Filmkritik: „Was uns bindet“

Ihre Rückkehr in den Salzburger Lungau verarbeitet Regisseurin Ivette Löcker zu einem mutigen Familienporträt.

„I merk einfach, wenn i in den Lungau komm, werd ich viel verspannter“, gesteht die Regisseurin dieses Films zu Beginn. Ivette Löcker, geboren in St. Michael im Lungau, hat bereits mehrere Dokumentarfilme gedreht, seit 2000 lebt sie in Berlin. In „Was uns bindet“, ihrem neuen Film, dokumentiert sie ihre Rückkehr zur Herkunftsfamilie. Äußerer Anlass ist eine Erbschaft: Die Eltern vererben ihren drei Töchtern zwei alte Häuser. Im Zentrum steht jedoch vielmehr die schwierige Beziehung der Eltern. Die sind zwar schon seit 20 Jahren getrennt, leben aber noch immer im selben Haus, er im Keller, sie im oberen Stockwerk. Die Kamera dokumentiert ihren Alltag. Man sieht die Mutter bei der Gartenarbeit, beim Kochen, bei einem Besuch in ihrem slowenischen Geburtsort. Der Vater, ein hemdsärmliger Typ mit Charme, aber klarem Weltbild, ist gern unterwegs und leutselig. Einmal reist er mit der Tochter zur Expo nach Mailand.

Inszenierung:

Mit „Was uns bindet“ präsentiert Ivette Löcker ein gnadenlos persönliches und mutiges Familienporträt. Indem die Regisseurin zugleich auch Tochter ist, ist die Gratwanderung zwischen Nähe und Distanz mitunter eine schwierige. So schwierig, dass bisweilen auch Tränen fließen. Zugleich bietet der Film immer wieder auch humorvolle Momente. Etwa jenen, in welchem der Vater die Gefährlichkeit von Wandschimmel anzweifelt und diesen mit Vorliebe entgegen dem Rat der Töchter mit der bloßen Hand angreift: „Geh, da stirbt do niemand dran!“ Der Film erzählt zwar eine persönliche Geschichte, dennoch gibt es in diesem Film Beobachtungen, die allgemein gültig sind. Allen voran das Gefühl der Entfremdung zwischen den Eltern vom Land und ihren Kindern, die zum Studieren in die Stadt gezogen und damit in eine ganz andere Welt eingetaucht sind.

Der bewegendste Moment:

Wie ein roter Faden ziehen sich die resignativen Phrasen der Eltern durch den Film: „So ist des Lebn!“, „Wie’s halt is!“, „A paar Joar nu und dann is sowieso oas vorbei“. Sie erzählen von einem verpassten Leben.

Fazit:

Mit „Was uns bindet“ gelingt Ivette Löcker ein mutiges und ergreifendes Porträt ihrer komplizierten Familienkonstellation. (Am 1. Dezember findet um 20 Uhr im Das Kino die Salzburg-Premiere des Films in Anwesenheit der Regisseurin und ihren beiden Hauptdarstellern – ihren Eltern – statt).

Von Helmut Hollerweger

Das vollständige Kinoprogramm finden Sie auf: www.salzburger-fenster.at