Filmkritik: „Lady Macbeth“

Am Beginn steht eine desaströse Hochzeitsnacht. „Zieh deine Kleider aus!“, befiehlt der beträchtlich ältere Ehemann herrisch seiner jungen, schönen Braut. Dann lässt er sie nackt im Raum stehen und legt sich allein ins Bett.

Glückliche Ehen starten anders. Katherine wurde von ihrem Schwiegervater gekauft. Ihr labiler Mann Alexander verweigert sich sexuell. Das Herrenhaus ist düster, die Atmosphäre eisig kalt. Im England des Jahres 1856 soll die Frau unterwürfige Haus-  und Ehefrau sein. Doch Katherine will sich in die Opferrolle nicht fügen. Während die beiden Männer des Hauses für einige Zeit verreisen, beginnt Katherine eine hemmungslose Affäre mit einem dunkelhäutigen Gutsarbeiter. Eines Tages kehren Ehemann und Schwiegervater wieder zurück. Um ihre neu gewonnene sexuelle Freiheit zu verteidigen, schreckt Katherine  vor nichts zurück.

 

 

Inszenierung:

So abgründig hat man das viktorianische Zeitalter im Kino wohl noch nie gesehen. „Lady Macbeth“ basiert auf der russischen Novelle „Lady Macbeth von Mzensk“ aus dem Jahr 1865. Dmitri Schostakowitsch hat das Werk Nikolai Leskows in den 1930er Jahren als Oper adaptiert. Der britische Regisseur William Oldroyd verwandelt die Vorlage nun in ein kühnes, kammerspielartiges und karges Kostümdrama im englischen Moor und entfacht einen ungewöhnlichen Geschlechter-, Rassen- und Klassenkampf. „In literarischen Texten dieser Zeit leiden die Frauen entweder stillschweigend, sie verschwinden oder begehen Selbstmord“, meint Regisseur Oldroyd. Unter seiner Obhut mutiert die weibliche Heldin zu einer skrupellosen Kämpferin, die ihr Schicksal auf eine ziemlich blutrünstige Art in die Hand nimmt. Die junge Nachwuchsschauspielerin Florence Pugh verkörpert diese ambivalente Frauenfigur beeindruckend in einer Mischung aus Sinnlichkeit und Kälte. Als feministisches Role Model taugt die Heldin eher weniger.

Der bewegendste Moment:

Es wird betrogen, vergiftet, geliebt und gemordet wie in einem Shakespeare-Drama. Der Blick auf diese Welt ist jedoch emotionslos und kühl.

Fazit:

„Lady Macbeth“ ist ein schonungsloses Kostümdrama mit einer ziemlich radikalen Heldin. (Ab 8. Dezember im Das Kino)
Von Helmut Hollerweger

Das vollständige Kinoprogramm finden Sie auf: www.salzburger-fenster.at

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