Raus aus dem Schatten mit „Jojo“

Kinder, die mit psychisch erkrankten Eltern aufwachsen, haben es nicht leicht. Viel zu oft bleiben sie im Schatten. Das ändert sich, wenn Paten des Vereins „Jojo“ auftauchen. Ein Beispiel ist die Sekretärin Marlies Monauni.

Der Freitagnachmittag gehört „ihren“ Burschen. Nach dem Büro fährt Marlies Monauni zu Benn und Lukas (Namen geändert). Die 30-jährige Anwaltssekretärin ist mit den Buben weder verwandt noch verschwägert. „Darf ich Tante zu dir sagen?“, hatte der achtjährige Benn sie beim ersten Treffen  im Sommer gefragt. „Sicher“, hatte Monauni ihm geantwortet. Das ist drei Monate her. Tante sagt zwar keiner zu ihr, aber aus Benn (8) und Lukas  (5) Familie ist „die Marlies“ nicht mehr wegzudenken. Die gebürtige St. Johannerin ist Patin beim Salzburger Verein „Jojo – Kindheit im Schatten“.

Wenn es Eltern schlecht geht, redet keiner drüber

Der Verein unterstützt in Salzburg und im Flachgau Kinder, die mit psychisch erkrankten Eltern aufwachsen. „Es redet halt keiner drüber“, sagt Marlies Monauni. Doch gerade für diese Kinder sei  es enorm wichtig, dass sie außerhalb ihrer Familie eine Stütze finden. „Ich bin der Ruhepol in der Familie von Benn und Lukas“, beschreibt sich Monauni. Ein ruhiger Pol fehlt in der Familie. Ihre beiden Kinder zieht die psychisch erkrankte Mutter alleine auf.

Oft wird alles zu viel

„Der Kontakt zum Vater der Buben ist gut, ich habe ihn auch schon kennengelernt“, schildert Monauni. Doch die Erziehungsarbeit, der Haushalt und alles was mit der Familie zu tun hat, hängt allein an der Mutter. Die ist schnell einmal unruhig und kommt schwer damit zurecht, wenn die Buben lebhaft, laut und wild sind. Es kommt eine Spirale in Gang: Die Mutter reagiert gereizt, die Kinder werden noch zappeliger.  Umso mehr freuen sich die Kinder (auf Aufmerksamkeit) und die Mama (auf drei Stunden Entlastung), wenn „die Marlies“ klingelt.

Spielplatz, spielen, Muffins backen

Dann geht es raus auf den Spielplatz, zu „Cars 3“ ins Kino oder zum Fußballgolfen. „Das war so lustig“, strahlt die 30-Jährige, die davor noch nie Fußball oder gar Golf gespielt hat. Regnet es, backen die drei bei Monauni Muffins, spielen  Brettspiele oder malen. Manchmal schauen sie auch nur gemeinsam fern – wenn einer nicht so gut drauf ist. Was hat man selbst davon, einen Nachmittag pro Woche für fremde Kinder herzugeben? Marlies Monauni braucht da keine Sekunde nachzudenken. „Es ist so schön, wenn man Kindern eine Freude machen kann!“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Sie  selbst habe so viel, so Monauni: „Ich habe Arbeit, Familie und bin pumperlgsund. Wenn ich etwas geben kann, macht mich das glücklich.“ Noch ein Gedanke ist da im Hinterkopf: Jeder könne einmal in die Situation kommen, dass er eine Stütze braucht – für sich oder seine Kinder.

Kinderschutzpreis für den Verein „Jojo“

Kinder sind Benn und Lukas noch für  Jahre. Was danach zwischen ihnen und  ihrer Marlies sein wird, steht in den Sternen. Doch für Monauni ist klar: Patin für „ihre“ Jungs bleibt  sie ein Leben lang. Für sein Patenprojekt durfte Jojo kürzlich den österreichischen „Kinderschutzpreis 2017“ in Wien  entgegennehmen. Neue Paten und Patinnen sind immer willkommen, denn sehr viele Kinder haben Mütter und Väter mit Problemen wie Überlastungssyndromen oder Depressionen.

Von Sabine Tschalyj

Kontakt für Interessierte: Verein Jojo – Kindheit im Schatten, Heidi Eher, Tel. 0662-882252-11, www.jojo.or.at