verkaufsstopp, betont aber die intensive Beratung der Kunden.

Von Aktionen wie diesen hält Zoofachhändler Harald Auer aus Zell am See wenig. Der Verkauf vor Weihnachten steige bei ihm nur um ein paar Prozent, dafür stagniere er im November – weil alle sagen: Schaun ma mal, was das Christkind bringt. November und Dezember zusammen, liege der Umsatz im Monatsschnitt. Außerdem betont Auer: „Bei uns kaufen die Leute relativ bewusst.“

Für 74 Prozent ist Haustier ein echtes Familienmitglied

Geht es nach Jürgen Stadler, so müsse die Ausstellung von Lebendtieren komplett abgeschafft werden, da sie zu Spontankäufen verleite. Ein Tier brauche nicht nur Zeit, es mache auch Arbeit. An die Futter- und Tierarztkosten werde oft nicht gedacht. Und er kritisiert, dass alle Tierbabys wollen, denn: „Es gibt so viele Tiere in den Tierheimen.“

„Nach Jahresbeginn werden viele Tiere abgegeben“: Jürgen Stadler von der Pfotenhilfe Lochen fordert ein generelles Ausstellungsverbot für Haustiere in Geschäften, da dies zu Spontankäufen verleite. Bild: Pfotenhilfe / Mihai Vasile

Jungtiere müssen erst erzogen werden, ein erwachsener Hund hat bereits einen gefestigten Charakter, gibt er zu bedenken. Die Vorstellung, dass alle Tiere im Tierheim aufgrund schlechter Erfahrungen unberechenbar wären, sei falsch, so Stadler. „Sie sind im Gegenteil oft dankbar, dass ihnen nun Liebe und Geborgenheit widerfahren.“ Ist ein Tier auffällig, so würde es nur an geeignete Personen vermittelt, ein Tierheim kenne seine Schützlinge gut.

Die Zahl der Haustiere ist in Österreich leicht im Sinken, die emotionale Bindung jedoch steigt, besagt eine aktuelle Studie der Marktforschung Spectra. 90 Prozent der Haustierhalter sehen das Tier als guten Freund, 74 Prozent als vollwertiges Familienmitglied. 18 Prozent der Österreicher (auf Personen, nicht Haushalte bezogen) halten Haustiere, vor allem Katzen, dicht gefolgt von Hunden. 60 Euro pro Monat gibt man dafür im Schnitt aus, 30 Prozent kaufen Bio-Futter.

Von Petra Suchanek

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.