Der rumgeschubste Joseph Mohr

Auf den  kulinarischen Spuren der Stillen Nacht wurden wir auch in Hintersee fündig.

Der arme Joseph Mohr – sein Pech damals ist heute Salzburgs Glück. Der Textdichter des Liedes Stille Nacht wurde von der Kirche ständig durch die Gegend geschubst. Immerhin traf er dabei 1818 in Oberndorf den Lehrer Franz Xaver Gruber, der sein Gedicht zu einem Welthit vertonte. Anschließend war Mohr in Kuchl, Vigaun, Anthering, Eugendorf, Hof und Hintersee seelsorgerische tätig, ehe er in Wagrain verstarb. Und diese sieben Orte dürfen sich „Stille-Nacht-Gemeinden“ nennen. Gruber hingegen war fremdenverkehrstechnisch nicht so wertvoll, verhalf später nur Arnsdorf, Berndorf und Hallein zu heutigem Ruhm. Beim Stille Nacht-Jubiläum kommendes Jahr wird es rund gehen in all diesen Orten (vielleicht kommt der Papst).

Auch Hintersee freut sich schon. Wobei: Auf den ersten Blick scheint das Joseph Mohr Haus zweckentfremdet. Da ist nämlich ein Puppenstuben-Museum eingezogen. Vielleicht aber hätte Mohr, in Armut aufgewachsen, gerne mit so etwas Schönem gespielt – auch wenn diese Wohnzimmer, Küchen und Kaufmannsläden dazu dienten, bessere Töchter aufs herrschaftliche Leben vorzubereiten. Vielleicht hätte er auch über die Geschichte hinter dem Museum gelacht. Bei einem Urlaub kam nämlich den Frankfurter Puppensammlern Ulla und Manfred Kunert die Idee, den alten Puppen und Bären dauernde Sommerfrische zu gewähren. Es brauchte einen ganzen Bus für den Umzug. Womit wir bei der Gastwirtsfamilie Ebner sind.  Denn die hat 1999 auf eigene Kosten das Mohr-Haus gegenüber saniert und das Museum eingerichtet. Bei Sonne mag es ihre Gäste zum See und in die Berge ziehen, aber es braucht auch ein Schlechtwetter-Programm. Ihr Gasthof Hintersee ist über 230 Jahre alt, hatte sicher auch Mohr zu Gast, der neun Jahre Pfarrvikar war im Dorf und der als leutselig galt, ihm wurde gar das „Singen nicht erbaulicher Lieder“ nachgesagt.

Der Gasthof Hintersee ist auch heute noch ein florierender Betrieb. Albert Ebner junior legt eine Karte mit klassischen Wirtshausgerichten auf. Die Kalbsleber (€ 12,50) bot zartes Fleisch und einen guten Saft mit Apfel und Zwiebel. Der Ochse (€ 12,60) kam in zwei saftigen Scheiben gekocht daher in Rindsbrühe mit Gemüse, Kren und Bratkartoffeln. Tadellos, mit blasenschlagender Panade auch das Wiener Schnitzel vom Kalb (€ 14,90). Die Portionen hatten durchaus sättigendes Ausmaß – und doch musste Platz bleiben für die Mehlspeisen von Seniorchefin Erika Ebner, die sind weitum gerühmt. Der Apfelstrudel (€ 5,10) war richtig gut, der Kaiserschmarrn (€ 8) kam sehr rasch, weil „nach Omas Rezept“ aus Palatschinken gefertigt, schön karamellisiert und von kräftigem Röster begleitet. Und der Höhepunkt war violett, ein Heidelbeerdatscherl (€ 6), fruchtig und leicht bitter. „Die sind so gut, weil ich wenig Teig nehme“, sagt sie. Dem kann man nur genießend zustimmen.  Wir waren zuvor um den Hintersee gegangen und hatten hernach die Puppenstuben allerliebst gefunden, ein schöner Ausflug auf kulinarischen Spuren der Stillen Nacht. Übrigens brauchte Joseph Mohr als uneheliches Kind einen Sünden-Ablass vom Papst, um zum Priester geweiht zu werden. Eine böswillige Zeit. Wohl deshalb entstand damals ein so sehnsuchts-tiefes Lied.

Gasthof Hintersee, 5324 Hintersee, Tel. 06224/8900-0, www.hintersee.at